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S-Bahn-Tunnel:Vorarbeiten für Zweite Stammstrecke sollen nach der Wiesn beginnen

Bahnhofsvorplatz in München, 2015

Kurz nach dem Oktoberfest will die Deutsche Bahn den Bahnhofsvorplatz aufreißen und die Fahrspuren in Richtung Süden für den Autoverkehr sperren lassen.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Vorarbeiten für die geplante zweite Stammstrecke sollen noch in diesem Jahr beginnen.
  • Der Verkehr am Hauptbahnhof wird voraussichtlich stark behindert werden.
  • Die konkrete Finanzierung des Projekts ist noch immer nicht klar.

Freistaat und Deutsche Bahn machen ernst mit ihrer Ankündigung, erste Vorarbeiten für den geplanten zweiten S-Bahn-Tunnel unter der Innenstadt noch in diesem Jahr beginnen zu wollen. Wie ein Sprecher des Schienenkonzerns bestätigte, sollen direkt nach dem Oktoberfest Arbeiter damit beginnen, eine Fernwärmeleitung der Stadtwerke, einen städtischen Abwasserkanal sowie Teile der Straßenbeleuchtung am Hauptbahnhof zu verlegen.

Deshalb wird es etwa ein Jahr lang am Bahnhofsvorplatz teils massive Behinderungen für Autofahrer geben. Offiziell heißt es von der DB wie den beteiligten städtischen Referaten lediglich, man stimme die genauen Details derzeit noch ab. Nach SZ-Informationen gehen die Planer aber davon aus, dass die beiden westlichen Fahrbahnen vor dem Bahnhofszugang, die von Norden kommend zur Bayerstraße führen, komplett für den Autoverkehr und die Linienbusse gesperrt werden müssen. Unklar ist noch, inwieweit auch der Trambahnverkehr beeinflusst werden wird.

Erst vor etwas mehr als drei Wochen hatte Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) betont, der Tunnelbau solle nach dem Willen der Staatsregierung noch heuer mit ersten Vorarbeiten starten. Tatsächlich hatten die Ingenieure der DB eigentlich geplant, mit den Vorarbeiten schon vor Beginn der Sommerpause loszulegen. Nach SZ-Informationen sollte es dazu sogar eine Art "inoffiziellen ersten Spatenstich" geben, bei dem Vertreter des Freistaats und der Bahn den Startschuss geben wollten.

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Die Stadt allerdings durchkreuzte diese Pläne: Denn seit dieser Woche laufen zwischen Stachus und Sendlinger Tor umfangreiche Bauarbeiten an den Gleisen der Trambahn; zuvor hatten Arbeiter der Stadtwerke in der Elisenstraße nördlich des Justizpalastes eine neue Fernkälteleitung verlegt.

Vor allem die Verkehrsplaner im Kreisverwaltungsreferat (KVR) hatten daraufhin die DB-Planer eingebremst. Eine weitere Baustelle im Bereich zwischen Hauptbahnhof und Stachus hätte die Autofahrer übermäßig belastet. Der Bahnhofsvorplatz müsse "zur Umfahrung" der Tramstaustelle in der Sonnenstraße frei bleiben, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. Deshalb darf die Bahn nun erst nach der Wiesn loslegen.

Bis dahin, so hoffen Vertreter der Bahn wie auch des Freistaats, werde man sich mit dem Bund auch über die Finanzierung des Milliardenprojekts geeinigt haben. Derzeit über prüfen die Ingenieure der Bahn zusammen mit Fachleuten aus der Obersten Baubehörde des Freistaats erneut die bereits vorgelegte Kostenkalkulation des Schienenkonzerns, die sich zuletzt auf gut drei Milliarden Euro belief. Eine Sprecherin von Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) erklärt dazu lediglich, dass "derzeit Gespräche beim Bund auf Fachebene laufen".

Ziel dieser Treffen sei es, "im Herbst 2016 endgültig über die Finanzierung zu entscheiden". Aber auch wenn bis dahin noch keine Einigung erreicht sein sollte, könnten die Bagger auf dem Bahnhofsvorplatz dennoch anrollen, bestätigt der DB-Sprecher. Der Freistaat habe dazu "die Vorfinanzierung zugesagt". Herrmanns Sprecherin äußert sich dazu nicht. Die Stadtwerke erklären, der DB-Konzern habe dem städtischen Unternehmen die "Übernahme der Kosten für die Spartenverlegung zugesichert".

Aktuell liegen sieben Klagen vor

Außerdem hat das Eisenbahnbundesamt bereits Ende Januar nach eigenen Angaben für die Umlegearbeiten auf dem Bahnhofsvorplatz "den sofortigen Vollzug angeordnet". Das ist insofern wichtig, weil die Baugenehmigung für den Tunnelabschnitt rund um den Hauptbahnhof, der sogenannte Planfeststellungsbeschluss, noch nicht rechtskräftig ist. Denn beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) liegen sieben Klagen von Anwohnern und Gewerbetreibenden vor.

Ende Juni wird sich der 22. Senat des VGH mit den Klagen befassen. Zudem liegt auch für den östlichen Tunnelabschnitt, der unter Haidhausen verlaufen soll, noch keine rechtsgültige Baugenehmigung vor; auch dort bereiten Anwohner derzeit Klagen vor. Dank des angeordneten Sofortvollzugs könnte die Bahn aber mit ersten Vorarbeiten rund um den Hauptbahnhof beginnen, auch wenn die Richter bis nach dem Oktoberfest noch nicht über die sieben Klagen im westlichen Abschnitt abschließend geurteilt haben sollten.

Den Landtagsabgeordneten Michael Piazolo (Freie Wähler), einer der Tunnelskeptiker, erinnert das Ganze ein wenig an das Jahr 2011. Damals hatte die DB bereits Archäologen mit Grabungen am Marienhof beauftragt, wo in 40 Meter Tiefe ein neuer S-Bahnhof geplant ist. Monatelang wühlten sich die Forscher durch den Untergrund und förderten manchen archäologischen Schatz hervor; "tatsächlich gebaut", sagt Piazolo, "wurde dann aber nicht".

Vor allem, weil sich Bund und Freistaat bislang nicht auf die Finanzierung für das Milliardenprojekt einigen konnten. Piazolo kritisiert seit Langem, dass der Freistaat beim S-Bahn-Ausbau nicht forciert genug vorgehe. Deshalb fordert er auch, dass "die Frage ,Wer zahlt was?' geklärt wird, bevor die Bahn nun richtig mit den Arbeiten loslegt".

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