Saint Laurent Hier gibt es französische Küche mit österreichischem Einschlag

Die Wirte Claudia und Laurent Pezeron und ihr Personal kümmern sich herzlich um ihre Gäste, auch um junge Besucher.

(Foto: Stephan Rumpf)

Austern und Wiener Schnitzel: Das Saint Laurent ist ein Restaurant mit einer Wirtin alter Schule - eine Seltenheit im Glockenbachviertel.

Von Karl-Heinz Peffekoven

Peffekoven ist bekennender Nostalgiker, jetzt rein kulinarisch gesehen. Deshalb hasst er Momente wie jenen im Sommer, als ihm sein Lieblingswirt Arnaud eröffnete, er werde sein Restaurant, das "Rive Gauche" an der Thalkirchner Straße, bald schließen müssen, ins immer Überdrehtere steigende Miete, das Übliche. Und bald danach war der herrliche Ort schon verschwunden, ein Bistro im besten Pariser Sinne, wo man draußen an kleinen Tischen in der Spätsommersonne sitzen und bei einem Pastis das vorbeiziehende Szenevolk begutachten konnte. Perdu.

Noch in der Trauerphase durchschritt Peffekoven eines Abends die nahe Ickstattstraße, die er eigentlich vor allem wegen ihres wunderbaren Schraubenladens (Schrauben-Mutter, seit 1950) schätzt - und jetzt auch wegen des neuen Franzosen, der dorthin gezogen ist: Saint Laurent. Das französisch-österreichische Wirtspaar Pezeron ist, nach vielen Jahren in Haidhausen, vor Kurzem wegen des üblichen Pachtärgers ins Glockenbachviertel umgezogen, in ein schönes Lokal; der alte holzgetäfelte Innenraum sorgt für die richtige Behaglichkeit; im Sommer gibt es auch ein paar Tische draußen. Anders als auf der rechten Isarseite gibt es hier wenig französische Konkurrenz. Die freilich müsste das Saint Laurent nicht scheuen.

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Hier füllt es im Gegenteil eine echte Lücke: Denn ein richtiges Restaurant, weiß eingedeckt, mit einer Wirtin alter Schule: Das ist im Glockenbachviertel ziemlich aus der Mode gekommen. Vielleicht zieht das Haus darum ältere Gäste an, etwa einen selbstbewusst ergrauten Herren, dessen gepflegtes Charmieren an frühere Zeiten und ein bisschen an den leider verstorbenen Marcel Reich-Ranicki erinnern. Manche Gäste kommen von weiter weg: treue Stammkundschaft aus Haidhausen, beim Eintreten aufs Herzlichste begrüßt.

Durchweg französisch ist das Saint Laurent übrigens nicht. Es steht auch mal Tafelspitz auf der Karte, und "auf Anfrage" kann es Wiener Schnitzel geben. Die Mischung aus Österreichisch und Französisch ist natürlich nichts für Puristen. Auch Vegetarier haben es nicht leicht. Man kann natürlich, wie die Wirtin empfiehlt, zur Artischocke greifen, wahrlich ein französisches Gericht, das allerdings eine gewisse Charakterstärke verlangt, denn das Gemüse ist sehr groß und benötigt einen Gast mit Geduld und mehr Appetit als wirklichem Hunger. Wer stilvoll-klassisch einsteigen will, kann für drei Euro das Stück Austern wählen, sehr frisch mit dem feinen Gefühl von Salz und Meer, das gute Austern auszeichnet. Die Vorspeisenkarte erlaubt es, Bistro-style und etwas preisgünstigere Klassiker wie hausgemachte Entenleberpastete, passierte Fischsuppe oder Ziegenkäse mit Honig und Salat zu speisen.

Richtig glücklich wurden Peffekoven und Gefolge durch den Entschluss, Ochsenbäckchen zu probieren. In mehrererlei Hinsicht sind Ochsenbäckchen heute nicht gerade en vogue. Rotes Fleisch, wird behauptet, soll man meiden. Und wer macht sich schon die Mühe, ein Gericht stundenlang auf Niedrigtemperatur zu schmoren, wenn man genausogut ein Steak in die Pfanne werfen kann? Diese Ochsenbäckchen allerdings gerieten so hervorragend, dass Peffekoven zu Hause alsbald versuchte, sie nachzukochen.

Der Erfolg: bescheiden. Sehr viel Gewürz brauche ein solches Bäckchen, hatte der Metzger gesagt. Gemeint war wohl: um den strengen Ochsengeschmack zu bändigen. Der hielt sich allerdings in der heimischen Küche noch lange. Im Restaurant dagegen waren die Ochsenbäckchen so, wie sie sein sollen, vor allem im Herbst: ein süßlich-dunkler, zarter, tröstlicher Traum. Interessant dazu: der graupige Gourmetweizen. Dann die Kellerbiersauce: Schon der Name ist Poesie.

Der alte holzgetäfelte Innenraum sorgt für die richtige Behaglichkeit.

(Foto: Stephan Rumpf)

Eine sehr gute Wahl war auch der Rochen an Zitronenkapernsauce, ein leichter Genuss. Fisch ist eine besondere Stärke des Hauses, etwa die im Ganzen servierte und mit Pernot flambierte Dorade Royale. Bei den Nachspeisen befand ein jüngeres Mitglied der Tischgemeinschaft, dass die Crêpe Normande mit gebratenen Äpfeln in Calvadoskaramelle "wahnsinnig lecker, der beste Nachtisch jemals" sei. Wie meist hatte Peffekoven zum Testen Kinder mitgeführt, bei deren unausweichlichen Sonderwünschen sich schnell der wahre Charakter eines Wirts zeigen kann.

Es gab schon welche, die schauten, als würden sie es vorziehen, der Gast hätte seinen Hund mit an den Tisch gesetzt. Nichts dergleichen hier, der Service ist supernett und erklärt jedes Gericht. Eine großzügig bestückte Weinkarte rundet das Vergnügen ab, das wie meist in dieser Stadt natürlich nicht ganz billig ist. Hauptspeisen liegen grob zwischen 17 und 30 Euro (wobei das preisgünstige Mittagsmenü eine echte Alternative ist: Drei Gänge für 14,50, zwei für 11,50), die Weinpreise sind münchnerisch-verwegen. Aber dafür bekommt man auch etwas Echtes und Ehrliches: ein wirkliches Stück Frankreich. Mit mehr als nur einem Hauch Österreich, zugegeben.

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