S-Bahn:Züge fallen wegen zu wenig Personal aus

S-Bahn: Anfang August musste die S-Bahn Verstärkerzüge auf einigen Linien ausfallen lassen.

Anfang August musste die S-Bahn Verstärkerzüge auf einigen Linien ausfallen lassen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Bahn hat zu wenige Lokführer für die S-Bahn in München. Einige Linien mussten dafür bereits vorübergehend ausgedünnt werden.
  • Bislang gibt es keine Garantie, dass eine solche Situation nicht wieder eintritt.
  • Dabei warnen Gewerkschaften und Politik schon lange vor diesem Problem.

Von Marco Völklein

Mancher Fahrgast erinnert sich gut an die Zeit Anfang August. Über mehrere Tage musste die S-Bahn die Verstärkerzüge unter anderem auf den Linien S 2, S 4 und S 8 ausfallen lassen, weil nicht genügend Lokführer zur Verfügung standen.

Für den kommenden Sommer deutet sich jetzt eine ähnliche Situation an: "Es kann sein, dass wir nicht umhin kommen werden, unsere Leistungen ausdünnen zu müssen", kündigt S-Bahn-Chef Bernhard Weisser an. Die Deutsche Bahn (DB) als Betreiberin der S-Bahn werde "alle Hebel in Bewegung setzen", um das zu verhindern, sagt Weisser.

Allerdings: Erfolg kann er dabei nicht garantieren. Voraussichtlich Anfang kommenden Jahres, wenn klar ist, auf welchen Strecken wie lange gebaut werden wird im Sommer, werde die Bahn definitiv sagen können, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang Züge ausfallen werden. "Dann können sich unsere Kunden darauf einstellen", sagt Weisser.

Woran das liegt

Hintergrund des Schlamassels ist akuter Lokführermangel bei der S-Bahn kombiniert mit der verstärkten Bautätigkeit des Konzerns im Netz. In diesem Sommer stellte sich die Situation so dar: Weil auf zwei Linien gebaut wurde und dort auf den Außenästen zusätzliche S-Bahnen pendeln mussten, benötigte der Konzern deutlich mehr Personal in den Führerständen als normal.

1100 Mitarbeiter

sind bei der Deutschen Bahn für den Betrieb der Münchner S-Bahn zuständig. Etwa 600 davon arbeiten als Lokführer in den Führerständen der Triebfahrzeuge vom Typ ET 420 und ET 423. Außerdem untersteht der S-Bahn das Betriebswerk in Steinhausen mit etwa 250 Mitarbeitern, in dem die Fahrzeuge gewartet und repariert werden. Für den Betrieb der U- und Trambahnen sowie einen Teil der Busse sind bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) direkt etwa 750 Menschen angestellt. Der weitaus größere Zahl aber, nämlich gut 2600 Beschäftigte, erbringen als Arbeiter und Angestellte der Stadtwerke (SWM) diverse Dienste im Auftrag der SWM-Tochter MVG.

Doch diesen Mehrbedarf gibt der Dienstplan nicht her. Man habe "eine leichte Unterdeckung" des Bedarfs, sagt Weisser. Um aber den Betrieb stabil aufrecht zu erhalten, sei ein "leichter Überbestand" nötig. Dieser sei zuletzt 2011 erreicht gewesen, sagt Weisser. Dann aber seien viele Lokführer unter anderem zu Bahnbetreibern in die neuen Bundesländer abgewandert und hätten bei Münchens S-Bahn ein Loch gerissen.

Die Eisenbahnergewerkschaften GDL und EVG warnen seit Jahren vor dieser Situation. Von einem "dauerhaften Personalmangel" bei der S-Bahn spricht Uwe Böhm, Bayern-Chef der Lokführergewerkschaft GDL - auch wenn S-Bahn-Chef Weisser betont, die DB habe seit 2010 gut 350 neue Lokführer bei der S-Bahn neu eingestellt, 320 davon zuvor selbst ausgebildet. Zudem will er in den kommenden Jahren die Ausbildung weiter ausbauen.

Doch auch die Konkurrenzgewerkschaft EVG, die weniger die Lokführer, vielmehr Beschäftigte aus anderen Konzernbereichen vertritt, warnt vor einer "Überalterung" der DB-Belegschaft. So würden in den nächsten Jahren neben Stellen in diversen Werkstätten auch Fahrdienstleiterposten in den Stellwerken frei werden. "Dafür benötigt die Bahn dringend qualifiziertes Personal", heißt es bei der EVG. Andernfalls komme es zu Situationen wie im Sommer 2013 im Mainzer Hauptbahnhof: Weil Fahrdienstleiter im Stellwerk fehlten, fielen über Wochen Züge im Nah- und Fernverkehr aus.

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