Die neue Spielzeit 2024/25 am Residenztheater:Ein neuer "Brandner Kaspar" mit Franz Xaver Kroetz

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Franz Xaver Kroetz wird im Sommer 2025 die Titelrolle im neuen "Brandner Kasper" am Residenztheater spielen. (Foto: Alessandra Schellnegger)

In der Saison 2024/25 bringt das Bayerische Staatsschauspiel 17 Premieren heraus. Unter anderem auch das bayerische Kultstück, Bühnenklassiker von Shakespeare und Beckett und sechs Uraufführungen.

Von Yvonne Poppek

Den Knaller zündet Staatsintendant Andreas Beck erst am Ende der Pressekonferenz zur neuen Spielzeit 2024/25. Ganz en passant, mit einem spitzbübischen Lächeln. Er weiß, dass das rumst: Im Sommer 2025 kommt - 50 Jahre nach der Uraufführung von Franz von Kobells Stoff am selben Ort - "Die G'schicht vom Brandner Kasper" (hier der Name Kasper tatsächlich mit "e") neu heraus. Die Titelrolle spielt kein anderer als Franz Xaver Kroetz, zu diesem Zeitpunkt wird der Dramatiker, Regisseur und Schauspieler, der gefeierte Erneuerer des Volkstheaters, 79 Jahre alt sein. Das ist tatsächlich ein Coup, wie auch immer man zu diesem Stoff stehen mag. Regie führt Philipp Stölzl, was ein interessanter Gegenpol werden dürfte, inszeniert er doch sensibel und emotional, also keinesfalls derb oder an der Grenze zum Sarkasmus.

Als 1975 der "Brandner Kaspar" am Residenztheater herauskam, fielen die Besprechungen eher negativ aus. Der SZ-Kritiker bat den damaligen Intendanten Kurt Meisel gar, lieber gleich den originalen Komödienstadl im Resi auftreten zu lassen und die elf Millionen Subventionen auf die kleinen Theater umzuverteilen. Gleichwohl: Die Produktionen wurde zum Dauerbrenner, mehr als 1000 Mal gespielt bis 2001. Die Inszenierung vom selben Stück am Volkstheater von Christian Stückl läuft nun auch seit knapp 20 Jahren, stets ausverkauft. Sie wird auch im Sommer im Passionstheater Oberammergau zu sehen sein, während anderes zwecks der geringen Nachfrage ausfällt. Man ahnt, dass sich hier am Resi ein weiterer Erfolg anbahnen könnte.

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Am Residenztheater kommt Schillers "Maria Stuart" heraus, am Volkstheater Kleists "Der zerbrochne Krug". Doch im Mai gibt es mehr als nur Premieren zu entdecken.

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Dabei hat die kommende Spielzeit durchaus andere Inszenierungen, die ein breites Publikum ansprechen werden. "Zusammenspiel" ist das Spielzeitmotto, auf der Bühne soll das "Wir" und das "Miteinander" untersucht werden. Dazu gehört am Staatsschauspiel auch, dass der Kanon - "was auch immer der sein mag", wie Andreas Beck anmerkt - auf seine Gegenwartstauglichkeit überprüft wird.

Und hier kommen dann Titel ins Spiel, die locken dürften: Shakespeares "Sommernachtstraum" in der Regie von Stephan Kimmig eröffnet die Saison am 27. September. Später folgt Henrik Ibsens "Die Wildente" (Regie: Johannes Holmen Dahl) und Oscar Wildes "Salome" (Regie: Ewelina Marciniak). Hausregisseurin Elsa-Sophie Jach inszeniert im Mai 2025 "Romeo und Julia", wobei ein spannendes Projekt dies flankiert: Der Produktionsprozess wird dokumentiert und dann als Ausstellung im Theatermuseum gezeigt. Zudem wird es noch Samuel Becketts "Warten auf Godot" geben, der in den Händen der vielfach ausgezeichneten Regisseurin Claudia Bauer liegt. Das Staatsschauspiel hat sie auch gleich als neue Hausregisseurin verpflichtet, sie ist dann die Fünfte im Bunde.

Staatsintendant Andreas Beck (2. v. li.) mit drei der fünf Hausregisseurinnen und -regisseure: Elsa-Sophie Jach, Claudia Bauer und Alexander Eisenach (v. li.). (Foto: Joel Heyd)

In der sechsten Spielzeit seiner Intendanz hat Andreas Beck 17 Premieren im Programm und verzichtet dabei keineswegs auf Zeitgenössisches und die feinen Perlen. Nele Stuhlers neues Stück über Widersprüche, dessen langer Titel mit "Und oder oder" beginnt, inszeniert FX Mayr, es ist eine von sechs Uraufführungen. Deutsche Erstaufführungen gibt es von Lot Vekemans "Blind" - darin zu sehen Manfred Zapatka und Juliane Köhler - und Marion Siéferts "Daddy". Und auch die Auseinandersetzung mit dem aufkeimenden Nationalsozialismus hat Platz mit Romanbearbeitungen von Marieluise Fleißer und Oskar Maria Graf. Insgesamt also: ein spannendes Paket für 2024/25 mit Knalleffekt.

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