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S-Bahn-München:Mehr Schubkraft in Richtung Airport

Alle 40 Minuten soll eine S-Bahn vom Ostbahnhof zum Flughafen fahren, die unterwegs nur am Leuchtenbergring, in Unterföhring und Ismaning hält.

(Foto: Robert Haas)
  • Die S 8 zwischen Leuchtenbergring und Daglfing ist der "nachfragestärkste Außenast" im Münchner S-Bahn-Netz.
  • Zu den Hauptzeiten soll daher ein vierter Langzug pro Stunde eingesetzt werden.
  • Der Freistaat will diese relativ einfach umzusetzende Maßnahme möglichst bald einführen. Im laufenden Jahr werden die Pläne aber wohl noch nicht greifen.

Der 15-Minuten-Takt zum Flughafen mag noch an die 20 Jahre auf sich warten lassen, aber eine "Express-S-Bahn light" auf der Strecke der S 8 will der Freistaat Bayern möglichst bald einführen. Das ist die gute Nachricht für alle Fahrgäste, die gerade in den Stoßzeiten in der Flughafen-S-Bahn nicht nur mit der üblichen drangvollen Enge zu kämpfen haben, sondern darüberhinaus mit den Koffern, Taschen und Rucksäcken der Flugreisenden. Die schlechte Nachricht: Wann die Verbesserung kommt, ist völlig offen. Fest steht nur, dass es dieses Jahr nichts damit wird. Dies geht aus einer Korrespondenz zwischen dem städtischen Planungsreferat und dem Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen hervor. Der BA hatte auf Initiative der CSU Entlastung für die stark frequentierte Flughafenlinie gefordert.

"Die S 8 zum Flughafen ist zwischen Leuchtenbergring und Daglfing der nachfragestärkste Außenast im Münchner S-Bahn-Netz", bestätigt Sandra Höldl von der Pressestelle der bayerischen Eisenbahngesellschaft mbH (BEG). Die BEG plant, finanziert und kontrolliert den Schienenpersonennahverkehr im Auftrag des Freistaats Bayern. Sie ist es, die bei der Bahn "Verkehrsleistungen" bestellt, also festlegt, was für Züge in welchen Zeitabständen auf einer Strecke unterwegs sind. Auf der S 8 werden zu den Stoßzeiten Langzüge bestehend aus drei Triebwagen eingesetzt, die größte Einheit im S-Bahn-Fuhrpark. "Dennoch sehen auch wir, dass dies mittel- und langfristig nicht ausreichen wird", stellt BEG-Sprecherin Höldl fest.

Zu den Hauptverkehrszeiten soll daher ein vierter Zug pro Stunde fahren: Geplant sind zusätzliche S-Bahnen im 40-Minuten-Takt, die zwischen Leuchtenbergring und Flughafen nur in Unterföhring und Ismaning stoppen, den beiden Haltestellen mit dem größten Fahrgast-Aufkommen. Weil Flugpassagiere und Berufspendler, die die Unterföhringer und Ismaninger Gewerbegebiete ansteuern, nach Ansicht der BEG dann vor allem diese Verbindung nehmen werden, profitieren auch Fahrgäste, die in Daglfing, Englschalking oder Johanneskirchen ein- und aussteigen. Ihre Züge sollten weniger überfüllt sein. Man erwarte sich "eine deutliche Entlastung der Züge des 20-Minuten-Grundtakts", erklärt Höldl. Für die Express-Einsätze sollen die Zehn-Minuten-Taktverstärker der S 8 verwendet werden, die zwischen Germering und Ostbahnhof pendeln.

Endgültige Entlastung für die Flughafenlinie soll kommen, wenn die zweite Stammstrecke fertig ist, nach jüngsten Schätzungen also 2028. Dann, so Höldl, sei auf der S 8 ein 15-Minuten-Takt mit Stopps an allen Bahnhöfen vorgesehen sowie zusätzlich eine neue Express-S-Bahn zum Flughafen im 30-Minuten-Takt. "Somit verkehren dann sechs Züge pro Stunde und Richtung statt heute drei", erklärt die Sprecherin. Die meisten Flugpassagiere würden sicher die beschleunigte Linie nutzen, was die S 8 entlasten werde.

Allerdings: Die Taktverdichtung auf der Strecke zwischen Ostbahnhof und Flughafen hängt nicht nur von der zweiten Stammstrecke ab, sondern auch vom viergleisigen Ausbau der Vier-Kilometer-Strecke zwischen Daglfing und Johanneskirchen. Diese Trasse wird auch vom Güterverkehr genutzt, zusätzliche Fahrten sind erst möglich, wenn es für S-Bahnen und Güterzüge getrennte Schienenwege gibt. Wann der viergleisige Ausbau, dessen Planung gerade beginnt, abgeschlossen wird, ist offen. Derzeit ist von 2037 die Rede. Ebenso unklar ist, wann die kurzfristige Verbesserung mit der Express-S-Bahn light in Kraft tritt. Das "hängt stark von der Fahrzeug- und Personalsituation bei der S-Bahn München ab", erklärt Höldl. Bis Ende des Jahres werde dort die Fahrzeugflotte modernisiert, da sei "die Verfügbarkeit von Triebzügen in jedem Fall sehr angespannt". Gerade hat die S-Bahn Taktverstärker für die S 3 und S 8 wieder gestrichen. Es gibt nicht genug Züge.

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