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Salzburg im Kino:Oper für Jedermann

La Traviata Salzburg im Kino

Willy Deckers Traviata-Inszenierung von 2005 mit Anna Netrebko eröffnet die Reihe.

(Foto: Klaus Lefebvre)

Von 24. Oktober an kommen Inszenierungen der Salzburger Festspiele auf die Leinwand - ein Projekt der Produktionsfirma des Rock-Schlagzeugers Fabian Halbig

Von Joachim Nicolodi

Genau 100 Jahre ist es her, dass die Salzburger Festspiele in der Mozartstadt ihre Premiere feierten. Mindestens genauso besonders wie das 100-jährige Bestehen ist die Art, in der es gefeiert wird: Eine Auswahl der beeindruckendsten Produktionen der letzten Jahre wird nun erstmals im Kino zu sehen sein.

Verantwortlich für "Salzburg im Kino" ist der 27-jährige Fabian Halbig, Schlagzeuger der Rockband Killerpilze und Gründer der Filmproduktions-Firma Nordpolaris. Wie es zu dem Projekt kam? "Ich habe schon am Anfang dieses Jahres entschieden, mich auf 'alternative content cinema' zu konzentrieren, also auf die Eventauswertung von Rock-, Pop- und Hip-Hop-Projekten im Kino", sagt Halbig. Auf die Salzburger Festspiele sei er durch seinen Firmenkollegen Florian Kamhuber gekommen. Im August wurde so der "Jedermann" und die "Elektra" live in mehr als 100 Kinos in Deutschland, Österreich und der Schweiz übertragen, nun folgt von 24. Oktober an eine Kinoreihe mit zehn ausgewählten Produktionen und einem informativen Rahmenprogramm. "Eine Live-Aufführung werden wir leider nicht ersetzen können, aber das Kino kommt dem auf jeden Fall am nächsten."

Ziel sei es, sowohl das Stammpublikum zu begeistern als auch die Oper einem breiten, jüngeren Publikum zugänglich zu machen. "Das ist für uns als junge Produktionsfirma natürlich auch ein sehr persönliches Anliegen", so Halbig. Eine besondere Verbindung zu den Festspielen und zur Oper habe er vor dem Projekt nicht gehabt, zur klassischen Musik hingegen sehr. "Mein Vater war Kirchenmusiker, ich selbst habe auf einem musischen Gymnasium Trompete gelernt und dort auch Abitur gemacht. Da er jeden Sonntag in der Kirche Orchester dirigiert hat, haben mein Bruder und ich dort immer mitgespielt. Die Klassik war also unser erster Berührungspunkt mit der Musik." Mit neun, zehn Jahren sei die Pop- und Rockmusik dazugekommen, die Klassik habe aber immer eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt. "Jetzt, wo man sich nicht mehr so pubertär beweisen muss, kommt die Verbindung zur Klassik wieder etwas stärker hervor", sagt er lachend. "Ich saß im August selbst bei der Live-Aufführung der Elektra im Kino und hatte Gänsehaut. Zum ersten Mal wieder gemeinsam mit anderen Menschen Kunst zu erleben, war schon etwas Besonderes."

Fabian Halbig

Fabian Halbig fühlt sich auch der Klassik verbunden.

(Foto: Nordpolaris)

Wie er denn die Kluft zwischen Klassik und Pop wahrnehme? Schließlich dürfte es nicht allen eingefleischten Opernfans gefallen, dass ein Rockmusiker für die Übertragung der Festspiele verantwortlich ist. "Bei den Festspielen waren alle sehr offen für das Projekt. Außerdem will ich ja auch keine Rockkampagne für die Salzburger Festspiele machen. In den letzten Monaten habe ich mich auch gefragt, wo die Symbiose zwischen diesen beiden Welten sein könnte, aber vielleicht muss es die ja gar nicht geben. Ich denke, beide Welten, sowohl Klassik als auch Pop und Rock, haben eine Daseinsberechtigung. Und beide Welten muss man ernst nehmen und wertschätzen."

Außerdem gehe es bei Kunst eigentlich immer um das Gleiche: Menschen zu unterhalten, sie für ein paar Stunden aus dem Alltag zu entführen und ihnen bestenfalls noch eine Botschaft mitzugeben. Das sei im Kino und im Theater so, und auch bei einer Tour der Killerpilze und bei der Zauberflöte. Natürlich will Halbig auch der eigenen Fangemeinde die eine oder andere Oper schmackhaft machen, das sei aber nicht sein Hauptaugenmerk. "Klar wäre es schön, wenn man Rock-Fans dafür begeistern kann. Aber wenn das nicht klappt, dann muss man das auch akzeptieren."

Neben seiner Tätigkeit bei den Killerpilzen ist Halbig auch als Schauspieler aktiv, unter anderem als querschnittsgelähmter Kai in "Die Vorstadtkrokodile". "Die Musik war schon immer da, das Schauspiel kam irgendwann dazu und die drei Vorstadtkrokodile-Filme sind sehr populär geworden." Als Halbig das Abitur abgelegt hatte, überlegte er, wie es weitergehen solle. "Die Arbeit der Produzenten hat mich schon immer fasziniert, zu sehen, was da alles hinter den Kulissen eines Filmsets vor sich geht. Ich habe mich dafür an der Filmhochschule beworben und bald danach mit Florian die Firma gegründet. Es war ein Quereinstieg, aber mittlerweile fühle ich mich angekommen."

Ob er je daran gedacht hat, vom Filmschauspiel ins Theater zu wechseln? Eventuell als nächster Jedermann? "Auf keinen Fall", sagt er und lacht. "Ich nehme mir zwar vor, jedes Jahr ein paar Drehtage zu haben. Vielleicht kommt auch mal ein größeres Projekt raus. Aber den Jedermann überlass' ich auf jeden Fall denen, die es wirklich können. Vor allem, nachdem ich heuer wieder Tobias Moretti in dieser Rolle gesehen habe."

Programminfos: www.salzburgimkino.de

© SZ vom 23.10.2020

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