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Ryan-Gosling-Double:"Da sitzen richtige Stars - und ich hupf da halt mal so raus"

Ryan Gosling Goldene Kamera

Fast zehn Jahre sind Ludwig Lehner und Ryan Gosling auseinander, altersmäßig, das merkt man, findet der Doppelgänger. Und das mit der Frisur halt.

(Foto: Christan Endt)

Ludwig Lehner nimmt als Double von Ryan Gosling die Goldene Kamera entgegen - und offenbar merkt niemand vorher, dass da nicht der Schauspieler backstage ist. Wie hat er das gemacht?

Ryan Gosling kommt aus Kirchseeon. Nicht der echte, der kommt aus Kanada, aber sein Double. Ludwig Lehner heißt der Doppelgänger, er ist 27 und damit fast zehn Jahre jünger als der Schauspieler, und er hat als Gosling nun die Goldene Kamera für den Film "La La Land" in der Kategorie "Bester Film international" entgegengenommen. In seiner Dankesrede in der ZDF-Sendung widmete er den Preis Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, den beiden Moderatoren der Pro7-Show "Circus Halligalli". Kurz darauf twitterte das Social-Media-Team der Goldenen Kamera: "Yes, wir sind geprankt worden." Die Veranstalter hätten den echten Gosling erwartet, hieß es von Pro7 später. Aber das sei "Ludwig, ein Mann aus Bayern" gewesen.

SZ: Herr Lehner, was war da los?

Ludwig Lehner: Circus Halligalli hat die Goldene Kamera gesprengt.

Und zwar mit Ihrer Hilfe. Wie kam denn der Kontakt zu Joko und Klaas?

Ich war 2015 schon einmal bei Circus Halligalli. Da haben sie den Goldenen Umberto verliehen ...

... diesen Spaßpreis für schlechte schauspielerische Leistungen ...

... und da wollten sie ein wenig Hollywood dabei haben. Deshalb haben sie mich fürs Publikum gebucht, zusammen mit Lady Gaga und Jack Black. Also mit deren Doppelgängern. Und jetzt sind sie mit der Idee zur Goldenen Kamera auf mich zugekommen.

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Eigentlich soll der Hollywood-Schauspieler den Preis für "La La Land" entgegennehmen, doch auf der Bühne steht nur ein schlechtes Double.

Und es hat wirklich niemand gemerkt, dass Sie nicht der echte Ryan Gosling sind?

Na ja, Steven Gätjen, der Moderator, hat schon ein wenig komisch geschaut. Aber ich glaube, er hat es erst erkannt, als ich direkt vor ihm stand und er mir die Hand gab. Als ich aus der Tür raus bin, hat das Publikum noch ganz normal geklatscht und gejubelt. Die Leute merkten es erst, als die Kamera mich im Vollbild hatte.

Im Publikum saßen Colin Farrell, Nicole Kidman, Jane Fonda ...

... genau, all diese Stars, die sich untereinander ja auch kennen!

Haben Sie die denn von der Bühne aus gesehen?

Ich war viel zu aufgeregt. Das war nicht so einfach, wie es vielleicht ausgesehen hat. Ich musste diesen Sprung machen, den Text nicht vergessen, direkt auf die Goldene Kamera zugehen ...

Keine Augen für Nicole Kidman also.

Vor allem Colin Farrell hätte ich gerne mal gesehen! Aber dafür haben die eben alle mich gesehen. Da sitzen richtige Stars - und ich hupf da halt mal so raus.

Nun wurde über Ihren Auftritt ja durchaus auch gelästert.

Es wird viel geschrieben, dass das peinlich war. Für mich war's weltklasse, für mich war's saugeil, ich hatte so viel Spaß! Und der peinlichste Auftritt war ein anderer.

Welcher denn?

Na, dieser Affentanz, den sie aufgeführt haben.

Also Annette Frier und Matthias Matschke, die ihre Laudatio zur Besten Schauspielerin getanzt haben. Da hat auch Colin Farrell sich anmerken lassen, dass er das eher nicht so cool fand. Bei Ihnen gab's keine Schwierigkeiten?

Meine Haare waren ein Problem. Die Frisur war wirklich schrecklich. Ich bin ja vermummt backstage reingekommen und hatte einen großen Mantel an - das hat mir die Haare total plattgedrückt.

Wie steht es denn so um Ihr Englisch?

Das hat man doch gehört, oder?

Hm, ja.

Ja, also, Englisch ist nicht so mein Ding. Da muss ich mal noch was dran machen.

Ryan-Gosling-Double Ludwig Lehner

"Das war nicht so einfach, wie es vielleicht ausgesehen hat", sagt Lehner über seinen Auftritt als Gosling bei der Goldenen Kamera.

(Foto: dpa)

Wieso fällt es hinter den Kulissen nicht früher auf, dass da nicht der echte Ryan Gosling da ist?

Das war natürlich alles sehr strukturiert geplant, es dauerte ungefähr einen Monat von der Idee bis zur Ausführung. Sehr viel darf ich dazu noch nicht erzählen, nur so viel: Es war eine größere Aktion.

Und wie wird man behandelt, also als Ryan Gosling backstage?

Die haben mir sofort Tee und einen Kilo Honig hingestellt. Ich hätte alles verlangen können, was ich wollte. Das hab ich schon auch sehr gefeiert.

Wie sind Sie überhaupt Double geworden?

Ich mache das seit 2013 und bin bei einer Agentur. Damals habe ich bei der Doppelgänger-Challenge von Pro7 mitgemacht und es auf Platz fünf geschafft. Die Ähnlichkeit zu Ryan Gosling habe ich bemerkt, als Leute mich bei einem Kinobesuch ansprachen. Ich kannte den ja gar nicht vor "Drive".

Das war der Film, nach dem dann so ziemlich jeder wusste, wer Ryan Gosling ist.

Genau. Dann habe ich mal gegoogelt und gedacht: Eine gewisse Ähnlichkeit ist vielleicht da, daraus könnte man ja was machen.

Apropos: Was verdient man denn so als Gosling-Double?

Das kommt auf den Auftritt an. Bei privaten Gelegenheiten nicht so viel. Aber wenn man so einen großen Auftritt hat, dann bleibt was hängen, klar.

Was machen Sie, wenn Sie nicht Ryan Gosling sind?

Ich bin Koch, und das macht mir schon auch Spaß.

Privat sind Sie verheiratet, als Ryan Gosling bräuchten Sie nun ja noch entweder ein Double der Freundin Eva Mendes oder der Filmpartnerin Emma Stone. Schon fündig geworden?

Nein, noch nicht, ich bin auf der Suche. Für Fotos wäre das schon schön.

Circus Halligalli, Pro7, Dienstag, 7. März, 22.10 Uhr

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