S-Bahn München Fahrschein aus dem Netz

"Das Handy-Ticket wird kommen": MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag hat angekündigt, dass die Münchner Nahverkehrsnutzer bald ihren Fahrschein über ihr Mobiltelefon kaufen können. Das überrascht - hatte der MVG dies doch stets abgelehnt.

Von Marco Völklein

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) will nun doch ein Handy-Ticket einführen. In eineinhalb bis zwei Jahren werden Kunden in München Fahrscheine per Mobiltelefon kaufen können, kündigte MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag an. Bislang hatte sich die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die die U-Bahnen, Busse und Trambahnen im Stadtgebiet betreibt, gesperrt.

Bald sollen die Münchner nicht mehr nur am Automat, sondern auch mit dem Handy Tickets kaufen können.

(Foto: Catherina Hess)

Nun aber kommt Bewegung in die Sache: MVG-Chef Herbert König schließt zumindest nicht aus, dass 2013 das Projekt starten könnte. Bedingung sei allerdings, dass die Technik "stabil laufe" und man einen "Online-Vertrieb insgesamt" anbiete, so König. Die Kunden sollen ihre Fahrscheine also nicht nur per Handy, sondern auch über das Internet erwerben können. Zwei Fachleute der MVG arbeiteten derzeit an einer solchen Lösung. Bislang hatte sich das Unternehmen vor allem aus wirtschaftlichen Gründen gegen ein Handy-Ticket gewehrt. Die Deutsche Bahn als Betreiberin der S-Bahn und auch die Rathaus-CSU hatten dafür plädiert.

Königs größte Sorge war bisher die mangelnde Wirtschaftlichkeit. Denn derzeit sind Handy-Tickets ein Draufzahlgeschäft. Das räumen auch die Verbünde ein, die den Mobilfunk-Vertrieb bereits anbieten. Denn die Handynetz-Betreiber, über deren monatliche Telefonrechnung der Kauf abgerechnet wird, wollen an dem Geschäft mitverdienen, entsprechend weniger Geld kommt bei den Verkehrsunternehmen an.

Zudem müssen Fahrkartenkontrolleure und Busfahrer, die abends die zusteigenden Passagiere kontrollieren, mit Lesegeräten ausgestattet werden. Dafür fallen Zusatzkosten an. Diese würden sich nur rechnen, argumentiert König, wenn die MVG Ausgaben beim stationären Vertrieb senken könnte, also Verkaufsstellen schließen oder Automaten abmontieren. Doch das geht aus Königs Sicht (noch) nicht. Dazu nutzten zu wenige die Handy-Tickets.

Tatsächlich sind derzeit bundesweit bei dem führenden der drei Handy-Ticket-Systeme gerade einmal etwa 160.000 Nutzer registriert - bei etwa 30 Millionen Einwohnern, die in den Regionen leben, in denen das Angebot läuft. Doch die Zuwachsraten seien enorm, sagt Klaus Dechamps vom Nürnberger Verkehrsverbund VGN.

Die Zahl der registrierten Nutzer und die der per Mobiltelefon vertriebenen Fahrscheine verdopple sich von Jahr zu Jahr. Der VGN setzt laut Dechamps vor allem "auf den langfristigen Marketingeffekt". Mit dem Handy-Ticket könne man neue Zielgruppen erreichen, die bislang den Nahverkehr eher selten genutzt hatten - auch weil ihnen der Fahrscheinkauf am Automaten zu umständlich war. Mobilitätsforscher wie Klaus Bogenberger von der Bundeswehruniversität in Neubiberg sehen im Handy-Ticket ebenfalls eine große Chance, vor allem junge Leute noch stärker in Busse und Bahnen zu ziehen. "Dass es das in München noch nicht gibt, ist für mich unverständlich."

Langfristig hoffen die Verkehrsunternehmen, dass sich der zusätzliche Vertriebsweg durchsetzt und sie dann Automaten abbauen, also Kosten sparen können. Auch König hegt diese Hoffnung, schränkt aber gleich ein: Zumindest am Anfang wird der Online-Vertrieb ein Zuschussgeschäft bleiben.