Sachbuch:Wer schreibt und bleibt

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Anatol Regnier über Schriftsteller im Nationalsozialismus.

Von Antje Weber

"So peinlich ist das Ganze! Man kann manchmal wirklich vor dem ganzen Schriftstellerpack das große Speien kriegen." Das schreibt 1936 ausgerechnet der NS-Autor Will Vesper, als es Querelen rund um die Reichsschrifttumskammer gibt. Peinlich bis gruselig ist tatsächlich so einiges, was Anatol Regnier in seinem Buch "Jeder schreibt für sich allein" zusammengetragen hat. Der Autor hat umfassend über die Biografien von unterschiedlichsten Schriftstellern recherchiert, die während des Nationalsozialismus in Deutschland geblieben waren. Hans Falladas Roman "Jeder stirbt für sich allein" lieferte die Initialzündung für das Projekt, bei dem Regnier unter anderem intensiv im Literaturarchiv Marbach forschte, um die alltägliche Lebensrealität jener Zeit näher kennenzulernen und "einige Schleier zu lüften".

Das ist ihm gelungen, in einem detailreichen Buch mit unzähligen Beispielen unterschiedlichster Art. Regnier schildert die Entwicklungen berühmter und weniger bekannter Schriftsteller, von der Mann-Familie bis zu Gottfried Benn, von Ina Seidel bis zu Ernst Wiechert, von NS-Autoren wie Hanns Johst bis zu erschütternden Schicksalen jüdischer Schriftsteller wie Ludwig Fulda. Ausgehend von unter anderem viel Material über die Preußische Akademie der Künste beschreibt Regnier Scharmützel und Intrigen, Widerstand und viel Wegducken. Und arbeitet immer wieder Ambivalenzen heraus.

Anatol Regnier: Jeder schreibt für sich allein. Schriftsteller im Nationalsozialismus. C.H. Beck, München 2020, 366 Seiten, 26 Euro

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