Rundgang Einhornsalz und Power-Riegel

Die Messe "Food & Life" bietet allerhand Delikatessen und Spezialitäten. Unter den 320 Ausstellern gibt es in diesem Jahr ganz besonders viele neue Manufakturen

Von Franz Kotteder

Manche Produkte fallen hier natürlich schon unter die Rubrik "special interest". Wer zum Beispiel braucht tatsächlich Einhornsalz? Und was ist das eigentlich genau? Wurde es erfunden, um Mädchen im Grundschulalter fürs Würzen zu begeistern? Ein bisschen esoterisch draufsein kann vielleicht nicht schaden, wenn man an den Stand der Pfefferbraut kommt, denn schließlich gibt's dort auch noch "Bischofspfeffer" und "Pyramidensalz". Die kleine Manufaktur von Tanja Blaschek-Friedl in Gröbenzell scheint jedenfalls zu florieren, sie stellt auch "Sale Vinum" her - Salz, das mit einem trockenen Rotwein sozusagen geimpft wird und seine Farbe annimmt - sowie diverse andere Salz-, Pfeffer- und Chilisorten. Die Handarbeit hat ihren Preis, 70 Gramm vom Einhornsalz kosten sieben Euro, eine stolze Summe für ein bisschen Natriumchlorid. Blaschek-Friedl sagt aber, es mache ganz schön Arbeit, obendrein sei das Salz ja auch mit Hibiskus- und Orangenblüten versetzt.

Markus Lozar brennt Käsekuchen-Likör.

(Foto: Jan A. Staiger)

Es wird gewiss seine Liebhaber finden, denn hier auf der Messe "Food & Life", direkt hinter den Messehallen der "Heim & Handwerk", findet man eine Vielzahl zum Teil recht exotischer Speisen und Zutaten. Wie jedes Jahr wieder gibt es die Aussteller aus Südtirol und Italien, die bergeweise Schinken, Speck und Salami auf ihre Messestände stapeln und zu Messepreisen verhökern. Es gibt die Wein- und Spirituosenstände - besonders gut sind in diesem Jahr die Gin-Manufakturen und die Craft-Bier-Brauer vertreten. An diversen Ständen kann man seinen Bedarf an Hartkäse aus der Schweiz decken, und das bayerische Landwirtschaftsministerium stellt gleich "100 Genussorte" aus dem ganzen Land vor: das Ergebnis eines Wettbewerbs, der im vergangenen und in diesem Jahr lief.

Durch und durch bio: Patrick Lindner stellt Kräuterbutter nach den Rezepturen seiner Mutter her und verpackt sie auch noch in nachhaltiges Graspapier. Wer sie auf der Messe kauft, sollte sie im Jutebeutel mit Kühlakku nach Hause tragen.

(Foto: Jan A. Staiger)

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Entdeckungen zu machen, denn seit 2017 haben die Macher der Messe einen Extra-Bereich für Start-up-Unternehmen freigeräumt, die sich dort mit ihren Produkten vorstellen können. In diesem Jahr sind es bereits 21 kleine Firmen, die ihre Chance bekommen.

Da wäre zum Beispiel Patrick Lindner aus Franken, der Kräuterbutter unter dem Namen Kaestler vor allem übers Internet vertreibt. Draufgebracht hat ihn seine Mutter Brigitte, denn deren selbstgemachte Kräuterbutter war immer schon der Renner im Freundes- und Bekanntenkreis. "Warum sollen da nicht auch Kunden was davon haben?", dachte sich der junge Lindner, und nun vermarktet er Mutters Rezepturen erstmals auch auf der Food & Life.

Ideen muss man haben: Drei Regensburger machen Energieriegel aus Hanf.

(Foto: Jan A. Staiger)

Vier Varianten von Kräuterbutter gibt es mittlerweile, eine scharfe und eine milde Version, eine mit Kürbis und eine Steinpilzbutter. "Die ist deutlich puristischer als die anderen", sagt Lindner mit dem Habitus des erfahrenen Butter-Sommeliers. Ein Riegel Bio-Butter, verpackt in nachhaltiges Graspapier, kostet je nach Inhalt zwischen 3,50 und vier Euro; damit man sie auch unbeschädigt nach Hause bringt, kann man für 50 Cent einen Jutebeutel mit Kühlakku erwerben.

Tanja Blaschek-Friedl veredelt Salz.

(Foto: Jan A. Staiger)

Interessant wäre es womöglich, Butter mal mit den Gewürzen zu kombinieren, die Yolotl für seine Salsasaucen verwendet. Dieses Startup hat die seit acht Jahren in München lebende Mexikanerin Zyanya Zavaleta eigentlich aus Frust gegründet. Nirgendwo in der Stadt gab es nämlich ordentliche Gewürze und Saucen aus ihrer Heimat, auch nicht in mexikanischen Restaurants, also schloss sie diese Lücke und gründete ihr Start-up. Yolotl ist übrigens ihr zweiter Vorname und bedeutet "Herz". Das könnte nach dem Probieren ihrer "Habanero"-Sauce ganz schön ins Flattern geraten, so scharf ist die.

Richtig gesund sind die Energieriegel von "Hans Brainfood". Drei junge Regensburger haben sich zusammengetan, um aus Hanfsamen und Honig Power-Riegel auf den Markt zu bringen und den sogenannten "Speisehanf" zu rehabilitieren. Dafür haben sie extra ein Hanffeld angelegt, vollkommen THC-frei, versteht sich, denn mit THC wär's verboten, da das im Hanf die Droge ausmacht.

So lebt die Food & Life von neuen Einfällen, ob es sich nun um so etwas Absonderliches handelt wie den "Käsekuchen-Likör" von Markus Lozar aus dem fränkischen Oberasbach oder einfach nur um neue Attraktionen wie die Fleischabteilung "Meat Point" oder das neue Back-Studio mit der Autorin Stephanie Juliette Rinner.

Alles andere als Neulinge findet man auf der Kochbühne der Food & Life. Im Gegenteil, in diesem Jahr kann sie mit besonders großen Namen protzen und gleich mit zwei Köchen, die jeweils zwei Sterne im Michelin haben. Bobby Bräuer vom Esszimmer in der BMW-Welt war am Eröffnungstag da, Tohru Nakamura vom Werneckhof kommt noch (Freitag und Samstag, jeweils 13 bis 13.45 Uhr). Hans-Jörg Bachmeier vom Blauen Bock ist an diesem Donnerstag von 16 bis 16.50 Uhr auf der Bühne, Joseph Peter vom Mangostin am Freitag von 12 bis 12.45 Uhr und Shane McMahon von Shane's Restaurant am Sonntag von 13 bis 13.45 Uhr).

Food & Life, Messegelände, Halle C 3, bis Sonntag, 2. Dezember, täglich 9.30-19 Uhr, Tagesticket: 13 Euro, www.food-live.de