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S-Bahn-Störung:Kaputte Weiche löst S-Bahn-Chaos aus

Kaputte Weiche an der S-Bahn Stammstrecke zwischen Hackerbrücke und Donnersbergerbrücke, näher an der Hackerbrücke.

Ein Bahnarbeiter schneidet die betroffene Weichenschiene entzwei.

(Foto: Florian Peljak)

Nahe der Hackerbrücke entdeckt ein Messzug eine Schwachstelle am Gleis. Fünf Stunden lang geht auf der Stammstrecke nahezu gar nichts mehr.

Von Thomas Anlauf und Stefan Simon

Wegen eines defekten Weichenteils nahe der Hackerbrücke ist die S-Bahn-Stammstrecke durch die Münchner Innenstadt am Dienstag teilweise gesperrt worden. Tausende Berufspendler, Touristen und Bahnreisende bekamen die Folgen schon am frühen Morgen zu spüren und versuchten, auf U-Bahnen, Tram oder Busse auszuweichen. Die U-Bahnen waren teils völlig überfüllt, besonders am Hauptbahnhof drängten während des Berufsverkehrs die gestrandeten Fahrgäste in die Züge der U 4 und U 5, da auch einige Trambahnlinien derzeit wegen Bauarbeiten nur bis zum Hauptbahnhof oder verkürzt fahren.

Zum Teil setzte die Bahn Busse als Schienenersatzverkehr ein. Erst am Nachmittag gegen 15 Uhr war die defekte Weiche wieder repariert und die Stammstrecke wurde von der Bahn komplett für den Verkehr freigegeben. Erst gegen 19 Uhr war der Betrieb laut Bahn wieder im Takt.

Entdeckt wurde der Schaden an der Weiche westlich der Hackerbrücke bei einer Routinekontrolle am Dienstag um drei Uhr früh. Sie war nicht völlig kaputt, allerdings wurden "Unregelmäßigkeiten in der Materialstruktur" der Weiche festgestellt, wie ein Bahnsprecher sagte. Das könne immer mal passieren, schließlich werde die Stammstrecke täglich von etwa 1000 Zügen befahren. Deshalb verwende man für die Gleise ohnehin höherwertiges Material.

Zunächst überlegten die Verkehrsplaner, mit der Reparatur bis nach Betriebsschluss in der Nacht auf Mittwoch zu warten. Tatsächlich konnten am Dienstagmorgen während des Berufsverkehrs immerhin noch drei Linien über ein zweites Gleis entlang der Stammstrecke fahren, allerdings mit gedrosseltem Tempo. Dies hätte dann aber noch den ganzen Tag gegolten, also auch im abendlichen Berufsverkehr. Deshalb entschied die Bahn schließlich, direkt nach Ende des Berufsverkehrs um 10 Uhr mit der Reparatur zu beginnen, da nach eigenen Angaben genügend Einsatzkräfte und Material für eine zügige Reparatur zur Verfügung standen. Daraufhin wurde die Strecke komplett gesperrt.

Bis zum Nachmittag fuhren nur zwei Pendel-Bahnen zwischen Pasing und Ostbahnhof - mit Platz für 1200 Fahrgäste. Für die Reparatur der Weiche sei es unausweichlich gewesen, dass der Verkehr auf der Stammstrecke "weitgehend" ruhe, hieß es bei der Bahn. Die Züge der S 1 fuhren ohne Halt an der Hackerbrücke von und bis zum Hauptbahnhof, die S 2 und die S 8 wurden über den Südring umgeleitet. Die Bahnen der S 3, S 4 und S 6 endeten in Pasing beziehungsweise am Ostbahnhof, die S 7-Züge aus Kreuzstraße fuhren nur bis Giesing und wendeten dort.

Bei den Reparaturarbeiten waren zahlreiche Bahnarbeiter im Einsatz. Etwa fünf Stunden lang wurden die defekten Schienenteile zerschnitten, zwischen den Gleisen wurde Granulat für die Endlosschweißung geschmolzen, das neu eingesetzte Schienenteil musste an der Nahtstelle schließlich abgeschliffen werden.

Erst im Mai war die Stammstrecke wegen Wartungs- und Sanierungsarbeiten ein Wochenende lang komplett gesperrt; dabei wurden auch die Gleise unter die Lupe genommen und teils ausgetauscht. Zudem werden sie alle drei bis vier Wochen mit einem Ultraschallmesszug auf Materialermüdungen überprüft. Auch die Reparatur am Dienstag resultierte aus einer solchen Routinekontrolle.

Die nächste - planmäßige - Sperrung der Stammstrecke steht bereits unmittelbar bevor. Wegen Instandhaltungsarbeiten werden von Freitag, 20. Oktober, 22.45 Uhr, bis Montag, 23. Oktober, gegen 4.30 Uhr Ersatzbusse zwischen Pasing und Ostbahnhof eingesetzt. Bis zum Jahr 2022 wird es an jeweils einem Wochenende im Mai und im Oktober Vollsperrungen der Stammstrecke geben, teilt die Bahn mit.

© SZ vom 11.10.2017
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