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Rinecker-Zentrum:Experiment gescheitert

Das Protonen-Therapiezentrum in Thalkirchen muss seinen Betrieb einstellen

Von Stephan Handel

Es ist das Ende eines medizinischen Experiments: Das Rinecker-Protonen-Therapiezentrum (RPTC) in Thalkirchen stellt zehn Jahre nach seiner Eröffnung den Betrieb ein. Der Insolvenzverwalter Michael Jaffé teilt mit, dass das Zentrum zum Ende des Jahres in eine Art Ruhezustand versetzt wird. Schon begonnene Behandlungen werden noch zu Ende gebracht, dann verlieren rund 60 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Das RPTC wurde vor 20 Jahren von Hans Rinecker auf den Weg gebracht, der zu jener Zeit nur ein paar hundert Meter isaraufwärts die Rinecker-Klinik betrieb. In das RPTC investierte er rund 170 Millionen Euro - in dem Glauben, damit eine neue Möglichkeit der Krebstherapie durch Bestrahlung gefunden zu haben, indem Tumore nicht mehr mit Röntgenstrahlen, sondern mit Protonen bekämpft werden. Wie alle medizinischen Neuerungen hätte auch diese mindestens eines von zwei Kriterien erfüllen müssen: Sie hätte besser wirken müssen als die herkömmlichen - oder wenigstens billiger sein. Sie war aber um ein Vielfaches teurer, und der Nachweis besseren Heilerfolgs gelang ebenfalls nicht, nur bei den Nebenwirkungen lag die Protonentherapie vorn. Das führte dazu, dass die Behandlungskosten von den Krankenkassen nicht übernommen wurden. So wurde, wie der Insolvenzverwalter jetzt schreibt, in zehn Jahren Betrieb zusammengerechnet nicht die Patientenzahl erreicht, die ursprünglich pro Jahr geplant war.

Einen letzten Versuch, sein Zentrum zu retten, unternahm Hans Rinecker 2015: Er verkaufte seine Klinik an die Tutzinger Artemed-Gruppe. Gerüchte besagten aber damals schon, dass er auch versucht habe, das RPTC zu verkaufen, aber keinen Käufer gefunden habe. Zwei Jahre nach dem Verkauf meldeten die beiden Firmen, die das RPTC betrieben - eine für die Immobilie, eine für den laufenden Betrieb - Insolvenz an. "Das RPTC war ein mutiges Pilotprojekt und hat in der Behandlung von Krebspatienten gute Arbeit geleistet. Es hat jedoch zu keiner Zeit kostendeckend arbeiten können und jährlich hohe Verluste erwirtschaftet", schreibt Jaffé. Wie es in Thalkirchen weitergeht, ist unklar: Die Konstruktion mit zwei insolventen Firmen verbietet die Verwertung von Haus und Anlagen. Den Ausschlag für die Abschaltung gaben laut Insolvenzverwalter unaufschiebbare Reparaturen und Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe.

© SZ vom 02.11.2019
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