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Rock:Stolz vor der Hütte

Deutsche Popstars outen sich gerade auf einem Cover-Album als Fans von "Selig". Jetzt spielt die Band ihre Stücke wieder selbst, auch in München und Nürnberg.

Es muss nicht immer Selig sein. Deren Sänger und Posterboy Jan Plewka nölte sich schon durch ganze "Rio Reiser"- und "Simon & Garfunkel"-Programme, er gab den Papageno in einer U-Bahn-Version der "Zauberflöte", und als seine Erfolgsband Selig 1999 bis 2008 Burnout-bedingt aufgelöst war, gründete er Kumpel-Combos wie Tempeau und Zinoba und coverte auch mal bei einer Solo-Tournee die Schnulze "Dreams Are My Reality". Der Hamburger macht, was ihm liegt und gefällt.

Neulich, bei einer Art Jukebox-Abend mit Marco Schmedtje auf der Kleinkunstbühne Heppel & Ettlich, ließ er gar das Publikum die Songs zusammenstellen, was außer zu viel Simon & Garfunkel und Rio Reiser dann doch auch zu Selig-Klassikern wie "Ohne dich" führte. Und auch zu schönen Anekdoten wie der, dass Plewka einst als Musiker-Darsteller in der Playback-Band der Sängerin Laura Pausini einen Schlagerausflug in den ZDF-Fernsehgarten unternahm. "Ich habe das Elend gesehen!"

Cover-Musik - die kennt der Miterfinder des deutschen "Hippie Metal" also in jeder Form. Dazu passt, dass gut 25 Jahre nach Erscheinen des selbstbetitelten Debütalbums nun befreundete Musiker Selig-Lieder nachgespielt haben. "Selig macht Selig" heißt die bunte Platte, und da bekennt sich selbst ein Ironiker wie Olli Schulz als Fan. "Mit Selig verbinde ich die glorreichen Neunziger, als diese Band es als erste deutsche Band geschafft hat, so ein Grunge-Gefühl zu vermitteln, sogar mit deutschsprachigen Texten. Außerdem war ich wahnsinnig genervt, dass alle Frauen damals Jan Plewka geil fanden", sagt der Hamburger. Persönlich fand er den Sänger dann aber doch voll okay, als er ihn einmal zufällig in einer Bar kennenlernte. In einer Neuauflage von "Die Besten" spielen und blödeln die beiden diese Begegnung nach.

Wie Olli Schulz ging es vielen, und so interpretieren Madsen "Wenn ich wollte" auf ihre rockige Art, Wolfgang Niedecken macht "Glaub mir" auf Kölsch, 17 Hippies "Regenbogenleicht" zum Balkan-Folk, und Milliarden "Sie hat geschrien" zum Synthie-Popsong. Das Pack verwandelt "High" wahrlich in einen Drogen-Trip, Philipp Poisel nuschelt liebevoll "Ohne Dich" und der Autoren-Popstar Benjamin von Stuckrad-Barre liest "Die alte Zeit zurück" als ein Stück Pop-Literatur vor.

seligmusik

Ausflug mit alten Freunden: Leo Schmidthals, Christian Neander, Jan Plewka und Stoppel Eggert (von links) machen auf ihrer Tour auch in München und Nürnberg Station.

(Foto: Dennis Dirksen)

Bevor Jan Plewka bald in der TV-Show "Sing meinen Song" auf Vox seine Lieder mit Kollegen wie Max Giesinger und Nico Santos tauschen wird, macht er erst mal das, was er immer noch am besten kann: Er geht mit Selig auf Konzertreise und singt seine eigenen Stücke.

Selig, Mo., 16. März, 20 Uhr, Technikum, Atelierstraße 28, Telefon 21837300; Di., 17. März, 20 Uhr, Nürnberg, Hirsch

© SZ vom 12.03.2020

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