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Restaurant Bodega Enlatado:So müssen Tapas schmecken

Die Bodega Enlatado besteht zwar nur aus ein paar Tischen. Obwohl man nicht reservieren kann, findet man hier in aller Regel schnell einen Platz.

(Foto: Robert Haas)

Die Bodega Enlatado in der Sommerstraße ist ein leuchtendes Beispiel für eine Tapas-Bar, weil sie Vielfalt mit Einfachheit vereint - Nachahmer sollten sich das zum Vorbild nehmen.

Die Tapas-Bar ist im Grunde eine großartige Erfindung. Ein seltener Glücksfall, der Vielfalt mit (oft vermeintlicher) Einfachheit vereint. Schade nur, dass das für Deutschland (München leider eingeschlossen) nicht zu gelten scheint. Hier ist die Tapas-Bar vor allem eins: ein großes Rätsel.

Die Vielfalt, die gibt es natürlich, wenn damit gemeint ist, dass im Drei-Monats-Rhythmus irgendwo ein neuer Laden eröffnet, um das Einerlei der Vorgänger zu kopieren: Flamenco-Szenen zu Retro-Kacheln in 24 Knallfarben, und die Küche bringt dampfende Tontöpfe mit Hackbällchen in Tomate, Patatas oder Shrimps in Knoblauchöl zu Tortilla und Weißbrot mit zahmer Aioli und Mandel-Oliven. Olé!

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All das ist gut essbar, klar. Ein Mysterium aber bleibt, wieso kaum eine spanisch angehauchte Bar hierzulande dazu in der Lage ist, auch nur einen Bruchteil der Vielfalt auf den Tisch zu bringen, die es auf der Iberischen Halbinsel gibt. Keine Sorge, niemand erwartet tonangebende Szene-Tempel wie in Barcelona. Keiner verlangt Bars wie in San Sebastian, wo sich die Theken unter Köstlichkeiten biegen. Doch aus einem Land, in dem Kochklubs sich Wettbewerbe um die besten Rezepte für kleine Leckerbissen liefern, soll man sich nicht ab und zu mal einen der schlichteren Happen abschauen können? Schwer zu glauben.

Der Vorteil an solch kreativer Ödnis ist die Leichtigkeit, mit der man sich vom Mainstream abhebt. Und in der kleinen Bodega Enlatado, die der Deutschspanier Daniel Gómez Mannfeld vor gut einem Jahr in der Sommerstraße in Untergiesing eröffnet hat, merkt man schnell, dass hier vieles richtig gemacht wurde. Die Basis dafür: Alles, von der Einrichtung über das Service-Prinzip bis zur Preisstruktur und den Rezepten, ist extrem einfach gehalten, aber trotzdem (oder oft gerade deshalb) gut.

Am besten lässt sich das donnerstags beobachten, am Pincho-Abend, wie die schickere Variante der in Spanien so beliebten Kleinigkeit heißt. "Pincho" ist der Spieß (Zahnstocher), der die Kunstwerke zusammenhält, oft kreativ belegte Brote, die auch in der Bodega Enlatado zur Selbstbedienung auf dem Tresen stehen. Bei der Abrechnung setzt man auf Ehrlichkeit. Der Gast sammelt die Spießchen und zahlt am Ende pro Happen ein, zwei oder drei Euro.

Die Bestellungen werden prompt erledigt

Drinks gibt es am Ausschank, eine Tafel listet neben spanischem Bier je etwa zehn Sorten Tintos und Blancos (4 bis 6 Euro, wir empfehlen den frischen und eleganten Sauvignon Blanc von José Pariente und den vanilligen Tempranillo von Elias Mora) sowie einige Rosados und Cava, dazu gibt es eine Auswahl spanischer Ginsorten. Man darf alles probieren. Obwohl der Laden rappelvoll ist und ihn nur zwei Mann (so freundlich wie souverän) schmeißen, erledigt sich jede Bestellung binnen Kürze.

Reservieren geht nicht, weshalb wir an beiden Abenden auf einen Platz warteten. Ist aber hier kein Problem. Obwohl es nur sechs kleine und zwei große Tische gibt, findet sich schnell irgendeine Ecke - dazustellen erwünscht - bald werden erste Hocker frei, neue wartende Gäste bedienen sich bereits bei den Pinchos. Und die sind in all ihrer Schlichtheit bemerkenswert.

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Schon die Tortilla ist gefüllt mit feinen Lagen aus Stockfisch (Bacalao) oder würzigem Chorizo, ein effektiver Kniff, um den Kartoffelfladen Leben einzuhauchen. Und auf den Broten türmt sich Interessantes: grüner Spargel zu Manchego-Käse und pikant austarierter katalanischer Romesco-Soße (aus Nüssen, Mandeln, Paprika, Tomate, Öl und Knoblauch). Oder Sardellen und Tomate auf Zwiebel-Guacamole.

Ein stimmiges Konzept, das schmeckt

Der aromatische Serrano-Schinken wird mit Artischocke und Balsamico oder mit Spargel und sanft karamelligem Zwiebelconfit kombiniert, was beides funktioniert. Es gibt knusprige Teigtaschen, gefüllt mit Gemüse oder Hack, Brottürmchen mit pikanter baskischer Wurst (Chistorra) oder frittierte Bällchen, aus denen eine wohlig-heiße Käse-Schinken-Füllung quillt.

Klar sind das keine bahnbrechenden Rezepte. Es gab auch Faderes wie die Paprika, deren Kartoffel-Thunfisch-Füllung mehr Würze vertragen hätte. Und das Olivenöl war in Ordnung, man könnte da aber bei Gelegenheit gern in eine höhere Liga wechseln. Doch all das fanden wir höchst nebensächlich, angesichts eines stimmigen Konzeptes, das uns hier jedes Mal sehr entspannt durch den Abend trug, bis hin zu den netten Desserts. Die Crema Catalana (6 €) hätte wohl eine dünnere Zuckerkruste vertragen, aber sie schmeckte, und die intensive Schokomousse (5 €) kam mit interessanter Ingwer-Limetten-Begleitung.

Die Tapas waren anderntags übrigens ebenfalls gut, ob würziger Jamon Iberico (12,50), die spannende Käseplatte (8,00, toller Räucherkäse!), der Tintenfischsalat mit Kichererbsen und Paprika (6 €) oder das gebackene Gemüse mit exzellentem Thunfisch (7 €). Letzterer kam - wie auch Zwiebelconfit oder Artischocken - aus der Dose, was in Spanien üblich ist, schließlich ist man zu Recht stolz hier auf eine der edelsten Konservenkulturen der Welt. Das ursprüngliche Konzept der Bodega ("Enlatado" bedeutet "in der Dose") sah viel mehr Dosenangebote vor. Doch das Speisenangebot wurde auf Initiative der Gäste stetig und liebevoll erweitert. Und das Leitungswasser ist hier - gästefreundlich - gratis.

Wer also eine Tapas-Bar kopieren will, der sollte sich mal die Bodega ansehen.