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Nahverkehr:Kein Lohndumping bei der Münchner S-Bahn

S-Bahn München

Projektgesellschaften sollen Gehälter nach Tarif bezahlen.

(Foto: Robert Haas)
  • Münchner S-Bahn beabsichtige nicht, eine Projektgesellschaft mit Billiglöhnen zu gründen, sagt ein DB-Sprecher.
  • Arbeitnehmervertreter sehen die Pläne skeptisch, da die DB dies nur für die S-Bahn München ausgeschlossen hat.
  • Allein in Bayern allerdings existieren mehrere Dutzend Regionalnetze.
  • Entwarnung gibt DB-Spitze außerdem für die Mitarbeiter der konzerneigenen Werkstätten in und um München.

Will die Deutsche Bahn (DB) für die S-Bahn eine sogenannte Projektgesellschaft mit Billiglöhnen einrichten, um das Netz auch über das Jahr 2017 hinaus befahren zu können? In Arbeitnehmerkreisen sorgt dieser Plan der Unternehmensspitze für Unruhe.

Nun reagiert der Konzern: Ein DB-Sprecher erklärte am Montag, die Münchner S-Bahn "beabsichtigt nicht; eine Projektgesellschaft zu gründen". Vergangene Woche hatte ein Sprecher sich zu dem Thema auf Anfrage gar nicht äußern wollen und nur erklärt, aus "wettbewerblichen Gründen" keine Stellungnahme abzugeben.

Zudem erklärte der Sprecher nun, dass von einem "Lohndumping" - wie von Gewerkschaftern kritisiert - keine Rede sein könne. Die Projektgesellschaften, mit denen die DB verloren gegangene Regionalnetze von Wettbewerbern wie der Bayerischen Oberlandbahn oder Agilis "zurückerobern" möchte, sollten Gehälter nach den Tarifverträgen bezahlen, die Gewerkschaften mit den Konkurrenten vereinbart haben.

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Die Gewerkschaftsvertreter verweisen dagegen darauf, dass das Niveau dieser Verträge dennoch unter den DB-Tarifen liege. In einem Strategiepapier hatten führende DB-Manager die Gründung von Projektgesellschaften angeregt, weil der "Personalkostennachteil" der DB gegenüber Wettbewerbern bei bis zu 20 Prozent liege. Sollte das nicht ausgeglichen werden, drohe der DB-Marktanteil im Regionalverkehr von 70 Prozent bis zum Jahr 2021 auf 50 Prozent abzurutschen.

Arbeitnehmervertreter sehen die Pläne skeptisch

Arbeitnehmervertreter sehen die Pläne dennoch skeptisch, da weiter unklar ist, für welche Regionalnetze Projektgesellschaften eingesetzt werden. Die DB hat dies nur für die S-Bahn München ausgeschlossen; allein in Bayern allerdings existieren mehrere Dutzend Regionalnetze.

Entwarnung kann die DB-Spitze außerdem für die Mitarbeiter der konzerneigenen Werkstätten in und um München signalisieren. So sieht das Strategiepapier der DB-Führung unter anderem bundesweit eine "Redimensionierung" sowie eine "weitere Werkekonsolidierung" bei den Instandhaltungseinrichtungen des Konzerns vor.

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Es sei zu erwarten, schreiben die Konzernstrategen aus Berlin in ihrem Papier, dass es "auch noch zu Werksschließungen kommen kann". Zuletzt hatten geplante Kürzungen oder gar eine komplette Schließung des Instandhaltungswerks in Eberswalde bei Berlin zu viel Unmut bei Arbeitnehmervertretern geführt.

In München aber sei mit solchen Schritten nicht zu rechnen, versichert ein DB-Sprecher nun auf Nachfrage: "Im Großraum München sind keine Schließungen geplant." Im Gegenteil: Die S-Bahn werde in Zukunft eine neue Halle in ihrem Werk in Steinhausen errichten; wobei noch unklar ist, wann dies genau geschehen wird. Und als Ersatz für die in die Jahre gekommene Regionalzug-Werkstatt in Pasing lässt der Konzern dort aktuell für etwa 50 Millionen Euro einen modernen Neubau errichten.