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Rumänisches Generalkonsulat:Riesenstau vor der Urne

Tausende Rumänen warten vor der Rumänischen Botschaft am Effnerplatz um wählen zu dürfen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Stundenlang Schlange stehen - und dann womöglich abgewiesen werden: Tausende Auslandsrumänen klagen über das Chaos bei der Präsidentenwahl. Viele vermuten dahinter das Kalkül von Regierungschef Victor Ponta. Manche wollen deshalb sogar die Wahl anfechten.

Roxana Dürr hatte sich schon gedacht, dass viel los sein wird bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Rumänien. Vor 14 Tagen, beim ersten Wahlgang, hatte sie schon fünf Stunden anstehen müssen, um ihre Stimme abzugeben im Generalkonsulat am Effnerplatz. Deshalb war sie am Sonntag früh aufgestanden, von ihrem Wohnort Nürnberg nach München gereist - und hatte sich um 7.20 Uhr eingereiht in die Schlange der Wartenden, die sich da schon an der Richard-Strauss-Straße entlang zieht, mehrere hundert Meter lang. Vom Effnerplatz bis zur U-Bahn-Station.

Um kurz vor 14 Uhr ist Roxana Dürr, die einen deutschen und einen rumänischen Pass besitzt, noch immer nicht an der Reihe. Noch immer sind es gut 100 Meter bis zum Eingang des Konsulats. Die Polizei hat mittlerweile die Zufahrtsrampe zum Mittleren Ring für den Autoverkehr gesperrt. Ein Behördensprecher schätzt die Zahl der Wartenden auf 3500. Im Laufe des Tages, so sagt er, werden es wohl 5000 werden. Für den Abend hätten Aktivisten zudem eine "Spontandemo" angemeldet.

Kam aus Nürnberg angereist, um zu wählen: Roxana Dürr.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wut über das Chaos in den Wahllokalen

Gewählt wird der neue Staatspräsident. Vor zwei Wochen hatte es den ersten Wahlgang gegeben. Damals schon hatten sich Schlangen gebildet. Als gegen 21 Uhr das Konsulat schloss, weil da auch die Wahllokale in Rumänien dicht machten, standen noch immer Hunderte vor dem Haus. Mit Sprechchören demonstrierten die Abgewiesenen gegen die chaotischen Zustände. Und gegen den Regierungschef Victor Ponta, der sich um das Präsidentenamt bewirbt. Sein Herausforderer ist der deutschstämmige Klaus Iohannis. Nach dem ersten Wahlgang ist Ponta der Favorit.

Nicht wenige in der Masse vor dem Konsulat aber vermuten, dass das Chaos um die Stimmabgabe ein Werk eben jenes Ponta ist. "Die Regierung will verhindern, dass die Rumänen in der Diaspora ihre Stimme abgeben - weil viele von denen für Iohannis stimmen", sagt Mihai Murgulescu. Auch er ist am Sonntag früh aufgestanden. Auch er hat sich von Nürnberg aus auf den Weg gemacht nach München. Auch er hat sich in die lange Schlange eingereiht. Und auch er kann nur den Kopf schütteln über die mangelhafte Organisation.

Eine Briefwahl gibt es in Rumänien nicht. Wer als Auslandsrumäne seine Stimme abgeben will, muss in eines der bundesweit fünf Wahllokale gehen. Die gibt es in München, Berlin, Stuttgart, Bonn und Hamburg.

Generalkonsulat Rumänien - Schlangestehen zur Präsidentenwahl

Schon am Abend vor der Präsidentenwahl stehen die Menschen in der Schlange, um ihre Stimme abgeben zu können. Irgendwann.

(Foto: Paul Arne Wagner/oh)

14 Tage Zeit - und nichts hat sich verbessert

In der Tat hat das Generalkonsulat aus dem Ansturm vor 14 Tagen nichts gelernt. Die Zahl der Stimmabgabeplätze habe man von fünf auf sieben erhöht, sagt Generalkonsul Anton Niculescu. Man habe zwei Termine mit der Polizei gehabt und ein halbes Dutzend Dixi-Klos für die Wartenden aufgestellt. Mehr Stimmabgabeplätze aber könne man aufgrund der Vorgaben nicht bieten. Pro Wahlkommission könne man nur maximal sieben Plätze einrichten. Und da man im ersten Wahlgang nur eine Wahlkommission hatte, könne man nun bei der Stichwahl die Regeln nicht einfach ändern, sagt Niculescu. Andernfalls könne die Wahl angefochten werden.

Genau das aber planen diejenigen, die am Sonntag gar nicht erst vordrangen zu den raren Stimmabgabeplätzen. "Wir werden klagen", sagt der Nürnberger Murgulescu. Und auch Roxana Dürr ist sauer: "Wenn ich um halb acht morgens da bin und um 21 Uhr immer noch nicht wählen kann, dann ist die Wahl ungültig", sagt sie. Immerhin sei Rumänien Mitglied der EU. "Und in der EU kann mir niemand das Wahlrecht entziehen."