Kritik:Verspielt gelassen

Pianist Dejan Lazić und das Münchner Rundfunkorchester spielen Mozart und Haydn.

Von Michael Stallknecht, München

Eigentlich war Mozart an allem schuld. Denn seit Dejan Lazić mit sieben Jahren den Film "Amadeus" gesehen hatte, wollte er unbedingt Musiker werden. Später studierte das Multitalent am Salzburger Mozarteum Klavier, Klarinette und Komposition und ehrte den bedeutendsten Salzburger mit einer eigenen Symphonischen Dichtung "Mozart und Salieri", nach dem Theaterstück von Puschkin, das auf Umwegen das Vorbild für "Amadeus" war.

Wenig erstaunlich also, dass er Mozart auch mit zum Münchner Rundfunkorchester gebracht hat, wo er diese Spielzeit Artist in Residence ist. Beim ersten Mittwochskonzert im Prinzregententheater spielt er das A-Dur-Klavierkonzert KV 414, dazu das D-Dur-Klavierkonzert von Mozarts Freund Joseph Haydn, mit feiner Pointierung und differenzierter Artikulation, weich im Anschlag, aber konturiert. Was auffällt, ist der verspielte, gelassene Umgang mit der Musik, die Freiheit auch in der Tempogestaltung. Die stiltreuen, aber harmonisch avancierten Kadenzen hat Lazić natürlich selbst geschrieben. Das vom Flügel aus geleitete Rundfunkorchester lässt sich merklich inspirieren, musiziert lebendig und mit Verve, dabei warm und ausgewogen im Klang.

Die Residenz in München, sagt Lazić im Gespräch mit Moderatorin Anna Greiter, fühle sich auch an wie eine Heimkehr. Schließlich hat er mehr als zehn Jahre in München gelebt, bevor er nach Amsterdam zog. Als besonderes Gastgeschenk an seine alte Heimat hat er einen Satz aus Mozarts B-Dur-Klaviersonate KV 333 mitgebracht, deren letzter Satz - in Klaviersonaten unüblich - ebenfalls eine Kadenz enthält. Lazić hat ihn deshalb als "Rondo concertante für Klavier und Orchester" arrangiert, in einer gelungenen Kopie von Mozarts Klavierkonzertstil. In der weiteren Spielzeit wird er dann mit dem Rundfunkorchester noch das fünfte Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns spielen und, im Rahmen des Education-Projekts "Klasse Klassik", Gershwins "Rhapsody in Blue".

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