Rod Stewart in der OlympiahalleStimmgewaltig trotz Schicksalsschlägen

Lesezeit: 2 Min.

Rod Stewart auf seiner „One Last Time Tour“. Die war im vergangenen Jahr und ist damit Schnee von gestern. Jetzt ist er auf „One More Time Tour“. Und er kann es immer noch.
Rod Stewart auf seiner „One Last Time Tour“. Die war im vergangenen Jahr und ist damit Schnee von gestern. Jetzt ist er auf „One More Time Tour“. Und er kann es immer noch. (Foto: Torben Christensen)

Auch nach zwei überstandenen Krebserkrankungen und trotz seiner 80 Jahre erweist sich der Sänger mit der Reibeisenstimme fit und energiegeladen wie eh und je.

Von Dirk Wagner

2024 hatte sich der mittlerweile 80-jährige Rod Stewart mit einer ausverkauften „One Last Time“-Tour von seinen Fans verabschiedet. Heuer schiebt er eine ebenfalls ausverkaufte „One More Time“-Tour nach. Wie zuvor bietet der schottische Barde mit der markanten Reibeisenstimme wieder ein Hitfeuerwerk in der bestuhlten Olympiahalle. Von „Infatuation“ über „Baby Jane“ und „Maggie May“ bis hin zu „Sailing“ singt er noch einmal seine größten Erfolge.

Dabei wirkt der Mann, der immerhin schon seit den Sechzigern als Soul-, Rock- und Pop-Sänger unterwegs ist, so unverschämt fit, als wäre ihm seine Musik ein Jungbrunnen gewesen. Die beiden Krebserkrankungen, die er seit 2000 erfolgreich bekämpfen konnte, scheinen auch keine Wunden hinterlassen zu haben. Mit anderen Worten: gemessen an der Party, die Stewart in der Olympiahalle entfacht, wäre nichts gegen noch eine „Here I Am Again“-Tour einzuwenden.

Zumal Stewart über Jahrzehnte eine hochkarätig besetzte Band um sich geschart hat, deren drei Chorsängerinnen auch mal selbstbewusst die Führung übernehmen, mitunter sogar zwei Songs ganz allein darbieten, derweil der eigentliche Star sich jenseits der Bühne umzieht und vielleicht auch ein wenig ausruht. Mit „I'm So Excited“ der Pointer Sisters und „Proud Mary“ von Creedence Clearwater Revival heizen die drei Sängerinnen dem Münchner Publikum jedenfalls so sehr ein, dass die Abstinenz Rods erst auffällt, als dieser wieder frisch gekleidet mit einem weiteren Hit wie „I Don't Want To Talk About It“ oder „Da Ya Think I'm Sexy?“ die Bühne zurückerobert.

Aber auch von zwei großartigen Violinistinnen, einem leidenschaftlichen Saxofonisten, einem hingebungsvollen Gitarristen und einer herausragenden Harfenistin lässt sich der Sänger mit der wuscheligen Frisur immer wieder die Show stehlen, um sie sichtlich eine Weile selbst als zuschauender Musikfan zu genießen. Dann wieder gelingt Stewart samt Band das Kunststück, mit dem Curtis-Mayfield-Klassiker „People Get Ready“ auf der Bühne stimmgewaltig präsent zu sein und zugleich hinter den gewaltigen Bildern, die diese Darbietung visuell begleiten, zu verschwinden.

Bilder von der mutigen Bürgerrechtsaktivistin Rosa Parks und dem Prediger Martin Luther King unterstreichen nämlich die Aufbruchsstimmung, die von jenem religiösen Song eben auch ausgehen kann. Und augenblicklich wird deutlich, dass Rod Stewarts Begeisterung für die afro-amerikanische Musik immer auch ein Bekenntnis für die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung war.  Sie wurde begleitet durch jene Songs von Sam Cooke, den Temptations oder Etta James, und die nun der weiße Schotte darbietet - als weitere überzeugenden Hiebe gegen jeden Rassismus.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Konzert in der Olympiahalle München
:Belanglos provokant – Till Lindemann beschwört das Skandalöse

Wozu die halbnackten Frauen, die sich fortwährend an Gitarren und Stangen rekeln? „Meine Welt“ vom „Rammstein“-Sänger wirkt als Show-Konzept vorhersehbar.

Kritik von Ralf Dombrowski

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: