Roxette in München:Pop-Ideen mit Qualität

Vier Zeilen sind es meist, die das ganze Geheimnis in sich bergen, das verdeutlichten bereits die Eröffnungsstücke. Ob bei "Dressed For Success" oder "Sleeping In My Car", vier Liedzeilen transportieren eine schlichte, aber griffige Melodie, die dann alle Möglichkeiten eröffnet.

Mal ist Maries immer noch strahlende Stimme das Medium dieser "Hookline", mal ist es Pers nach wie vor naiv und natürlich wirkende Schülerkehle - manchmal funktioniert es auch im Call-and-Response-Muster. Mal kommt das ganze flott und gerne hart daher ("How Do You Do!"), mal als Edelballade ("It Must Have Been Love" war ganz hart an der Kitschgrenze).

Mal kleidet die siebenköpfige Band - fast alle alte schwedische Weggefährten, die das Programm wahrscheinlich ohne Probe beherrscht hätten - dieses Gerüst mit Synthie-Flächen und Gitarrenriffs aus, mal lassen Marie und Per den Song als intimes Duett ("Things Will Never Be The Same") stehen.

Das Publikum ist textsicher

Bei zwei oder drei Stücken ist die Halle aufgefordert, die bewussten vier Zeilen ganz alleine zu singen. Dass das funktioniert, zeigt die Qualität von Gessles Pop-Ideen. Seit ABBA hat keine skandinavische Band diesen handwerklich begründeten musikalischen Populismus so perfekt beherrscht. Das bescherte selbst noch einer räumlich, klanglich wie optisch reduzierten Olympiahalle einen mehr als unterhaltsamen Abend. Marie Fredriksson schließlich wirkte, so mager sie nach wie vor ist, restlos erholt.

Auch ihre Kraft reichte locker für einen fünfteiligen Zugabenblock Inklusive "The Look", des ersten großen Hits von 1988, der ihre Karriere begründete. Mit der scheint es munter weiterzugehen - Gessle arbeitet angeblich schon an einem neuen Programm.

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