Rüstungsprogramm Sklaven für die Industrie

Das BMW-Flugmotorenwerk in Allach: 90 Prozent der Belegschaft bestanden bei Kriegsende aus Zwangsarbeitern, darunter Häftlinge des KZ Dachau.

(Foto: Bernhard Megele)

Viele Münchner Unternehmen profitierten in der NS-Zeit vom System der Zwangsarbeit

In der Zeit des Nationalsozialismus profitierten viele Münchner Unternehmen vom Rüstungsprogramm des NS-Staates, etwa die BMW-Flugmotorenfertigung, die Niederlassungen der Junkers- und Dornier-Werke oder die Maschinenfabrik Krauss-Maffei, die Kettenfahrzeuge und Kriegslokomotiven für die Wehrmacht baute. Nachdem Hitler den Krieg entfacht hatte und immer mehr Männer zum Militärdienst herangezogen worden waren, litten die Betriebe unter Arbeitskräftemangel. Das NS-Regime reagierte darauf mit Zwangsverpflichtungen in nahezu allen besetzten Ländern. Rund 13 Millionen Ausländer wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. 1941 begann man damit, auch KZ-Häftlinge der Rüstungsindustrie zur Verfügung zu stellen.

Im Ausstellungskatalog des NS-Dokumentationszentrums ist eine Karte Münchens abgebildet, auf der die Lager der Zwangsarbeiter eingetragen sind. Der Plan zeigt: Die Stadt war übersät mit Unterkünften, in denen die Arbeitssklaven der Industrie hausen mussten. Mehr als 400 Lager und Unterkünfte gab es in München, und wer nicht blind war oder blind sein wollte, konnte die Internierungsstätten nicht übersehen. Die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter waren in aller Regel katastrophal: Sie waren in primitiven Baracken oder Ruinen eingepfercht, umsäumt mit Stacheldraht und der Willkür der Wachmannschaften ausgeliefert. Wer des Diebstahls oder der Sabotage bezichtigt wurde, hatte nur geringe Chancen, der Hinrichtung zu entgehen. Kontakte nach außen waren den "Ostarbeitern" aus Polen oder der Sowjetunion verboten, Liebesbeziehungen zwischen osteuropäischen Männern und deutschen Frauen verfolgten Polizei und Justiz mit unerbittlicher Härte. Für den Mann konnte dies den Tod bedeuten, die Frau lief Gefahr, ins Konzentrationslager gesperrt zu werden.

Ende 1944 leisteten im Großraum München etwa 120 000 ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge Zwangsarbeit. Ein Drittel von ihnen waren Frauen. Es gab kaum einen Betrieb, der keine sogenannten Fremdarbeiter beschäftigte. Die Zivil- und Rüstungsproduktion Münchens wäre ohne die Zwangsarbeiter rasch zusammengebrochen. Profiteure dieses Sklavensystems waren viele mittlere und große Betriebe der Stadt, darunter BMW, Krauss-Maffei, Agfa, Metzeler und die Süddeutsche Bremsen AG. Sie machten gewaltige Gewinne durch die Ausbeutung der Zwangsarbeiter. Es dauerte 50 Jahre und mehr, bis die Überlebenden auf internationalen Druck eine Entschädigung erhielten - und diese war in Anbetracht des Leidens allenfalls symbolischer Natur.