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Rot-grünes München:Ende eines Lebensgefühls

Die Blade Night am Siegestor.

Fester Bestandteil des Verkehrsalltags: die montägliche Blade Night.

(Foto: Greencity)

Das jähe Ende des rot-grünen Bündnisses im Rathaus trifft München hart: Linksliberal und ein bisschen ökologisch zu sein - das gehörte lange zum Lebensgefühl an der Isar. Und das ist nun in Gefahr.

Ein Kommentar von Thomas Anlauf

Die lange Liaison von Rot und Grün war schon lange nicht mehr leidenschaftlich. Nach 24 Jahren Partnerschaft in München konnte man sie nicht einmal mehr als Vernunftehe bezeichnen - immer häufiger kam es zu offenen Streitereien in der Koalition. Das jähe Ende des rot-grünen Bündnisses macht allerdings doch betroffen. Denn linksliberal und auch ein bisschen ökologisch zu sein - das gehört seit langem zum Münchner Lebensgefühl. Und das ist nun in Gefahr.

Beispiel Radfahren: Noch nie waren so viele Radler auf Münchens Straßen unterwegs wie heute. Wer es sich leisten kann und in der Innenstadt lebt, hat oftmals überhaupt kein Auto mehr - wozu auch? Diese Entwicklung wurde entscheidend von Rot-Grün gefördert. Das Radwegenetz wurde ausgebaut, Fahrradstraßen und Radspuren ausgewiesen und Carsharing-Anbietern das Geschäftsfeld bereitet.

Beispiel Straßenkultur: Jedes Jahr besuchen Hunderttausende den Corso Leopold und das Streetlife-Festival, die montägliche Blade Night ist fester Bestandteil des Verkehrsalltags. Selbst mehrtägige Sperrungen von Hauptverkehrsstraßen sind längst kein Tabu mehr. Oder zum Beispiel die Isar: Es ist maßgeblich den Grünen zu verdanken, dass die innerstädtische Isar zu einer der größten Freiluftattraktionen für die Münchner wurde.

Die Stadt hat sich verändert in den vergangenen Jahrzehnten unter Rot-Grün. Und ja, sie ist lebenswerter geworden. Aus einst heruntergekommenen Vierteln wie der Schwanthalerhöhe und Haidhausen sind schöne, bunte, an vielen Stellen grüne Stadtteile geworden. Die SPD wird, falls sie mit den Christsozialen paktiert, wohl andere Prioritäten setzen müssen, zumal die CSU der größere Partner der beiden wäre. Ein kühles Zweckbündnis von Schwarz-Rot hätte auf alle Fälle Auswirkungen auf das politische Klima in der Stadt. Und wohl auch aufs Münchner Lebensgefühl.

© SZ vom 15.05.2014/tba

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