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Riccardo Simonetti:Mit Tutu und Tamtam

Best Brands im Bayerischen Hof

Eitel Sonnenschein: Der stets schön frisierte Riccardo Simonetti bei der Verleihung der „Best Brand Awards“ in München.

(Foto: Florian Peljek)

Das bunte Leben des Bad Reichenhallers im Netz.

Von Ayca Balci

Riccardo Simonetti flimmert bunt und auffällig rund um die Uhr über die Handybildschirme von 255 000 Menschen. Damit gehört er zu den beliebtesten Influencern Deutschlands - und wird gerade deshalb auch als TV-Gast von "Joko & Klaas" bis "Shopping Queen" zur Reichweitensteigerung eingeladen. Früher blätterte er noch in Bad Reichenhall, wo er geboren ist, in den Illustrierten und klebte seine eigenen Fotos zwischen all die Stars, um sich auszumalen, wie er sein Leben einmal leben möchte. Später arbeitete er für diese Magazine und schrieb auf seinem Blog "The fabulous life of Ricci" über seinen schrillen Modegeschmack, seine Ziele und Träume - die bald wahr wurden. Heute lebt er als Werbe- und Fernsehgesicht in Berlin, hat seine eigene TV-Show und ist Autor von zwei Büchern.

Wenn er ein Kleidungsstück wäre, würde man ihn in der Schublade für "Diverses" finden - so beschreibt sich Simonetti selbst und ist heute aus genau dem Grund so beliebt: Er zelebriert sein Anderssein in der Öffentlichkeit. Weil das aber nicht immer so war, nutzt er seine Reichweite als Influencer, um die Gesellschaft toleranter zu machen. Deshalb reihen sich in seinem Instagram-Profil neben den verspielten Videos, in denen er sich gerne mal über sich selbst lustig macht, Beiträge zu sozialen Themen, die ihm am Herzen liegen. In seinem Bestseller "Mein Recht zu funkeln" erzählt er von seinen persönlichen Erfahrungen mit Mobbing, die er in seiner Kindheit und Jugend aufgrund seiner Homosexualität machen musste. Und weil er sich zur Aufgabe gemacht hat, "Menschen immer wieder daran zu erinnern, dass Anderssein nichts Schlimmes sein muss", schreibt er in seinem Kinderbuch ("Raffi und sein pinkes Tutu") über einen Jungen, der es mag, Fußball zu spielen, dabei aber, statt Trikot, viel lieber ein Ballettkleid Tutu trägt.

© SZ vom 03.06.2020
Theo Vanity, 2018

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