S-Bahn München Nord- und Südring bleiben ein Thema

Die S-Bahn München kommt immer mehr an ihre Kapazitätsgrenzen. Der zweite S-Bahn-Tunnel soll Abhilfe schaffen, aber nicht die einzige Maßnahme bleiben.

(Foto: dpa)
  • Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann will den Nahverkehr in München ausbauen und denkt über einen Nordring und einen weiteren Halt am Südring nach.
  • Klar ist indes, dass die zweite S-Bahn-Röhre für München kommen wird. Sie soll zwischen 3,2 und 3,84 Milliarden Euro kosten.
Von Christian Krügel und Lisa Schnell

Der zweite Tunnel wird gebaut, deshalb sollen aber andere Projekte für die Münchner S-Bahn nicht aufgegeben werden. Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann kündigte an, auch Überlegungen für einen Nordring oder einen zusätzlichen Haltepunkt am Südring bei der U-Bahn-Station Poccistraße "weiter voranzubringen". Ende des Jahres solle es ein Gesamtkonzept für den Verkehrsausbau in der Region München geben, in dem auch der Nordring ein Thema sein werde.

Diesen wünscht sich vor allem BMW, weil dadurch das Forschungszentrum des Unternehmens an der Knorrstraße besser erschlossen werden könnte, das deutlich ausgebaut werden soll. Dem Nordring gehe aber eine langjährige Planungsphase voraus, er sei "fast so kompliziert wie der Tunnel", sagte Herrmann. Er werde hoffentlich aber nicht ganz so teuer sein wie die zweite Stammstrecke.

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Einen "Masterplan für die Münchner S-Bahn" fordert jetzt erst recht MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag. Mit der Entscheidung für die zweite Stammstrecke sei "die wichtigste Entscheidung" getroffen; nun brauche es aber einen konkreten Maßnahmenkatalog, wie die Außenäste der S-Bahn im Umland verbessert werden können. Langfristig müssten eingleisige Abschnitte ausgebaut, Takte verbessert und neue Tangentialverbindungen geschaffen werden. "Wir dürfen jetzt nicht die Hände in den Schoß legen", forderte Freitag. Ähnlich hatten Freie Wähler und Grüne gefordert, nicht nur den zweiten Tunnel zu bauen.

Der soll zwischen 3,2 und 3,84 Milliarden Euro kosten. Allein der Freistaat muss daher in den nächsten zehn Jahren zwischen 108 Millionen und 199 Millionen Euro jährlich ausgeben, so die Kalkulation, die Joachim Herrmann am Mittwoch vorstellte. Einen Teil davon wird der Freistaat aber wieder vom Bund zurückgezahlt bekommen. Dieser fördert die zweite Stammstrecke mit 1,5 Milliarden Euro. Der Freistaat übernimmt 1,4 Milliarden, die Deutsche Bahn 160 Millionen und die Stadt München 155 Millionen.

Die Kosten für den Freistaat belaufen sich zwischen 42 und 68 Millionen Euro pro Jahr. Doch auch den Bundesanteil muss er erst mal vorschießen. Im besten Fall sind das 66 Millionen Euro pro Jahr, im schlimmsten 131 Millionen - das hängt etwa von der Entwicklung der Löhne ab. Minister Herrmann geht davon aus, dass der Bund nach 20 Jahren alle Leistungen zurück gezahlt hat.

Die 3,8 Milliarden Euro setzten sich wie folgt zusammen: Etwa 2,6 Milliarden sind für die Baukosten veranschlagt, 520 Millionen für Planungskosten und etwa 660 Millionen für Risiken. Die Finanzierung des Freistaats gehe von der unteren Grenze von 3,2 Milliarden aus, so Herrmann. Falls die Kosten aber ansteigen sollten, steige auch die Förderung durch den Bund.

Insgesamt sei die Stammstrecke zwar ein teures Projekt, die Kosten würden sich aber in einer Größe bewegen, wo "man nicht behaupten kann, dass der Haushalt in seinen Grundfesten erschüttert wird". Besonders wichtig sei ihm, dass die Staatsregierung in Bayern nicht nur auf das Projekt Stammstrecke fixiert sei.

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