Restaurants in München Das Ende des Party-Griechen

Schluss mit der Poseidonplatte, weg mit dem Grillteller, hier kommt die neue griechische Küche!

(Foto: Robert Haas)

Ein Besuch beim Griechen - lange bedeutete das: Remmidemmi mit Sirtaki und Ouzo aufs Haus, damit das Fleisch geschmeidiger durch die Kehle rutscht. In etlichen Lokalen lässt sich nun erleben, wie viel mehr die griechische Küche bieten kann.

Von Franz Kotteder

Souvlaki, auf dem Grill gut durchgetrocknet, dazu ein ordentlicher Batzen Joghurt-Knoblauch-Gurken-Creme, Tzatziki genannt, damit das Fleisch geschmeidiger durch die Kehle rutscht. Zum Abschluss gibt's noch einen Ouzo aufs Haus, und im Hintergrund tanzt Alexis Sorbas: Tereng! So läuft er normalerweise ab, der Besuch beim Münchner Griechen.

Ja, das ist ein Klischee, aber viele griechische Restaurants in der Stadt entsprechen genau diesem Klischee, weil es so gut ankommt. Die durchschnittliche Speisekarte enthält so ziemlich genau das, was der Pauschaltourist von der Kneipe am Strand oder im Hafen kennt. Letztlich sind Gyros und Souvlaki oder Baby-Kalamari halt Fast Food auf griechische Art. Das ist dann ein bisschen so, als ob ein Münchner Wirtshaus Leberkässemmeln auf der Karte hätte, neben der obligaten Schweinshaxe, aber wieso auch nicht? Der Gast mag das, der Gast kennt das, der Gast kriegt das dann eben auch.

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Aber so wie in machen bayerischen Wirtshäusern das Standardangebot aus Schweinsbraten mit Kartoffelknödeln, Schnitzel Wiener Art und Kässpatzen für die Vegetarier inzwischen durch intelligente Neuinterpretationen von Küchenklassikern erweitert wird, machen es jetzt auch einige Griechen in der Stadt. Der Trend ist schon erkennbar: Schluss mit der Poseidonplatte, weg mit dem Grillteller, hier kommt die neue griechische Küche!

Die ignoriert keineswegs, dass man nördlich der Peloponnes Griechenland mit ein paar Standardgerichten verbindet. Aber sie kocht sie ein bisschen anders und raffinierter, als man es gewohnt ist. Und erweitert das Angebot durch ein paar neue Speisen, die man sonst nirgendwo kriegt.

Das neueste Pflänzchen dieser Bewegung ist das kleine Lokal Aplá funky in der Buttermelcherstraße 12. Ein paar Häuser weiter hat der Cocktailschuppen Juleps aus Haidhausen eine neue Heimat gefunden, draußen steht die rauchende Jugend, während sie drinnen ausgelassen vor sich hin feiert. Hier aber scheint sich seit Anfang November eine hellenische Hafenkneipe mit sparsamer Möblierung und schlichten, hell gestrichenen Holzstühlen etabliert zu haben.

Ambiente im Aplá funky.

(Foto: Robert Haas)

Was dort auf den Tisch kommt, ist eine sehr angenehme Überraschung: ein Teller mit Muscheln in einer fein gewürzten, sämigen Sauce etwa. Oder ein Bifteki aus Hackfleisch vom Kalb, das begleitet wird von einer "Bloody-Mary-Ouzo-Sauce" und von erfreulich lockerer Konsistenz ist. Ganz anders als die sonst üblichen Fleischklopse mit Fetakäsefüllung, die man sonst so bekommt in München. Aha, denkt man sich, da hat sich jemand Gedanken gemacht, was man mit der griechischen Kochkunst noch so alles anstellen kann. "Wir wollen eine authentische griechische Küche", sagt der Kellner, wenn man ihn darauf anspricht, "aber wir wollen auch modern kochen, so wie es in Athen zum Beispiel längst schon üblich ist."

Und nicht nur dort. Sondern zum Beispiel auch in der Schwabinger Kaiserstraße 65. Dort hat der Grieche Panagiotis Bezas zusammen mit seiner Frau Christina vor ein paar Jahren das Restaurant Ola Kalá mit gerade mal 50 Plätzen eröffnet. Auf Deutsch heißt das schlicht: "Alles gut", was als Losung für ein Lokal per se ja schon mal nicht verkehrt ist. Das kleine Restaurant, das früher wohl einmal ein Laden gewesen ist, ist lustig eingerichtet, links eine Bar, rechts ein Podest, auf dem drei Tische Platz haben und wo es über ein paar Stufen auch zur Küche geht. Ganz rechts dann noch drei goldene Eulen, Multiples des Künstlers Ottmar Hörl, die man tunlichst nirgendwo hintragen sollte, schon gar nicht nach Athen.

