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Restaurant Waldmeisterei:Wo sich das Warten lohnt

Schickes, urbanes Ambiente zeichnet die Waldmeisterei aus.

(Foto: Stephan Rumpf)

Kumpelhafter Umgang mit den Gästen, dekorativ abgewohnte Möbel: Die "Waldmeisterei" in der Maxvorstadt wirkt berlinerisch, wären da nicht die Blumen auf den Tischen. Manchmal dauert es etwas länger - dafür entschädigt das gute Essen.

München, Prenzlauer Berg, Abzweigung Blütenstraße - nein, das pastellfarbene Eckhaus steht natürlich in der Maxvorstadt und nicht in dem Berliner Szeneviertel. Draußen fährt die weißblaue Tram 27 durch die Barer Straße, aber die Gastronomie im Erdgeschoss zählt nun mal eindeutig zu dem Typus von Einkehr, der als ultimativ berlinerisch gilt. Der kumpelhafte Umgang mit den Gästen, die dekorativ abgewohnten Möbel - klar, so sieht das lässige Hauptstadt-Flair aus, auch wenn es in Köln schon viel länger lockere Kneipen gibt und Hamburg den Shabby Chic ungefähr seit den Achtzigern kultiviert.

München steht im Vergleich zu den deutschen Hochburgen des Abgenutzten ja eher für das Gediegene mit verdächtig hohem Schniegel-Faktor. Was das Lokal Waldmeisterei an der Barer Straße angeht, so hat die den Münchnern angeborene Tendenz zum Aufputz ihr Gutes: Sie sorgt für eine gelungene Mischung. Bei aller großstädtischen Coolness, den freigelegten Kupferrohren, den blank gescheuerten Treppenstufen im Inneren gibt es stets ein Sträußchen frische Freesien auf den Tisch und schönen Stuck an der Decke - ein bisschen Zierrat kann halt nie schaden.

Holzbänke in den Fensternischen, Stühle mit Fünfzigerjahre-Charme

Die Speisekarte in der Waldmeisterei ist so übersichtlich, dass man nicht einmal darin zu blättern braucht. Was hier aus der Küche kommt, passt auf einen Bogen Papier und hängt auch als gerahmtes Poster an der Wand: Eine gute Handvoll solider, unaufgeregter Gerichte, die mittags Studenten, junge IT-Manager mit Rauschebart und hübsche Mädchen satt machen - der typische Mix aus dem schick gewordenen Univiertel. Die vielen Stammgäste sitzen auf Holzbänken in den Fensternischen, auf gebogenen Stühlen mit Fünfzigerjahre-Charme - beides schön bequem, was von Vorteil ist, denn es kann dauern, bis die Speisen auf den Tisch kommen. Und wer einmal in der Waldmeisterei gegessen hat, wird die Wartezeit durchaus als unangenehm empfinden: Es schmeckt hier nämlich fast alles gut.

Die Karte liest sich rustikal: Bandnudeln, Nocken, geschmortes Rind, aber serviert werden fein gewürzte, leichte Gerichte. Die Kas-Nockerl mit zweierlei Käse (8,50 Euro) waren hausgemacht, drei längliche Knödel von samtig weicher Konsistenz mit säuerlichem Wurzelgemüse. Das Trio blieb nicht lange auf dem Teller, ebenso die üppige Portion Pasta: Breite Pappardelle (elf Euro), ebenfalls in der Küche von Hand gemacht und etwas dicker geraten, was sich als schmackhaft und praktisch herausstellte, weil die Nudeln nicht aneinanderklebten. Dazu gebratene Pilze, ein luftiger Rosmarinschaum, viele frische Kräuter darübergestreut - dass die Pinienkerne fehlten, fiel da kaum ins Gewicht.

Das Lokal in der Maxvorstadt hat nur tagsüber geöffnet, aber ein Besuch lohnt sich allemal.

(Foto: Stephan Rumpf)

Unter den Tagesgerichten überraschte die Tomaten-Orangen-Suppe (drei Euro) als vorfrühlingshafte Erfrischung, der Tafelspitz aus Biofleisch (9,50 Euro) gelang wunderbar zart. Die Neigung der Küche zu mediterranen Aromen kam beim Bœuf Bourguignon (13,80 Euro) zur Geltung: Das Schmorgericht aus Burgund wird klassischerweise mit Pilzen und Speck serviert. In der Waldmeisterei wird eine provenzalische Abwandlung mit Rosmarin bevorzugt, dazu passten die angebräunten Serviettenknödel-Scheiben. Das Cranberry-Kompott als Beigabe dagegen: fast ungenießbar sauer.

Kaffeegetränke mit allen Milchvarianten

Wer sich nach den mit Ausdauer erwarteten Hauptspeisen - bei einem Besuch scheuchte die Chefin die Köche vom Päuschen vor der Tür zurück an den Herd, danach ging es schneller - noch eine Nachspeise gönnen möchte: Es lohnt sich. Ein Glas mit cremigem Mangojoghurt (2,70 Euro) schmeckte nicht einfach exotisch, sondern wirklich nach frischer Mango. Die Florentiner kann man sich sparen, dafür war der tiefschwarze Schokoladenkuchen (3,20 Euro) ein Genuss.

Kaffeegetränke gibt es natürlich mit allen Milchvarianten, aus Soja und laktosefrei, ansonsten Flaschenbier aus dem Kühlschrank und nur einen Grünen Veltliner als "Probierwein" (3,50 Euro das Glas). Für einen abendlichen Schluck Wein mit Freunden ist das Lokal aber ungeeignet: Die Waldmeisterei schließt um 18 Uhr. Das ist schade.