S-Bahn-Projekte Nächster Halt zweiter Tunnel? Noch nicht!

Bei der S-Bahn, die gerade erst für den Zehn-Minuten-Takt fitgemacht wurde, soll in den nächsten Jahren kräftig weitergebaut werden - noch bevor mit der neuen Röhre von 2010 an ein neues Nahverkehrs-Zeitalter beginnt. Wie viel tatsächlich passieren kann, hängt vom Geld ab - die Finanzierung ist nur bei den Projekten bis 2007 gesichert.

Von Von Dominik Hutter

Ausbau S2-Nord: Das längst angepfiffene Finale des so genannten 520-Millionen-Mark-Pakets hat sich wegen Anwohnerklagen verzögert, soll aber im Dezember dieses Jahres fertig werden. Dann wird auch auf dem Abschnitt zwischen München und Dachau alle zehn Minuten gefahren.

Tunnel Unterföhring: Der zweigleisige Ausbau der S8 zwischen Johanneskirchen und Ismaning hat sich um ein Jahr verzögert, weil Bahn und Gemeinde Unterföhring sich nicht über den Lärmschutz in der Röhre einigen konnten. Ende 2005 soll der von Gemeinde und Landkreis gezahlte "U-Bahnhof" in Betrieb gehen. Damit stabilisiert sich der S-Bahn- und Güterverkehr auf der Strecke. Die Bahn prüft, den Zehn-Minuten-Abstand zwischen S1 und S8 am Flughafen wieder einzuführen.

Ausbau Ostbahnhof: Der östliche Knoten der Stammstrecke gilt als eines der schlimmsten Nadelöhre im Netz. Um den Verkehr flexibler lotsen zu können, werden neue Gleise verlegt, darunter vier Weichen. Am wichtigsten ist aber die anstehende Renovierung des 30Jahren alten Stellwerks, das in den vergangenen Monaten eines der großen Sorgenkinder war. "Der Freistaat hat die Finanzierung zugesagt", versichert DB-Netz-Chef Siegfried Lämmermeyer. Die Modernisierung soll 2007 abgeschlossen sein.

Ausbau S1: Bis Mai 2006 will die Bahn in Feldmoching ein Staugleis samt Weichen nachrüsten, auf dem dann die Güterzüge die schnelleren S-Bahnen vorbeilassen können. Zusätzlich soll innerhalb der nächsten drei Jahre der Gleisknoten Neulustheim mit Brückenbauwerken "entzerrt" werden. Die erforderlichen 55 Millionen Euro stehen Lämmermeyer zufolge bereit.

Dachau - Altomünster: Die eingleisige, mit Diesel-Triebwagen befahrene LinieA soll laut Freistaat für 22 bis 32 Millionen Euro zu einer "richtigen" S-Bahn ausgebaut werden. Heißt: Elektrifizierung sowie ein Drei-Kilometer-Abschnitt, auf dem sich die Züge begegnen können. Die Finanzierung ist offen. Ziel: Fertigstellung im Jahr 2008.

Ausbau S4-West: Neue Gleise zwischen Pasing und Buchenau sollen die S-Bahn vom Fern- und Regionalverkehr unabhängig machen - die Voraussetzung für einen Zehn-Minuten-Takt. Die Finanzierung ist nach Auskunft des Bayerischen Verkehrsministerium noch offen, erste Schätzungen belaufen sich auf 200 bis 250Millionen Euro. Eine Kosten-Nutzen-Analyse soll im April 2006 vorliegen. Erhoffte Fertigstellung: 2009. Die Bahn will die Strecke peu à peu auf vier Gleise erweitern und die Bahnübergänge durch Unterführungen ersetzen.

Erdinger Ringschluss: Die Neubaustrecke der S2 zwischen Erding und dem Flughafen ist neben dem zweiten Tunnel der dickste Brocken im Ausbauplan für die S-Bahn. Nach ersten Schätzungen wird die dritte Airport-Linie, die einen Schwenk zum Messegelände erhalten soll, rund 750 Millionen Euro kosten. Die Finanzierung ist offen, 2005 soll eine Kosten-Nutzen-Analyse vorliegen. Verkehrsminister Otto Wiesheu (CSU) hofft auf eine Fertigstellung 2009/2010, räumt aber diverse offene Fragen ein: So ist der für die Betriebsstabilität wie auch für einen Zehn-Minuten-Takt notwendige viergleisige Ausbau bis Markt Schwaben ein Projekt des Bundes. Dessen Finanzierungschancen stehen derzeit eher schlecht.

Verlängerung S7: Bei der neun Kilometer langen Verlängerung bis Geretsried streiten sich die Anwohner bis heute über die Trassenführung. Die geschätzten Kosten betragen je nach Variante 78 bis 85 Millionen Euro. Geplant ist eine 60/40-Förderung von Freistaat und Bund, die allerdings noch nicht unter Dach und Fach ist. Der ursprüngliche Termin 2007 kann nicht eingehalten werden, der Freistaat geht nun von 2009 aus.

Zweite Stammstrecke: Wiesheu gibt die Kosten aktuell mit 1,3Milliarden an - Verbesserungen am bestehenden Netz inklusive. Derzeit verhandeln Bahn und Freistaat über einen Bau- und Finanzierungsvertrag, die Kosten-Nutzen-Untersuchung soll noch in diesem Monat vorliegen. Geplanter Baubeginn: 2006. Die ersten Züge könnten dann 2010 rollen.

(SZ vom 4.2.2005)