S-Bahn-Netz "Ein unüberwindbares technisches Hindernis dafür gibt es nicht"

Und das kommt nicht zu spät: 2,9 Millionen Menschen leben im Ballungsraum München, Tendenz steigend. Das heißt auch, dass sich zwei Drittel des bayerischen Schienenverkehrs hier abspielen. Politisch unstrittig scheint deshalb inzwischen der Plan zu sein, mit dem zweiten Tunnel das S-Bahn-Netz deutlich über seine bisherigen Grenzen auszuweiten. In der Kosten-Nutzen-Analyse für den Tunnelbau war bereits davon die Rede, mit Regional-Express-Zügen die heutige S 4 bis Buchloe, die S 3 bis Mering, die S 1 nach Landshut und die S-4-Ost bis Rosenheim und Wasserburg fahren zu lassen.

Bislang scheiterten solche Überlegungen immer daran, dass die höheren Züge nicht für den Tunnel und dessen Bahnsteige geeignet waren. Das will Joachim Herrmann aber nicht mehr gelten lassen: "Ich sage der Bahn heute schon: Ich will einen Regionalexpresszug bestellen, der dann von Mering bis Rosenheim auch durch die Stammstrecke fahren können muss oder von Augsburg bis zum Flughafen." Ein unüberwindbares technisches Hindernis dafür gebe es nicht, sagte der Minister der SZ. Im direkten Umland von München sei die klassische S-Bahn wichtig, die jede Station anfährt, aus dem weiteren Umland wollten die Pendler schnell in die Stadt kommen. "Dafür bietet sich die zweite Stammstrecke an: mit weniger Haltestellen und schnelleren Verbindungen", so Herrmann. Die Landräte nehmen das auf und fordern Express-S-Bahnen für Südbayern.

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Freilich sind nicht alle Vorschläge schnell umzusetzen. Insbesondere der Neubau von S-Bahn-Strecken kann sich inklusive Planung über Jahrzehnte hinziehen. Es geht den Landräten aber darum, schon jetzt die Weichen zu stellen, um sich in Zukunft nicht Möglichkeiten zu verbauen. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, wie der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) darlegt. Denn wenn immer mehr Flächen zugebaut werden, gibt es auch keinen Platz mehr für Verkehrsinfrastruktur.

Doch was geht dann einigermaßen schnell? Löwl könnte sich zum Beispiel als vorübergehende schnelle Lösung eine Art S-Bahn auf Rädern vorstellen, also Busse, die auf der Autobahn, etwa der A 8, verkehren. Und Alexander Freitag, Geschäftsführer des Münchner Tarif- und Verkehrsverbunds, regt an, wieder über doppelstöckige S-Bahnen nachzudenken und diese Idee an die Industrie heranzutragen. Für Freitag steht fest: "Der zweite Tunnel hat nur Vorteile, es gibt aber einige Stellen, wo man noch mal genauer hinschauen muss."

Wenn es um Visionen geht, drängt sich die Frage nach der Finanzierung auf. Ohne Steuergeld werde es nicht gehen, so Niedergesäß. Wenn die Verträge mit der S-Bahn allerdings von 2020 an auf einen Bruttoverkehrsvertrag umgestellt werden, fließen die Überschüsse aus dem S-Bahn-Betrieb an den Freistaat. Dann stünde neues Geld für Infrastrukturprojekte in Bayern zu Verfügung.

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