Auch die Speisekarte arbeitet mit witzigen Anspielungen. Es gibt da unter den Vorspeisen zum Beispiel Zwieback aus Kreta, belegt mit Manouri-Weichkäse und Kräutertomaten oder auch ein Octopus-Carpaccio. Ab und zu lädt man auch einen Gastkoch ein. Dann gibt es zum Beispiel ein achtgängiges Menü, in dem sich auch so hübsche Sachen finden wie "Spanakopita", eigentlich die griechische Variante eines ganz normalen Spinatstrudels: "Dekonstruierter Spinat, darauf ein Onsen-Ei, Fetakäse und knuspriger Blätterteig", steht zur Erklärung dabei.

Das Ola Kalá ist wohl der beste unter den experimentierfreudigeren Griechen in der Stadt.

(Foto: Robert Haas)

Man sieht schon: Da werden die Errungenschaften der modernen Gourmetküche eingesetzt, um ein klassisches Gericht zu verändern. So versponnen sind freilich nicht alle Speisen im Ola Kalá, in der Regel versieht man hier die Klassiker mit einem gewissen überraschenden Pfiff, kombiniert das Lammhaxerl etwa mit Artischockenpüree und einer kräftigen Rosmarin-Honig-Meersalz-Sauce. Das Ola Kalá ist damit wohl der beste unter den experimentierfreudigeren Griechen in der Stadt.

Der Trend zum gehobenen Griechen hatte übrigens vor vier Jahren schon einmal kräftig Anlauf genommen. Da eröffnete das Konstantin & Friends in der Tumblingerstraße 36. Ein ehemaliger Manager der griechischen Telekom erfüllte sich dort 2014 einen Traum und ließ den Sternekoch Nikos Pouliasis von der Insel Santorin seine Fusion aus französischer und griechischer Küche zelebrieren. Doch die übrigen Teilhaber des Lokals waren bald uneins, schon nach einem Jahr war wieder Schluss mit der hellenischen Gourmetküche an der Isar.

Noch etwas vor 2014 hatten die sogenannten "Party-Griechen" ihre beste Zeit und fanden ein begeistertes Publikum. Dort gab es zur eher durchschnittlichen Mittelmeerküche vor allem eins: Remmidemmi mit Sirtaki, Schampus und Servietten, die um Mitternacht an die Decke flogen - ein Party-Ritual. Das Kytaro war, an wechselnden Orten, so ein Gaudilokal; das Cavos in der Reitschule und das Molos im Schlachthofviertel. Letztere standen unter der Ägide der Milchbar-Betreiber und Hellas-Fans Florian und Jakob Faltenbacher. Die beiden Brüder sind mittlerweile auch ruhiger geworden, jetzt betreiben sie zusammen mit Petros Bakirtzis ganz seriöse Familiengriechen wie das Kalypso in Schwabing, das Cyclades in Neuhausen und das Melina Merkouri (im früheren Molos), alle drei mit rundum solider Küche.

Das Mystikon am Giesinger Walchenseeplatz galt eine ganze Weile als Geheimtipp, weil dort die Mittelmeerküche etwas leichter ausfiel als sonst beim Griechen.

(Foto: Robert Haas)

Dieser nähert sich inzwischen auch das Mystikon am Giesinger Walchenseeplatz wieder an. Eine ganze Weile galt es als Geheimtipp, weil dort die Mittelmeerküche etwas leichter ausfiel als sonst beim Griechen. Inzwischen nähert man sich dort leider wieder stärker dem Massengeschmack an. Wie ein witziger Kommentar zur Fast-Food-Begeisterung des deutschen Publikums aber wirkt das "Spetzofai": eine gewürzte Bauernwurst in Tomaten-Paprika-Sauce, quasi die griechische Variante der Currywurst. Sehr überzeugend ist nach wie vor die Karte mit den offenen Weinen.

Nach wie vor zu den besseren Lokalen zählt auch das Opson in der Trappentreustraße, dem Kostprobenautor Tankred Tunke im vergangenen April das Prädikat "Edelgrieche" verlieh, weil es vermeintlich einfache Gerichte "durch einen kleinen Twist und handwerkliche Sorgfalt" zu etwas Besonderem mache. Das trifft zum Beispiel auch für das Kyano im südlichsten Sendling (Kistlerhofstraße 111) zu. Seine Spezialität: das "Ekmek", eine Art griechischer Puddingtorte als Nachtisch.