Restaurant Refettorio:Poppiges Bistro

Lesezeit: 3 min

Restaurant Refettorio: Das Restaurant Refettorio wirkt wie eines dieser poppigen Bistros, die sich ambitionierte Kunstmuseen so gern leisten.

Das Restaurant Refettorio wirkt wie eines dieser poppigen Bistros, die sich ambitionierte Kunstmuseen so gern leisten.

(Foto: Robert Haas)

Hightech-Fassade und römische Mosaiken: Das Refettorio am Marstallplatz gehört sicher zu den klotzigeren Neueröffnungen des Jahres. Wenn das Restaurant sein Faible für Kunst auch in die Küche verlagern würde, hätte München einen netten Italiener mehr.

Von Tankred Tunke

Die Konzeptgastronomie hat zuletzt an jeder Straßenecke an Boden gewonnen. Was nicht grundsätzlich schlecht sein muss, schließlich sind gute Planung und eine klare Positionierung für ein Restaurant überlebenswichtig. Trotzdem wird einem als Gast immer etwas mulmig, wenn der Anspruch eines Lokals (und damit am liebsten auch gleich das Urteil darüber) schon festzustehen hat, bevor man überhaupt in den ersten Brotkanten beißt.

"Mediterraner wird's nicht", jubiliert da der neue Grieche im Westend und rückt die Basilikumtöpfchen auf den Tischen, die hölzernen Pflanzkübel mit den Olivenbäumchen auf dem Bürgersteig zurecht. "So köstlich ist Kalifornien", schwärmte man jüngst bei Kuffler auf der Maximilianstraße und setzte die Fischdeko aus Keramik ins schönste Licht. Und ums Eck, am sonst leicht unterkühlten Marstallplatz? Soll alles auf einmal italienischer sein als in Italien selbst.

Dort ist im Mai - in die Räume des Eisbach - das Refettorio eingezogen, was man paradox finden kann, weil Hightech-Fassade und teure Adresse so gar nicht den mönchischen Speisesaal ankündigen, den der Name des Lokals beschreibt. Vor der Tür: Fledermaus-Schirme, dahinter: Plexiglaswände - alles wechselt im LED-Licht minütlich die Farbe. Keine Frage, das Refettorio, das ein gleichnamiges Stammhaus in Mailand und einen Ableger in Salzburg hat, gehört beim Interieur zu den klotzigeren Neueröffnungen des Jahres.

Restaurant Refettorio: Das Refettorio hat ein gleichnamiges Stammhaus in Mailand und einen Ableger in Salzburg.

Das Refettorio hat ein gleichnamiges Stammhaus in Mailand und einen Ableger in Salzburg.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Freundlicher Service

Schon von Weitem wirkt das Restaurant wie eines dieser poppigen Bistros, die sich ambitionierte Kunstmuseen so gern leisten. Ein Eindruck, der sich innen fortsetzt. Die hohen Wände der Galerie-Räume zieren römische Mosaiken an weinbestückten Regalen aus Edelholz und üppigen Brotauslagen.

Die bunten Stühle, der Metallbaldachin, die Fässer für den Weißen - gerade für eine Mailänder Schönheit ist das alles vielleicht eine Spur zu grell, aber irgendwas muss man heute wohl unternehmen, damit die Leute einem noch hinterherpfeifen. Selbst bei Armani greifen sie schließlich für die Oligarchengattin längst zur einen oder anderen Paillette.

Das kulinarische Konzept des Refettorio wirkt dagegen fast klösterlich geerdet: Pasta oder Risotto als Primo, Fleisch oder Fisch als Secondo, Nudeln und Brot selbstgemacht, schnörkellose Zubereitung, das Produkt im Mittelpunkt - so lautet das Credo der Küche, klassisch italienisch eben. Und der freundliche Service trägt dazu bei, dass man sich als Gast in den pompösen Räumen überraschend aufgehoben fühlt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB