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Rodung in Bogenhausen:Sprachlos

Missverständnisse führen dazu, dass eine Kleingarten-Hecke gerodet wird. Im Bezirksausschuss fragt man sich, ob es an eigenen Kommunikationsfehlern liegt

Von Nicole Graner, Bogenhausen

Roland Stolz macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Die Rodung entlang des Zaunes des Kleingartenvereins Nordost 59 Denninger Straße/Tucheler Heide durch die Stadt ist für ihn immer noch nicht nachzuvollziehen. Diese radikale Rodung und der Rückschnitt seien, wie er in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Bogenhausen betonte, "einfach nur schade". Auch wenn er sich freue, dass nun nachgepflanzt werde.

Viel mehr als die Tatsache, dass es die Hecke nicht mehr gibt, stört Stolz aber vor allem die Vorgehensweise bei dieser Rodung. Und da sei er "sehr enttäuscht" vom BA. Denn Karin Vetterle und Christiane Hacker (beide SPD) hätten sehr wohl von der Planung des Rückschnitts gewusst, aber das nicht in den gesamten BA "eingespeist". Sie seien sogar vor Ort gewesen, um sich die Situation anzusehen. Auch könne es nicht sein, und die etwas zittrige Stimme von Roland Stolz zeigt, dass ihm nahe geht, was er jetzt sagt, dass er vom Kleingartenverein in der Diskussion um die Hecke als jemand hingestellt werde, der "nicht wahrheitsgemäße Aussagen" mache, quasi also ein "Lügner" sei. Von einem Bürger sei er auch als "Querulant" bezeichnet worden.

Zurück zur Ausgangslage: Am Faschingsdienstag kappt ein Gärtner der Gartenbauabteilung des Baureferats die Hecke und schneidet Sträucher auf Stock zurück. Anwohner zeigen sich entsetzt darüber, beschweren sich beim BA. Die Lage spitzt sich zu, es kommt zu einem Ortstermin - mit erbosten Bürgern, dem Kleingartenverein, dem Gartenbaureferat, dem Bund Naturschutz. Eine Annäherung zwischen allen Beteiligten will nicht so recht gelingen. Vertreter des Kleingartenvereins erklären beim Ortstermin, dass sie sich an Vetterle und Hacker gewandt hätten, weil sie nicht mehr ausreichend Kraft hätten, die Hecke zu pflegen. Das Gartenbaureferat erklärt, es habe dem Gärtner den Auftrag zum Rückschnitt erteilt, in der Annahme, die Rodung sei ein BA-Beschluss gewesen. Und immer wieder wird bei diesem Ortstermin von Bürgern die Frage gestellt, warum der BA nichts dagegen unternommen hat.

Die Hecke ist weg. Neupflanzungen werden demnächst vorgenommen. Doch die von Roland Stolz angesprochene fehlende Kommunikation im BA lastet auf dem Gremium. Petra Cockrell (Grüne) macht sie, auch nach der Wortmeldung von Roland Stolz, deshalb zum Thema der öffentlichen Sitzung. Für den BA falle die Bilanz in Sachen Hecke "mehr als schlecht aus". Man habe ein empörtes Referat, verärgerte Anwohner, einen fassungslosen Bund Naturschutz, einen Kleingartenverein in Verteidigungshaltung. Und: "Uns fehlen mehrere hundert Meter Hecke". Im Oktober 2020 habe es nachweislich einen Ortstermin mit Christiane Hacker gegeben, am 24. Februar dieses Jahres seien dann Mails verärgerter Anwohner beim BA eingegangen. Jeder würde sich mal verschätzen, jeder mal Fehler machen. "Aber wie arbeitet man in diesem BA eigentlich zusammen?", ärgert sich Cockrell. Es könne nicht sein, dass der BA nicht über Ortstermine und getroffene Entscheidungen informiert werde. "Wie stehen wir bei den Bürgern da? Es geht um ein gemeinsames Handeln."

"Das alles wird viel zu heiß gekocht", sagt Karin Vetterle. Man habe sich privat im Kleingartenverein getroffen, man sei ins Gespräch gekommen über die Hecke und den Weg und habe, so ergänzt Vetterle, "eigentlich nur den Kontakt" zum Gartenbaureferat hergestellt. Dort angerufen habe der Kleingartenverein selbst. Einen Ortstermin am 12. Oktober habe es nicht gegeben, nur ein Gespräch mit Frau Hacker. Eine Veranlassung, den BA zu informieren, habe man nicht gesehen, weil man ja nur einen Kontakt weitergegeben habe. "Dass das Thema diese Tragweite bekommt, war uns nicht bewusst."

CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller bezeichnet das Ganze als "Zwergenaufstand". Und alles nur, weil sich Hacker und Vetterle als BA-Mitglieder mit dem Kleingartenverein getroffen hätten. Die Angaben des Referats beim Ortstermin verwunderten ihn: "Nur wenn ein BA-Beschluss vorliegt, kann man doch erst Aussagen treffen." Im Falle der Hecke habe es keinen BA-Beschluss gegeben. Das bestätigt Karin Vetterle. "Wenn das Referat so einen radikalen Rückschnitt plant, wäre es schon gut gewesen, den BA zu informieren."

Die Abteilung Gartenbau des Baureferats erklärt dazu, dass an jenem Ortstermin im Oktober, "Vertreter des Kleingartens und eine Vertretung des Bezirksausschusses teilgenommen" hätten. Der Termin sei auf "Initiative des Mitglieds des Bezirksausschusses" zustande gekommen. Man habe angenommen, "dass das Mitglied als delegierte Vertreterin des Bezirksausschusses agiert, entsprechend legitimiert sei und mit dem Gremium kommunizieren würde".

Die Diskussion im BA endet, weil Peter Reinhard (CSU) dringend darum bittet, solche internen Angelegenheiten im Vorstand zu klären und nicht in einer öffentlichen Sitzung - vor der Presse. "Das gehört hier nicht hin!" Öffentlich gemacht hatte die Frage nach dem Informationsfluss im BA allerdings ein Bürger.

© SZ vom 04.05.2021/van
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