Neues aus der Münchner Gastro-SzeneMit mutigen Ideen durch die Krise

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Stefan Grosse verabschiedet sich vom Fine Dining und will in seinem Blauen Bock jetzt „Münchner Stadtküche“ anbieten.
Stefan Grosse verabschiedet sich vom Fine Dining und will in seinem Blauen Bock jetzt „Münchner Stadtküche“ anbieten. Robert Haas

Im Blauen Bock krempelt Stefan Grosse das Konzept radikal um, im Café Spatz will man Gäste nur mit Selbstgemachtem überzeugen.

Von Sarah Maderer

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Die einen schrauben am Bierpreis, die anderen setzen auf à la carte anstelle von Menüs und wieder andere überlegen sich Lockangebote wie zwei Drinks zum Preis von einem. In Zeiten, in denen Gäste seltener ausgehen und weniger konsumieren, sehen sich viele Gastronomen gezwungen, ihr Angebot anzupassen. Stefan Grosse vom Restaurant und Hotel Blauer Bock am Sebastiansplatz wagt nun einen besonders radikalen Schritt und krempelt sein Küchenkonzept von Grund auf um.

Seit Mai wird im Blauen Bock nicht länger französisch geprägte, gehobene Küche aufgetischt, sondern traditionell bayerische Wirtshauskost. Nach 22 Jahren sei es für Grosse an der Zeit für eine Veränderung: „Ich bin im Fine Dining groß geworden, aber seit Corona glaube ich nicht mehr daran“, sagt der Wirt. „Außerdem gibt es inzwischen so viele Sterne in München, da muss ich nicht mitkonkurrieren.“

Dazu kommt, dass Grosses Hotelgäste freilich bayerisch essen gehen wollen, wenn sie nach München kommen, und ihn zuvor immer nach Wirtshaus-Empfehlungen gefragt haben – ein verschenktes Geschäft. Mit der Umstellung der Speisekarte soll nun, so Grosses Hoffnung, auch das Hotel vom Restaurant profitieren, damit umgekehrt nicht länger das Restaurant wirtschaftlich aufs Hotel angewiesen sein muss, wie es in den letzten zwei Jahren der Fall war.

Von seinem Team und allen voran vom Küchenchef Ricardo Quiroz hat Grosse vorab das Einverständnis für die Umstellung eingeholt. Quiroz hat wie sein Chef viel Erfahrung im Delikatessenhandel und im Fine Dining und kochte früher unter anderem in Eckart Witzigmanns Aubergine. Seit rund zehn Jahren ist er Teil des Küchenteams im Blauen Bock.

Sein klassisches Vier-Gänge-Menü, das früher auf der Karte stand, kostete 115 Euro und beinhaltete Gerichte wie Foie gras, Chateaubriand und Crêpe Suzette. Nun kocht Quiroz mit dem gleichen Anspruch an Produktqualität und Handwerk Schweinsbraten (18,90 Euro), Wiener Schnitzel (36 Euro) und Rinderroulade (26,90 Euro). Zur „Münchner Stadtküche“ des Blauen Bocks, wie es auf der neuen Speisekarte heißt, gehören außerdem je nach Tages- und Wochenangebot auch mal Innereien wie saure Nieren oder saure Leber.

Zunächst ist die Neuausrichtung der Küche als Versuch über den Sommer angelegt. Die Terrasse auf dem Sebastiansplatz sowie die Küche sind in diesen Monaten durchgehend geöffnet und der Barbereich im Eingang des Restaurants wird gerade zur Schwemme umgebaut.

Infos zum Restaurant „Blauer Bock“:

  • Sebastiansplatz 9
  • Öffnungszeiten Dienstag bis Samstag 12 bis 23 Uhr
  • Telefon 089/45222333

Die Küche im Café Spatz ist vegetarisch-vegan

Einen mutigen Neustart wagen auch Marie-Line Strak und Carlotta Pohlig vom Café Spatz. Ihre Anfänge als selbständige Gastronominnen lagen im Catering, dann bespielten sie eine kleine Café-Fläche im Rennrad-Geschäft Bici Bavarese in der Maxvorstadt und nun werden sie am 10. Juni ihr erstes eigenes Café im Westend eröffnen.

Im ehemaligen Café Duuo in der Gollierstraße haben sie die idealen Räumlichkeiten für ihre Pläne gefunden. Die rundum offene Küche im Eingangsbereich des Cafés, von der aus es über Stufen in den Gastraum nach oben geht, wollen Strak und Pohlig beibehalten. Denn so können sich ihre Gäste selbst davon überzeugen, dass bei ihnen alles selbst gemacht ist, von den Aufstrichen und Marmeladen bis hin zu den selbst gebackenen Kuchen.

Die vegetarisch-vegane Küche im Café Spatz soll von Frühstück und Brunch über Mittagessen und Kaffee mit Kuchen bis hin zum Aperitivo alles abdecken können. Morgens wird es etwa Shakshuka und glutenfreien Porridge geben und mittags leichte Speisen wie Quiche und Salate zum Selbst-Zusammenstellen.

Zunächst wird das Café Spatz bis 17 Uhr geöffnet haben. Ein bis zweimal im Monat soll es aber auch einen Aperitivo-Abend mit Käse, Oliven und besonderen Drinks geben, damit die große Eckterrasse mit Abendsonne voll ausgekostet werden kann.

Infos zum „Café Spatz“:

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