bedeckt München 16°
vgwortpixel

S-Bahn in München:Geheime Kontrolle

Die S-Bahn unterzieht sich freiwillig einer Qualitätsprüfung - die Ergebnisse aber dürfen nicht veröffentlicht werden

Die S-Bahn unterzieht sich freiwillig einer Qualitätsprüfung - die Ergebnisse aber dürfen nicht veröffentlicht werden

(Foto: Stephan Rumpf)

Eigentlich darf die S-Bahn gar nicht an einer Qualitätsprüfung teilnehmen - sie tut es aber trotzdem. Freiwillig und unter einer Bedingung: Die Ergebnisse dürfen nicht veröffentlicht werden.

Mit dem dreizehnten Platz sind selbst die Chefs der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) unzufrieden. Jedes Jahr schickt die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Schienennahverkehr im Freistaat organisiert, Tester los und erstellt ein "Qualitätsranking" für die einzelnen Bahn-Anbieter in Bayern. Die BOB rutschte bereits 2012 von Rang neun auf Platz 13 ab - bei nur 15 getesteten Unternehmen. Und hält diesen schlechten Platz seither. Die Chefs sind alarmiert, auch die Tourismus-Verantwortlichen im Oberland.

Einen hinteren Platz im Qualitätsranking kann sich kein Bahn-Unternehmen leisten. Selbst wenn die Einnahmen aus den Verträgen gesichert sind, wirkt sich eine miese Platzierung nicht nur auf das Image negativ aus. Vielmehr drohen mitunter auch Strafzahlungen bei Qualitätsmängeln, sogenannte "Pönale".

Solche musste zwar auch die Deutsche Bahn (DB) als Betreiberin der S-Bahn schon zahlen - im Qualitätsranking der BEG aber wurde sie bislang nicht aufgeführt. Denn anders als die BOB oder Agilis in Regensburg, deren Netze der Freistaat per Ausschreibung vergeben hat, gilt bei der S-Bahn bis 2017 noch ein anderes Vertragswerk - und das schließt die Teilnahme am Qualitätsranking eigentlich aus.

Dennoch wird die BEG in den nächsten Jahren in den S-Bahnen eine Art Qualitätsermittlung vornehmen - die Deutsche Bahn hat sich laut BEG freiwillig dazu bereit erklärt. Aber offenbar nur unter einer Bedingung: Die Ergebnisse dürfen nicht veröffentlicht werden. "S-Bahn- und Regionalverkehre sind strukturell verschieden", sagt BEG-Sprecher Wolfgang Oeser. Daher seien "die Ergebnisse beziehungsweise Parameter dieser Netze nur eingeschränkt miteinander vergleichbar". Außerdem werde man die Qualität der S-Bahn weiter "mit offenen Tests und durch Fahrgastbefragungen" ermitteln; verdeckte Test wie etwa bei der BOB mit sogenannten "Mystery-Shoppern", also als normale Fahrgäste getarnten Testern, werde es bei der S-Bahn nicht geben.

Dabei wäre es spannend, wie die S-Bahn objektiv gesehen abschneidet. DB-Vertreter betonen nämlich stets, dass sie international von den Betreibern anderer Großstadtnetze als Vorbild gesehen würden. Viele Fahrgäste indes schimpfen und klagen - über die Unpünktlichkeit der S-Bahnen etwa, über die Enge in den Waggons oder verwirrende Informationen bei Störungen. Vom Jahr 2017 an dürfte aber Schluss sein mit der Heimlichtuerei: Dann will der Freistaat die S-Bahn ausschreiben. Und wer dann den Zuschlag erhält, wird sich den Tests wohl nicht mehr entziehen können.

© SZ vom 24.02.2014
Zur SZ-Startseite