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Richard-Strauss-Festival:Das Festival ist tot. Es lebe das Festival?

Richard Strauss, 1930

Der Umgang mit dem musikalischen Nachlass Richard Strauss' (1864 - 1949), hier vor seiner Villa, fällt den Garmisch-Partenkirchnern schwer.

(Foto: SZ-Archiv / Scherl)

Ratlosigkeit nach dem Rückzug von Alexander Liebreich als Leiter der Musikwochen, die seit 1989 zu Ehren von Richard Strauss in dessen Wahlheimat Garmisch-Partenkirchen stattfinden. Kunstminister und Förderer zeigen sich besorgt

Von Sabine Reithmaier

Schön wäre es, wenn es mit dem Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen weitergehen könnte. Das wünscht sich Bernd Sibler genauso wie Florian Streibl und Thomas Goppel. Der Kunstminister bekundet zwar sein großes Interesse am Erhalt des zehntägigen Festivals im Juni, doch die Vorsitzenden der beiden Fördervereine blicken derzeit eher skeptisch in die Zukunft.

Streibl trauert noch dem künstlerischen Leiter Alexander Liebreich, der am vergangenen Donnerstag sein Rückzug bekundete, und seiner guten Arbeit nach. "Er hat mit seinem Konzept ein neues Aushängeschild für den Markt geschaffen", sagt der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, der seit Juli 2019 dem Förderkreis Richard-Strauss-Festspiele vorsteht. Man habe einfach übersehen, rechtzeitig eine Struktur zu schaffen, die die kaufmännische Seite des Festivals regelt, findet Streibl und verweist auf Oberammergau. Dort habe man auch ständig die Debatte um die Finanzen der Passionsspiele geführt, bevor man die Passionsspiel GmbH gründete. "Was Oberammergau kann, müsste doch Garmisch-Partenkirchen hinkriegen." Ihm sei es allerdings ein Rätsel, wie es in der knappen Zeit gelingen soll, einen neuen künstlerischen Leiter zu finden. "Wer möchte das Erbe denn unter diesen Vorzeichen antreten?" fragt er. Nicht nur die Finanzlage sei schwierig, dazu kämen auch die nicht kalkulierbaren Risiken durch Corona. "Das wird sportlich."

Kritisch äußert sich auch Thomas Goppel, Vorsitzender der Freunde des Richard-Strauss-Festivals. "Wir wollen nicht, dass das Festival baden geht, nur weil die Mehrzahl der Garmischer noch glaubt, in Skifahren und Skispringen läge die Zukunft des Marktes", sagt Goppel. Die Freunde fanden sich erst 2019 als Verein zusammen, um Liebreich ideell und finanziell zu unterstützen. "Wir sammeln Geld ein", präzisiert der langjährige CSU-Landtagsabgeordnete. Entsprechend hoch ist mit 250 Euro der Mitgliedsbeitrag, nach oben gibt es für die "Rosenkavaliere" keine Grenzen. Zu den 26 Gründungsmitglieder gehört auch die amtierende Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU).

Er sei als Ortsfremder wahrscheinlich nur deshalb zu der Ehre des Vorsitz' gekommen, weil er Präsident des Bayerischen Musikrates sei, mutmaßt Goppel. Liebreichs Konzept, das Festival nicht nur in Garmisch-Partenkirchen zu veranstalten, sondern auch andere Plätze mit einzubeziehen und auf die Gipfel zu wandern, habe ihn überzeugt. "Dadurch erhöht sich das Einzugsgebiet, das Erlebnis ist ein anderes." Die Idee, neue Orte zu bespielen, sei angesichts von Konzerten im Kongresshaus oder in der Eissporthalle - "schön ist was anderes" - auch aus der Not geboren, glaubt Kunstminister Sibler.

Goppel wusste zunächst nicht, dass es neben den "Freunden" noch einen anderen Verein gibt. Der Förderkreis Richard-Strauss-Festspiele, bereits 1989 gegründet, hat sich der Unterstützung von Kunst und Kultur, insbesondere der Pflege der Werke von Richard Strauss verschrieben, nicht allein dem Geld eintreiben. Er zählt an die 200 Mitglieder. Inzwischen denken die beiden Vorsitzenden darüber nach, die Vereine möglichst bald zusammenzuführen. "Es macht keinen Sinn, zweimal das Gleiche zu fördern", sagt Streibl. Jetzt müsse man sehen, wie das zu bewerkstelligen sei. "Aber wenn das Festival ganz ausfällt, wird das schwierig mit der Motivation der Mitglieder", sagt Streibl, der bereit ist, auch ein verkleinertes Festival zu unterstützen. Goppel dagegen denkt darüber nach, dem Verein vorzuschlagen, sich aufzulösen, falls nicht bald ein überzeugendes Konzept komme. "Dann haben wir keine Funktion mehr."

Seit dem Dienstantritt der neuen Bürgermeisterin im Mai fragte nicht nur Liebreich, sondern fragten auch die beiden Vorsitzenden regelmäßig im Rathaus an, wie es weitergehe mit dem Festival. Gesehen habe er Elisabeth Koch seit der Wahl nicht mehr, sagt Goppel, nur zweimal mit ihr telefoniert und gehört, sie müsse erst aufräumen. Sein Argument, sie müsse parallel arbeiten und schon in die Zukunft planen, wenn sie das Festival retten wolle, stieß nicht auf offene Ohren. Im Gegenteil, Koch fühlte sich, wie sie vergangene Woche am Telefon berichtete, nur sehr bedrängt.

Gemeinsam mit Liebreich beschlossen die Vereine kurz nach der Absage des Festivals ein besonderes Konzert im September zu veranstalten. "Ein Zeichen, dass das Festival nicht tot ist", sagt Streibl. Aber die Bitte um logistische Hilfe bei der Organisation des Konzerts blieb ebenfalls unbeantwortet. Als es dann hieß, in der Julisitzung würde sich der Gemeinderat nur mit dem Ausgleich der Festivaldefizite befassen, von der Zukunft aber immer noch keine Rede sein sollte, "hat Liebreich den Bettel hingeschmissen", sagt Goppel.

Mit Erstaunen habe er erfahren, dass Liebreich keinen wirklichen Vertrag besessen habe. Dass er das durchhielt, sei ihm hoch anzurechnen, findet Goppel. "Aber wundern musst du dich dann nicht über so einen Umgang."

© SZ vom 04.08.2020

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