Kritik:Immer Ärger mit Amore

Lesezeit: 2 min

Kritik: Sopranistin Cecilia Gaetani spielt "Rita" als schmucke Italienerin, die allerdings alle loswerden wollen.

Sopranistin Cecilia Gaetani spielt "Rita" als schmucke Italienerin, die allerdings alle loswerden wollen.

(Foto: Marie-Laure Briane)

Am Gärtnerplatztheater hat Gaetano Donizettis "Rita" mit runderneuerter Handlung Premiere.

Von Klaus Kalchschmid, München

Ach, was ist die 1960er-Jahre-Ausstattung einer italienischen Bar doch immer wieder ein Hingucker und weckt Urlaubsgefühle, so auch jetzt auf der Studiobühne des Gärtnerplatztheaters! Judith Leikauf und Karl Fehringer gestalteten liebevoll auch die Details von der Kaffeemaschine über den Fußboden, die Lampen und eine Fliegen-Gardine in den Farben der Flagge Italiens, dazu herrlich zeittypische Kostüme.

Und weil die Musik von Gaetano Donizettis posthum uraufgeführter einstündiger "Rita" zwar witzig und vital ist, der Plot aber etwas angestaubt, hat Thomas Pigor, am Gärtnerplatztheater bereits Textdichter der Revue-Operette "Drei Männer im Schnee" und der deutschen Fassung von "Monty Python's Das Leben des Brian", flugs eine neue Handlung erfunden: Bar- und Hotelbetreiberin Rita hat mit Beppe (Gyla Rab) einen Gatten aus Ungarn gefunden, der unter ihrer Fuchtel steht und was erleben kann, wenn ihm die Polenta anbrennt.

Dann erscheint plötzlich der vermeintlich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Ex-Mann namens Kaspar (Ludwig Mittelhammer), ein waschechter Niederbayer, und schon wetteifern wie immer in der Oper Tenor und Bariton um den Sopran; respektive in diesem Falle wollen beide sie loswerden. Alte Schulden müssen beglichen werden, eine vermeintlich verbrannte Heiratsurkunde wird entdeckt und gleich darauf entwendet, entpuppt sich aber als Lieferschein. Und "der bärtige Gast" (Dieter Fernengel, der aussieht wie R. W. Fassbinder) ist ohne Perücke unter seinem Mantel ein silberschimmernder Pate, dem alle Geld schulden. Also steht am Ende mit offenem Ausgang eine "polyamouröse" Ménage-à-trois.

Thomas Pigor hat eine witzige Neufassung erstellt, deren Sangbarkeit manchmal ebenso auf die Probe gestellt wird, wie der ein oder andere Vers geschmiedet wurde nach dem Motto "Reim' dich oder ich fress' dich". Lustig ist's in jedem Fall, das Miniorchester aus Mitgliedern des Gärtnerplatztheaters spielt unter Oleg Ptashnikov als prima Banda, die schmucke Italienerin Cecilia Gaetani besitzt einen Bomben-Sopran, und die beiden Burschen haben unter der Regie von Maximilian Berling hör- und sichtbar Spaß am Rollen-Spiel in jeder Hinsicht. Gyla Rab mit dem feinen, leichten Glanz eines Tenore di Grazia, Ludwig Mittelhammer als kerniger Buffo-Bariton. Beiden gelingt es auch in den gesprochenen Dialogen und wenn sie etwa wie Sandkasten-Jungs mit Schnick, Schnack, Schnuck um Rita feilschen, sich selbst in diesem Einakter nicht so besonders ernst zu nehmen.

Weil krankheitsbedingt die Premiere um fast zwei Wochen verschoben werden musste und von den geplanten sechs Vorstellungen nur eine einzige übrigblieb, gibt es "Rita" leider erst wieder im April nächsten Jahres zu erleben, dann aber fünf Mal.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB