Bauarbeiten Eine Schönheitskur für die S-Bahn-Haltestellen

Die Bahn renoviert Münchens unterirdische S-Bahn-Stationen, während der Sperrung am Wochenende haben die Arbeiten begonnen. Am Ende soll alles aufgeräumter aussehen - und Luftballons sollen kaum noch Chancen haben.

Von Pia Ratzesberger

Es fährt kein Zug an diesem Wochenende, die Stimme aus den Lautsprechern wiederholt die immer gleiche Ansage vom Schienenersatzverkehr und der gesperrten Stammstrecke. Nur wenige andere Worte gehören so fest zum Vokabular von München wie die Stammstrecke: Sie ist die Pulsader der Stadt und über ihre Grenzen hinaus bekannt, zumindest sind laut der Deutschen Bahn auf keiner anderen Strecke in Europa an einem Tag so viele Züge unterwegs wie auf den Gleisen zwischen dem Ostbahnhof und dem Pasinger Bahnhof im Westen der Stadt.

Wenn diese Strecke für 54 Stunden gesperrt bleibt, beeinflusst das die Tage Tausender Menschen, deshalb müssen Bauarbeiten schnell vorangehen - und deshalb hat Thomas Saffer von der Deutschen Bahn an diesem Wochenende spontan 19 zusätzliche Männer zur Haltestelle am Rosenheimer Platz beordert. Der Projektleiter sagt: "Wir müssen die Zeit ja, so gut es geht, nutzen."

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Die Bahn sperrt die Stammstrecke grundsätzlich zweimal im Jahr, um unter anderem die Schienen zu warten, einmal im Mai und einmal im Oktober. In diesem Jahr aber werden auch an vier Wochenenden im August keine Züge fahren, denn das Unternehmen hat am Freitag begonnen, erstmals in der Geschichte die fünf Bahnhöfe unter der Erde zu renovieren - mit dem Rosenheimer Platz, dem Marienplatz und dem Hauptbahnhof fängt sie an.

Die Stammstrecke wurde 1972 zu den Olympischen Spielen eröffnet, die Farben der Haltestellen sollten die olympischen Ringe widerspiegeln: Rot für den Hauptbahnhof, Blau für den Stachus, Grün für das Isartor, Gelb für den Rosenheimer Platz - und Orange für die unterirdischen Gänge am Marienplatz, wobei die nach der Logik der Ringe Schwarz sein müssten. Nur wer möchte unter der Erde, ohne Sonnenlicht, schon auf schwarze Wände starren?

Am Bahnsteig am Rosenheimer Platz, hinter den Absperrungen, ist die Durchsage mit dem Schienenersatzverkehr am Sonntag kaum zu hören. Ein Mann schlägt mit einem Bohrer die gelben Fliesen von den Säulen, seine Kollegen schaufeln den Schutt in große Säcke. Die Luft ist voller Staub und der Boden mit einer dünnen Schicht belegt, die Männer tragen weiße Kappen vor den Mündern.

Thomas Saffer läuft den Bahnsteig entlang, der von Folien umhüllt ist wie beim Künstler Christo, vor einer der vielen Säulen bleibt der Projektleiter stehen: "Das ist typisch, man legt etwas offen und dann kommt irgendwas zum Vorschein, womit man überhaupt nicht gerechnet hat." In diesem Fall sind das Ziegelsteine: Die Säulen bestehen aus Beton, die aber hat jemand mit Steinen verbreitert, ein Problem ist das erst einmal nicht. Auch diese Säule werden die Männer nach und nach mit Emaille verkleiden, allerdings erst in den kommenden Wochen und Monaten. Der Vorteil des Materials gegenüber den alten Fliesen ist, dass zwischen der Emaille und der Säule Platz für die vielen Kabel bleibt, die heute noch in Rohren durch den Bahnhof laufen. "Es soll aufgeräumter aussehen", sagt Saffer.

Ende 2020 will man mit allem fertig sein

Die Deutsche Bahn investiert 60 Millionen in die Renovierung der fünf Bahnhöfe an der Stammstrecke und drei weiteren auf dem Weg zum Flughafen, bis Ende kommenden Jahres will man mit allem fertig sein. Während die Strecken gesperrt sind, nutzt der Konzern die Zeit auch für andere Arbeiten: In den Tunneln der S-Bahn waren von Freitagabend bis zum Montagmorgen 600 Menschen unterwegs, um die Schienen zu warten, die Bahnhöfe zu renovieren - oder den Bau der zweiten Stammstrecke vorzubereiten.

Wer am Sonntagvormittag den Bahnsteig am Rosenheimer Platz entlang läuft, kann sich kaum vorstellen, dass dort am nächsten Morgen schon wieder Bahnen fahren sollen, auf dem Boden liegt eine alte Notrufsäule, auf der steht: "Außer Betrieb". Die Männer am Rosenheimer Platz werden bis Mitternacht die Fliesen abschlagen und die Säulen abschleifen, danach werden die Putzleute anrücken und vier Stunden lang aufräumen. Bis zum nächsten gesperrten Wochenende im August werden die Männer dann erst einmal nur nachts weiterarbeiten, wenn nicht so viele Menschen unterwegs sind.

Die Arbeiter werden die Bänke am Bahnsteig erneuern, die Aufzüge, die Rolltreppen und auch die Decken. Denn in Zukunft soll ein kleiner Luftballon nicht mehr so leicht die Stammstrecke lahmlegen können, alleine im vergangenen Jahr mussten zehnmal Züge stehen bleiben und manchmal für mehrere Stunden. Wenn die metallischen, mit Helium gefüllten Ballons an eine Oberleitung schweben, gibt das nicht nur einen Kurzschluss, sondern auch einen kleinen Krater in der Decke. In den neuen Bahnhöfen werden Saffer und seine Leute deshalb Gitter in den Decken verbauen - um die Luftballons von ihrem Weg in die Stromleitung abzubringen.

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