Süddeutsche Zeitung

Restaurant Le Berlu:Der Franzose für alle

Bernard Le Port und Luis-Jose Delgado kochen im Le Berlu mediterrane Fusion-Gerichte. Das Niveau der Karte ist gehoben, doch die Preise bleiben vergleichsweise moderat.

Es gab mal eine Zeit, in der die meisten Deutschen mit der französischen Küche einen Koch aus einer Frischkäsewerbung assoziierten, der fröhlich vor sich brabbelnd Kräuter schnitt, um dann ein enthusiastisches "excellent" in die deutschen Wohnzimmer der Siebziger- und Achtzigerjahre zu rufen. Das war's dann auch schon.

Mehr wollte man sich gar nicht vorstellen: Beim Gedanken an Froschschenkel oder Schnecken drehte sich dem mit Schnitzel und Schweinshaxen sozialisierten Bundesbürger ganz schnell der Magen um. Echte französische Küche kannten vor allem diejenigen, die es statt an die Strände Mittelitaliens eben in die Provence, ins Loiretal oder in die Bretagne zog. Französische Restaurants waren hierzulande selten - und auch heute noch ist deren Zahl mit etwa drei Dutzend sogar in einer kulinarisch interessierten Stadt wie München im Vergleich zu den "Italienern" verschwindend gering.

Allein schon deshalb ist es erfreulich, wenn irgendwo ein neuer "Franzose" aufmacht. Zum Beispiel einer wie das Le Berlu an der Wittelsbacherstraße, gleich beim Baldeplatz. Vor ziemlich genau einem Jahr eröffneten Bernard Le Port und Luis-Jose Delgado ihr kleines, aber feines Lokal. Die beiden kennen sich schon seit 1989 aus dem Rue des Halles in Haidhausen, dem ältesten "Franzosen" der Stadt. Später kochte Delgado unter anderem im Kleinschmitz in der Fraunhoferstraße. Jetzt haben die routinierten Gastronomen ihren Plan von einem gemeinsamen kleinen Restaurant in der Isarvorstadt verwirklicht.

Das Le Berlu ist in den Räumen untergekommen, in denen früher die berühmte Eisdiele Ranftl war. Die beiden Gastronomen, die beide aus Paris stammen, hätten schon vor drei Jahren zugreifen können, als das Objekt leer stand. "Aber von außen sah es so klein aus", erzählt Bernard Le Port. Letztendlich erwiesen sich die Räume für die Pläne von Le Port und Delgado aber als perfekt.

Ins Innere passen 35 Gäste. Ebenso viele finden auf der Terrasse Platz. Innen- wie Außenbereich sind überschaubar und wirken heimelig. Die Räume stimmen dabei mit ihren goldfarbenen Wänden und den weißen Naturmotiven darauf auch bei schlechtem Wetter fröhlich. Alles wirkt luftig leicht und keinesfalls überkandidelt. Kein Wunder, dass viele Nachbarn regelmäßig zum Essen vorbeischauen. Vor allem am Wochenende ist eine Reservierung empfohlen.

Fragt man die beiden Wirte nach dem kulinarischen Rezept des Restaurants, so stapeln sie zunächst einmal tief. Französische Küche mit spanischem Einfluss halt, bekommt man erst zu hören. Aber der Blick auf die Speisekarte und die Zusammenstellung der einzelnen Gerichte offenbart schnell, dass es bei den meisten Speisen auch Anleihen aus anderen Ländern im Mittelmeerraum gibt.

Zwar ist der spanische Einfluss dominant - Delgado, aufgewachsen in Paris, ist der Sohn spanischer Eltern - und macht sich bei Gerichten wie Txogitxu-Rinderlende mit Gemüse-Pilz-Risotto und Rioja-Trüffel-Sauce, gefülltes Perlhuhn mit Sobrasada-de-Mallorca-Gemüse-Reis oder Blutwurst-Terrine mit Apfel-Wasabi-Gelee und Pimientos de Padrón-Coulis bemerkbar. Aber orientalische Gewürze geben dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz. "Mediterrane Küche ist mehr als Spanien und Frankreich", sagt Delgado. "Dazu gehören auch Marokko oder Libanon." Fein austariert sind auch die Desserts, sei es eine klassische Tarte au Citron, die mit Basilikumsorbet serviert wird oder gewagteres wie Quark-Mousse mit Schwarze-Oliven-Konfitüre und Vanille-Olivenöl.

Das ist Fusionsküche auf gehobenem Niveau, die dabei aber nicht nach den Sternen greifen will, sondern auch Menschen überzeugen soll, die nicht gleich ein keines Vermögen ausgeben wollen. Ein vergleichbare Liaison der spanischen und französischen Kulinarik findet sich in München bisher nicht. Auch der Name Berlu ist übrigens ein Fusionsprodukt aus den Anfangssilben der Vornamen der Wirte.

Die aktuelle Karte ist gerade erst frisch aufgelegt. Etwa alle sechs Wochen soll die Karte wechseln, haben sich die Wirte zumindest vorgenommen. Delgado achtet dabei darauf, mit saisonalen Produkten zu kochen. Ein Abend im Le Berlu ist dabei noch relativ erschwinglich. Billig wäre hier das falsche Wort, aber bei dem gebotenen Niveau und den fairen Preisen auf der Weinkarte kommt das Le Berlu im Vergleich zu anderen Restaurants mit ähnlichem Anspruch gut weg.

Froschschenkel und Schnecken gibt es übrigens nicht immer im Le Berlu. Dennoch stehen sie als französische Klassiker ab und an auf der Karte. "Die Münchner sind aufgeschlossen", weiß Le Port aus langjähriger Erfahrung. Er muss es wissen als einer derjenigen Pioniere, die den Münchnern Frankreichs Genüsse nahegebracht haben.

In der nächsten Folge am Mittwoch: das Restaurant Cantine Cantona

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SZ vom 25.04.2016/infu
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