Unmittelbar vor der Sitzung des SPD-Vorstandes am Montagabend ist aus dem Dreikampf um die OB-Kandidatur ein Zweikampf geworden. Fraktionschef Alexander Reissl zog seine Bewerbung zurück. Damit rückt die Kür von Wirtschaftsreferent Dieter Reiter immer näher. Reiter rechnet damit, dass ihn der Vorstand als OB-Kandidaten vorschlagen wird. "Ich gehe davon aus, dass es einen Vorschlag geben wird", sagte Reiter der Süddeutschen Zeitung. Reiter liegt nach einer Tour durch die 44 SPD-Ortsvereine, wo sich die drei Bewerber in den vergangenen Monaten einzeln präsentiert haben, deutlich vorne.

Nach SZ-Informationen haben sich weit mehr als die Hälfte der Ortsvereine für ihn ausgesprochen. Auf jedem Parteitag würde ein solches Votum bereits im ersten Wahlgang zum Sieg reichen.Die SPD hat sich jedoch für eine umfangreiche Beteiligung der Basis entschieden. Am Montagabend sollen die 44 Ortsvereinsvorsitzenden das Votum ihres Ortsvereins vortragen. Danach berät der Vorstand über dieses Meinungsbild.
Die spannende Frage wird dabei sein, ob die Mehrheit des Vorstandes Reiters Vorsprung als so klar und eindeutig einschätzt, dass sich ein weiteres Verfahren erübrigt. Reiter selber stuft ein Resultat von über 50 Prozent als "erkennbare Mehrheit" ein. "Ob das der Partei reicht, muss der Parteivorstand entscheiden", sagte er. Sollte sich der Vorstand für Reiter entscheiden, würde er ihn noch in der Nacht zur Kandidatur auffordern. Danach käme es spätestens im Januar zu einem so genannten Aufforderungs-Parteitag, auf dem der Vorstandsbeschluss abgesegnet würde. Die eigentliche Kür würde erst auf einem späteren Nominierungsparteitag stattfinden.
Doch gegen dieses Verfahren begehrt vor allem der linke Flügel auf, der auf Sozialreferentin Brigitte Meier als OB-Kandidatin setzt. Anders als Reissl, der das Votum der Ortsvereine offenbar akzeptiert, hatte Meier die Messlatte für Reiter sehr hoch geschraubt. Nur wenn sich 40 der 44 Ortsvereine für Reiter aussprächen, sei sie bereit, auf eine Kampfkandidatur zu verzichten. Das wäre eine Hürde von fast 90 Prozent. OB Christian Ude, ein klarer Reiter-Befürworter, kritisierte diese Marge am Rande des kleinen Parteitages der Landes-SPD in Treuchtlingen deutlich. Eine Hürde von 90 Prozent könne "nur jemand erfinden, der seine eigene Situation schon sehr traurig einschätzt", sagte Ude.
Die Meier-Befürworter treten trotz des offenkundigen Rückstandes ihrer Favoritin für einen Mitgliederentscheid ein. Dafür sieht SPD-Chef Hans Ulrich Pfaffmann jedoch keine Notwendigkeit, sollte das Votum für Reiter deutlich ausfallen. "Wir haben doch schon alle Mitglieder befragt", sagte er. Die Kandidaten seien in den Ortsvereinen gewesen, dazu seien alle Mitglieder eingeladen gewesen. Auch Ude hält die Beteiligung der Basis für optimal. "Mehr Mitgliederbeteiligung kann ich mir eigentlich nicht vorstellen", sagte er.