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Reservierungen für die Wiesn:Nur für Stammgäste

Das Reservierungskontingent der "Fischer-Vroni" ist ausgeschöpft.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

"Wir sind komplett dicht": Auf der Wiesn gibt es in diesem Jahr 75.000 reservierte Plätze weniger in den Bierzelten. Festwirte berichten von "sehr aggressiven Reaktionen", weil viele Bewerber leer ausgehen. Doch nicht alle Zelte sind von der Neuregelung betroffen.

Ende August galt bei Münchner Wiesngängern lange als Geheimtipp: Wer eine Absage für einen Tisch im Bierzelt erhalten hatte, bekam um diese Zeit noch einmal eine zweite Chance, über die Warteliste zum Zug zu kommen. Doch damit ist es nun endgültig vorbei. Wegen der verschärften Reservierungsbedingungen sind nicht nur viele Stammgäste leer ausgegangen. Auch diejenigen Münchner, die hofften, als Nachrücker für nicht eingelöste Reservierungen noch an einen Tisch zu kommen, werden das Nachsehen haben. Neureservierungen sind nach Aussagen der Wirte nahezu unmöglich geworden.

Das Bild gleicht sich derzeit in allen Festbüros der großen Wiesnzelte: Auf den Schreibtischen stapeln sich die Reservierungswünsche noch immer ordnerweise. Der Andrang sei größer, die Wartelisten länger denn je, ist übereinstimmend von den Wirten zu hören. Der Grund dafür liegt in den verschärften Reservierungsbestimmungen, die der Stadtrat für das diesjährige Oktoberfest auf Drängen von Wiesn-Chef Dieter Reiter beschlossen hat.

Ziel dieser Neuregelung war es, den Münchnern wieder einen Spontanbesuch auf dem Oktoberfest zu ermöglichen. Deshalb stehen heuer insgesamt 75.000 Plätze weniger für Reservierungen zur Verfügung. Diese bislang reservierten Plätze mussten die Wirte nun irgendwie frei halten. Sie lösten diese Aufgabe nach folgendem Schema: Wer seit Jahren nur ein oder zwei Tische haben wollte, sollte diese möglichst auch wieder bekommen. Bei größeren Reservierungen hingegen, vor allem von vielen Münchner Firmen, wurde die Anzahl der gewünschten Tische entsprechend gekürzt - zum Ärger der Betroffenen: "Ist doch klar, dass beispielsweise eine Firma, die mit ihren 50 Mitarbeitern auf die Wiesn gehen wollte, wenig erfreut ist, wenn sie zu zehn ihrer Leute sagen muss: Ihr müsst heuer daheim bleiben", sagt der Sprecher der Festwirte, Toni Roiderer.

Von teilweise "sehr aggressiven Reaktionen" ist im Reservierungsbüro des Schottenhamel-Zeltes die Rede, das nun von Montag bis Freitag jeweils tausend Plätze weniger vergeben darf. Mit "Engelszungen" habe man den Gästen, die sich über die Kürzungen echauffierten, die Neuregelung erklärt. Das allerdings habe mindestens genauso viel Zeit gekostet wie zuvor die Entscheidung zu treffen, welchen Kunden derlei Kürzungen überhaupt zuzumuten sind. Über ähnliche Erfahrungen berichtet auch Ricky Steinberg, der Festwirt des Hofbräuzeltes: "Wer früher immer fünf Tische hatte, hat sie automatisch wieder bekommen, wenn er sie denn wollte. Diesmal mussten wir jede einzelne Anfrage in die Hand nehmen und prüfen."

Automatisch landeten wieder alle negativ beantworteten Anfragen auf den Wartelisten der Wirte - nachvollziehbarer Weise in höherer Zahl denn je. Gleichzeitig jedoch wurden heuer weniger Reservierungen denn je abgesagt oder verfielen, weil die Gäste die Gutscheine für Essen und Trinken nicht gekauft haben, ist von den Wirten zu erfahren. Eine Chance, sich als Nachrücker einen Tisch auf der Wiesn zu ergattern, besteht demnach nicht.

"Wir sind komplett dicht - und ich konnte heuer nahezu keine neuen Gäste berücksichtigen", sagt Steinberg, der in seinem Zelt 500 Plätze pro Werktag weniger reservieren darf. So erging es auch anderen Wirten wie Hans Stadtmüller von der "Fischer Vroni". Auch er sieht für neue Gäste in seinem Zelt weniger Chancen denn je. Einzig im Weinzelt und in der "Käfer-Schänke" besteht dieses Problem nicht. Diese zwei sind wegen ihrer vergleichsweise geringeren Größe von der Neuregelung ausgenommen. Doch auch dort soll dem Vernehmen nach der Andrang auf Tische spürbar gewachsen sein.

© SZ vom 22.08.2013
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