Restaurant Refettorio:Das Wasser geht aufs Haus

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Mit kleinen Einschränkungen: Wo der Tisch so breit ist, dass die Begleitung weiter entfernt sitzt als der Fremde, der neben einem platziert wurde, wird die (gerade so populäre) Idee von der fröhlichen Landhausrunde grotesk. Auch sind wir es leid, mit staatstragender Miene nach der Reservierung gefragt zu werden - zumal, wenn am Ende die Hälfte der Tische leer bleibt.

Die Speisekarte schlägt neben Einzelgerichten diverse Menükombinationen vor, was günstiger wirkt, als es ist. Man kann schnell für ein bisschen Gemüse, eine einfache Pasta und eine kleine Nachspeise bei deutlich über 30 Euro (ohne Getränke) landen, was für die Leistung dann doch zu teuer ist. Sehr nett hingegen: Als Gruß aus der Küche kommen krosse Focaccia, Oliven sowie endlich mal wirklich aromatische Tomatenwürfel. Und geradezu vorbildlich: Das Wasser geht aufs Haus.

Wir starteten mit dem Vorspeisen-Buffet (15 Euro), eine schöne Mailänder Tradition - so lässt sich das Refettorio auch als unkomplizierter Ort für den Aperitif mit Snack nach der Arbeit nutzen. Wobei mehr Geschmack gut täte. Warum denn gefühlte 20 Antipasti, wenn gut die Hälfte davon leicht anämische Brokkoliröschen, Karotten- oder Zucchini-Scheiben sind? Ein Lichtblick waren das feine Paprikagemüse und das zarte Vitello tonnato. Insgesamt gilt: lieber nur fünf Positionen, die aber dafür mit eigener Handschrift.

Reisberg von erschütternder Langeweile

Leider wollte sich die Spannungskurve bei den ersten Gängen, den Primi, nicht heben, bei denen es ja stets um gekonnte Einfachheit geht. Die Paccheri mit Ricotta, Tomate und Basilikum (13 Euro) waren vor der letzten Gabel vergessen, die Bigoli mit Sepia-Ragout, Crevetten und Estragon (13) lenkten das Gespräch auf die Möglichkeiten tiefgefrorener Meeresfrüchte-Mischungen. Und das vom Kellner empfohlene Risotto mit Jakobsmuschel und grünem Spargel (13) bestand vor allem aus einem Reisberg von erschütternder Langeweile.

Zudem hatte die Küche bei beiden Besuchen ein merkwürdiges Problem mit Garzeiten. Die eine Pasta fast zerkocht, eine andere viel zu al dente. Das Entrecôte (20) zwar saftig, rosa, zart und geschmacklich toll, die Kartoffeln dazu aber nicht durch. Die Lammkoteletts (20) wiederum hatten einige Minuten Hitze zu viel, dafür war das mediterrane Gemüse nicht nur bissfest, sondern hart.

Und die Desserts - Tiramisù und eine vor Bindemittel strotzende Panna cotta - verdienten das Prädikat bedeutungslos. Was schade ist. Denn die Weinkarte war in Ordnung, und die verwendeten Produkte waren überwiegend gut. Wenn das Refettorio nun sein Faible für Kunst auch in die Küche verlagern würde, hätte München einen netten Italiener mehr. Derzeit ist es noch ein Lehrbuchfall für ein Lokal mit den falschen Prioritäten.

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