Inszenario Fürs Spektakel ist gesorgt

Zwischen 48 Euro für drei Gänge und 56 Euro für vier Gänge kostet ein Menü im Inszenario.

(Foto: Stephan Rumpf)

Zirkusnummern aus der minus 196 Grad kalten Molekularküche und beste Zutaten in klassischer Zubereitung: Im "Inszenario" in Haidhausen ist der Name durchaus Programm - und das trotz der wenig einprägsamen Bühne.

Von Alois Gudmund

Es dampft und wabert, allerlei Wässerchen trüben sich, und oft geht etwas schief - der Experimente wegen ist die Chemiestunde für viele Schüler der Teil eines langen Unterrichtstages, den sie wach erleben. Mancher lernte hier gar fürs Leben: Ein gewisser Ferran Adrià brachte in den Neunzigerjahren Phiolen, Bunsenbrenner und flüssigen Stickstoff aus dem Labor in die Sterneküche und bastelte aus Ingredienzen, von denen die meisten bisher als solide Nährmittel galten (und manche ganz und gar nicht), vielerlei Schäumchen, Perlchen, Bläschen, bis dahin Unerhörtes und Ungesehenes.

Seine sogenannte Molekularküche war eine Sensation und Adrià bald der berühmteste Koch der Welt. Auch wenn er sein Restaurant El Bulli längst wieder zugemacht hat, bleibt außer seinen Rezepten aus dem Kleinen Chemiebaukasten die immer wieder zu erneuernde Erkenntnis, dass es bei großer Küche auf Geschmack, auf Kreativität ankommt - und vor allem auf die Inszenierung des Ganzen.

Das Inszenario liegt im Souterrain eines Siebzigerjahre-Baus. Umso überraschender ist das Ambiente mit dem Panoramafenster zum grünen Innenhof.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Inszenario erscheint, äußerlich gesehen, nicht wirklich als Ort, der dem Anspruch seines Namens gerecht wird. Es liegt etwas versteckt nahe dem Isarhochufer - und einem großen Autohaus - in einem Hotelblock von grandioser Siebzigerjahre-Hässlichkeit. Es geht zunächst hinab ins Souterrain, wo ein großes, gewächshausartiges Panoramafenster zum Hof überrascht. Der Blick geht, trotz der zehn Stockwerke Beton dahinter, auf erstaunlich viel Grün.

"Kommen Sie zu einem besonderen Anlass?", hatte die Stimme am Telefon bei der Reservierung dezent angedeutet, dass ein Besuch hier etwas Besonderes sein sollte. Und in der Tat: Trotz der wenig einprägsamen Bühne ist fürs Spektakel durchaus gesorgt. Fast forward also zum Nachtisch. Die Fruchtpralinen nämlich sind das Vorzeigegericht des Inszenario: Auftritt des Mannes aus der Küche mit einem Wagen voller Töpfe und Tiegel, aus dem größten steigen beeindruckende Kondenswolken auf.