Rocky Horror Show im Deutschen Theater:Zeigt her eure Strapse

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Träume es nicht, lebe es: Bei der Premiere der Rocky Horror Show im Deutschen Theater macht das Münchner Publikum die Show zum Erlebnis.

Lisa Sonnabend

Der Mann in Strapsen nimmt einen Schluck aus der Bierflasche. Ein wenig unsicher schaut er sich um. Seine Frau, die das schwarze Korsett eng geschnürt hat, lächelt ihn scheu an. Die beiden tragen die Kleidungsstücke womöglich zum ersten Mal in ihrem Leben. Sie stehen im Foyer des Deutschen Theaters, wo am Mittwochabend das Musical "Rocky Horror Show" Premiere feiert.

Rocky Horror Show im Deutschen Theater: Spiel mit Inbrunst: Die Rocky Horror Show feierte im Deutschen Theater Premiere.

Spiel mit Inbrunst: Die Rocky Horror Show feierte im Deutschen Theater Premiere.

(Foto: Foto: sonn)

Die Handlung ist so einfach wie verrückt: Ein spießiges Pärchen erleidet im Wald eine Autopanne. Als es in einem Schloss um Hilfe bitten will, gerät es in die Fänge eines sexsüchtigen Transvestiten, der die beiden verführt. Bei dem Ereignis geht es allerdings nicht nur um das Werk von Richard O'Brien, sondern auch darum, am Kult teilzunehmen, der sich um die Rocky Horror Show entwickelt hat.

Die Zuschauer bringen Zeitungen, Wasserpistolen und Konfetti mit in die Vorstellung, zu gegebener Stelle im Stück zücken sie die Utensilien. Und manche gehen eben noch einen Schritt weiter und kleiden sich genauso schrill wie die Darsteller - sprich: High Heels, Strapse und Korsett, die Augen schwarz geschminkt. Egal ob Frau oder Mann, dünn oder dick. Ganz nach dem Motto eines Songs des Musicals: "Don't dream it, be it" - träume es nicht, lebe es!

Der temporäre Umzug des Deutschen Theaters in ein Zelt in Fröttmaning erleichtert den Zuschauern das Mitmachen allerdings nicht. Wer sich in der Öffentlichkeit nicht derart gewagt gekleidet zeigen möchte, muss deutlich mehr für die Fahrt mit dem Taxi berappen, als wenn das Theater weiter in der Landwehrstraße residieren würde. Und die Temperaturen im Zelt sind nicht gerade wohlig. Einige ziehen die Wintermäntel über die unbedeckten Beine, ein Mann beschwert sich über die kalte Munition, mit der die Wasserpistolenbesitzer ihn befeuern.

Doch die professionelle Show entschädigt alle Unannehmlichkeiten. Das Spießer-Pärchen Janet und Brad - gespielt von Ceri-Lyn Cissone und Chris Ellis-Stanton - und der sexsüchtige Schlossherr Frank'n'Furter (Rob Morton Fowler) singen und spielen mit Leidenschaft und bewegen sich mit Leichtigkeit in den Dessous-Kostümen über die Bühne. Sogar den Time Warp ("It's just a Jump to the Left") tanzen sie mit solcher Insbrunst, als wäre es das erste Mal.

Das Bühnenbild ist nicht überzogen, die Schlichtheit passt zu dem Stück. Wenn die Helfer ein Automodell auf die Bühne schieben und ein Lachen durch die Reihen geht, unterstützt das den ironisch-abgedrehten Ton der Show.

Nach zweieinhalb Stunden Show und donnerndem Applaus genehmigen sich die Frank'n'Furter-Imitate noch ein Getränk, dann machen sie sich auf den Heimweg. Morgen beginnt schließlich wieder das normale Leben.

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