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Revueoperette "Drei Männer im Schnee":Der Klang der alten Welt

Drei Männer im Schnee

Treiben im Schnee: Armin Kahl, Alexander Franzen und Erwin Windegger in der Operettenrevue nach Erich Kästner am Gärtnerplatztheater.

(Foto: Christian Pogo Zach)

Die Revueoperette "Drei Männer im Schnee" anzuschauen, ist sehr komisch. Nun gibt es die Gärtnerplatz-Produktion auch als vergnüglichen Live-Mitschnitt auf CD

Von Dirk Wagner

Zugegeben, so einen urkomischen Stepptanz auf Skibrettern, wie er in der Revueoperette "Drei Männer im Schnee" des Gärtnerplatztheaters zu erleben ist, muss man gesehen haben. Klanglich lässt sich solche außergewöhnliche Tanznummer nämlich nicht vermitteln. Trotzdem funktioniert die Musik, die das Komponistenteam Konrad Koselleck, Chistoph Israel, Benedikt Eichhorn und Thomas Pigor für Pigors Bühnenadaption des Erich-Kästner-Romans geschrieben hat, auch als vergnüglicher Hörgenuss. Das beweist ein Live-Mitschnitt vom Gärtnerplatztheater, der beim Düsseldorfer Con anima Verlag auf CD erschienen ist.

Indem sich die CD auf die Musik aus Pigors Revueoperette konzentriert, gelingt ihr ein mitreißender Reigen von Walzer über Swing bis hin zu alpenländischen Miniaturen wie das männliche Alpentrio "Wetterwechsel" und dessen weibliches Gegenstück "Zeitsprung". Beide Trios schöpfen den Dreigesang ebenso wohlklingend wie karikierend aus. Wobei genau das den Reiz der gesamten Musik ausmacht, dass sie sich selbst karikiert und dennoch in ihrer vollen Schönheit entfaltet.

Das klingt dann wie in den frühen Dreißigerjahren, in denen das Stück spielt. Nach Tanzrevue-Nummern à la Duke Ellington, aber auch nach deren deutschen Ufa-Umsetzung, nach Zarah Leander oder Marlene Dietrich. Da mag eine Sigrid Hauser als liebestolle Frau Calabré in "Ich pass mich an ..." noch so sehr mit weiblicher Unterwürfigkeit werben; sowohl den im Stück damit bedrängten Fritz Hagedorn, als auch dem Publikum wird schnell klar, eine moderne Frau wie die Calabré unterwirft sich keinem Mann mehr. Vielmehr nutzt sie ihn aus und ersetzt ihn alsbald. Warum im Übrigen solche selbstbewussten Frauen in Kästners Romanen nie zu den guten Charakteren zählen, verrät auch diese Inszenierung nicht.

Allerdings schmückt sie vergnüglich die böse Rolle mit expliziten Texten aus, vor die Jugendschützer wohl gewarnt hätten, wäre die CD eine Hip-Hop-Scheibe. So aber ist sie ein Theatermitschnitt, und da irritiert es zum Glück keinen Sittenwächter, wenn Frau Calabré, die nach eigenen Angaben für einen Krähen-Experten Krähisch lernte, darüber freimütig singt, dass sie auch mal dessen Lenden befeuern würde, wenn er schlappmacht.

Es irritiert im Übrigen auch nicht, wenn der Diener des als armer Preisausschreiben-Gewinner reisenden Millionärs am Gärtnerplatztheater schwul ist und dem Ski-Lehrer Toni nun vom Nollendorfplatz in Berlin vorschwärmt, wo alle Kerle ganz narrisch sind auf Tiroler. Denn das Stück ist auch als Hörgenuss zu rasant, um Zeit für Irritationen zu lassen. Dabei wären manche sogar gewünscht. Eine Aussage etwa wie "1933 wird ein gutes Jahr" entlarvt die ausgelassene Silvesterparty im Stück als Tanz vor dem Abgrund. Zugleich warnt der Tanz mit Blick auf heutige Rechtsradikale vor aktuellen Abgründen.

Drei Männer im Schnee wird am 14., 16. und 17. Oktober am Gärtnerplatztheater gespielt, Beginn um 19 Uhr

© SZ vom 14.10.2020

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