S-Bahn "Ein neues Zeitalter der Fahrgastinformation"

An den neuen Monitoren in den S-Bahnen können sich Fahrgäste künftig auch über Störungen und alternative Reisemöglichkeiten informieren.

(Foto: Thomas Kiewning)
  • Mit dem Programm "Zukunft S-Bahn München" sollen Zugausfälle verhindert und die Pünktlichkeit verbessert werden.
  • Teil des Programms sind ein digitales Weichendiagnosesystem, die Neugestaltung von einigen Bahnhöfen sowie der Umbau der Fahrzeugflotte.
  • Außerdem sollen Fahrgäste besser und in Echtzeit an den Bahnhöfen Informationen zu ihren Verbindungen erhalten.
Von Andreas Schubert

Diana soll's richten: Der Name der römischen Jagdgöttin steht für ein digitales Weichendiagnosesystem, mit dessen Hilfe die Bahn Weichenstörungen künftig um bis zu 25 Prozent reduzieren will. Bis Ende des Jahres sollen alle wichtigen Weichen angeschlossen sein. Diana ist eine von rund 80 kleineren und größeren Maßnahmen des Programms "Zukunft S-Bahn München", die helfen sollen, Ausfälle zu verhindern und die Pünktlichkeit zu verbessern. Denn wie S-Bahn-Chef Heiko Büttner am Mittwoch sagte, ist zwar bereits einiges passiert. Dennoch bleibe weiterhin viel zu tun.

Mit 30 Zügen pro Stunde und Richtung ist der Verkehr auf der Stammstrecke so dicht getaktet, dass jede gewonnene Sekunde einen spürbaren Effekt auf die gesamte Pünktlichkeit hat. Einstiegslotsen in den Tunnelbahnhöfen, selbstöffnende Türen, großzügigere Einstiegsbereiche in den Zügen und künftig auch eine Haltezeit-Anzeige für die Lokführer sollen den Betrieb flüssiger machen. Und wenn von diesem Jahr an die Tunnelbahnhöfe am Hauptbahnhof, am Marienplatz und am Rosenheimer Platz neu gestaltet werden - der genaue Zeitplan ist noch offen -, baut die Bahn auch neuartige Lamellendecken ein. Diese haben sich im Test bewährt und sollen künftig verhindern, dass mit Aluminium beschichtete Luftballons an die Oberleitung gelangen, Kurzschlüsse auslösen und den Verkehr lahmlegen. Einen Erfolg verbucht die Bahn bereits durch die Einzäunung der Stammstrecke, wodurch die Anzahl der berüchtigten Meldungen "Personen im Gleis" um ein Fünftel gesunken sei.

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Weil Störungen aber auch in Zukunft nicht ausbleiben werden, sollen zumindest die Passagiere endlich besser informiert werden, auch an den Außenästen. An 61 Stationen installiert die Bahn neue Anzeigen. Bis Ende des Jahres bekommen die Fahrgäste dann am Bahnsteig aktuelle Echtzeitdaten, wo sich die Züge gerade befinden. Über Anschlusszüge und mögliche alternative Reisemöglichkeiten informiert die Bahn auch an den Monitoren in den neu gestalteten Bahnen. "Ein neues Zeitalter der Fahrgastinformation" ist dies für Büttner. Geplant sei auch, bei Störungen künftig jeweils eine Prognose abzugeben, wie lange das Problem andauern wird, um den Fahrgästen eine bessere Orientierung zu geben.

Die Simulationen, die die Bahn hat erstellen lassen, sehen vielversprechend aus

Derweil geht der Umbau der Fahrzeugflotte weiter. Bis Ende 2020 werden alle 238 Züge des Typs ET 423 im Auftrag des Freistaats neu gestaltet. Bis 2021 sollen dann alle fünf Bahnhöfe auf der Stammstrecke, also auch Isartor und Stachus, umgebaut sein. Neben den Lamellendecken bekommen die Stationen eine neue Beleuchtung, taktile Leitstreifen für Sehbehinderte und neue Sitzgelegenheiten. Stützen, Pfeiler und Wände sollen mit einem Beleuchtungskonzept buchstäblich in einem modernen Licht erstrahlen. Die Simulationen, die die Bahn hat erstellen lassen, sehen zumindest vielversprechend aus. Der jeweilige Farbcode der unterirdischen S-Bahn-Stationen auf der Stammstrecke wird beibehalten. Er orientierte sich seinerzeit an den olympischen Ringen sowie am Farbkonzept, das Otl Aicher für die Olympischen Spiele 1972 entworfen hatte. Doch nicht nur optisch soll sich etwas ändern. So erneuert die Bahn auch die Technik für Aufzüge und Rolltreppen im Tunnel.

Am Zeitplan für die Erneuerung der unterirdischen Bahnhöfe in Unterföhring, Ismaning und am Flughafen arbeitet die Bahn noch. Insgesamt soll die Sanierung der Stationen 60 Millionen Euro kosten. Parallel dazu geht auch der barrierefreie Ausbau der S-Bahnhöfe weiter. Bis Ende 2019 sollen 118 der insgesamt 150 Stationen barrierefrei zugänglich sein.

Im Münchner Stadtgebiet müssen sich die Fahrgäste allerdings noch eine Weile gedulden, bis alle Stationen barrierefrei sind. Der von Fahrgästen lang ersehnte Aufzug am Isartor wird voraussichtlich erst übernächstes Jahr eingebaut, zusammen mit einer neuen Entrauchungsanlage.