Reptilienschau in München Der Kuss des Piranhas

Man liebt sich, man kracht sich, wie in einer Ehe: "Crocodile Diana" plantscht mit Piranhas und kuschelt mit Krokodilen. Ihre Reptilienschau in München ist nichts für Zaghafte.

Von Wolfgang Görl

Im nächsten Jahr möchte Diana Antoine mit einem Dutzend Klapperschlangen in die Badewanne steigen, an diesem Sommernachmittag aber nimmt sie ihr Bad mit weniger giftigen Gesellen. In dem 18.000-Liter-Bassin, das in einem Zirkuszelt nahe den Riemer Messebauten steht, schwimmen 18 Piranhas - fette Burschen, die ein Laie für Karpfen halten könnte.

Wann beißen sie endlich an? Diana Antoine bei der Mund-zu-Mund-Fütterung ihrer Piranhas. Auch mit dem Tigerpython Shikari pflegt die Frau, die derzeit in Riem gastiert, freundschaftlichen Umgang.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Behutsam taucht die Frau ins Becken, die drahtigen Beine bewegen sich im Storchenschritt zwischen den gefräßigen Fischen. Gruselige Gedanken schießen einem durch den Kopf, Erinnerungen an Filme, in denen Menschen in den Amazonas fielen und als Skelett wieder auftauchten. Aber hier geschieht erstmal gar nichts. Ein friedliches Bild: Bikini-Frau inmitten eines Schwarms träger Fische.

Dann steckt sie einen Zahnstocher zwischen die Lippen, auf den ein Stück Fleisch gespießt ist. Spätestens jetzt, so erwartet man, würden die Bestien wie ein Überfallkommando über die Beute herfallen. Aber von wegen. Die Piranhas strafen das Angebot mit Verachtung. Endlich wagt sich einer heran. Knabbert am Fleisch, versucht es loszureißen. Für einen Moment sieht es so aus, als gäbe er Diana einen Kuss. Dann hat er, was er wollte, und macht sich davon.

Diana Antoine ist die Frontfrau der Reptilienschau, die den Münchnern 17 Tage lang das bietet, was sie sonst nur aus dem RTL-Dschungelcamp kennen. Schlangen, Krokodile, Skorpione, Warane, Vogelspinnen zählen zu ihren Weggefährten, manche schon seit Jahrzehnten. Ob das nicht gefährlich ist? Gefährlich schon, und zweimal bescherten ihr Krokodilbisse einen längeren Aufenthalt im Krankenhaus. Selber schuld, sagt sie, denn eigentlich könne man den Tieren ansehen, wie sie gelaunt sind. "Man muss eine enge Beziehung zu ihnen haben. Man liebt sich, man kracht sich, wie in einer Ehe." Ein Ehekrach mit einem Krokodil - für Diana nichts Außergewöhnliches.

Wie aus Diana "Crocodile Diana" wurde

Diana Antoine ist mit Tieren aufgewachsen. Der Vater war Tierpfleger, die Mutter Kunstreiterin. Das Paar hatte sich in Australien kennengelernt, die Tochter Diana kam dort auf die Welt. Später sind die Eltern mit einer Bärenschau herumgetingelt, die Tochter aber kaprizierte sich auf Tiger. Das war selbst dem Vater zu viel, woraufhin sich die junge Dame mit Krokodilen begnügte. Aus Diana wurde "Crocodile Diana". "Die Tiere habe ich von Privatleuten, denen die Reptilien über den Kopf gewachsen sind, oder aus Zuchtfarmen." Keines der 120 oft unheimlichen Geschöpfe stamme aus der Wildnis.

Überflüssig zu sagen, dass es sich Crocodile Diana auch gern nach Fakir-Art auf Nagelbrettern bequem macht oder dass sie auf ihrem Körper Steinplatten mit dem Hammer zertrümmern lässt. Wen es nicht allzu sehr graust, kann sich mit den Essgewohnheiten ihrer Tiere vertraut machen, und zwar nicht nur theoretisch. Einmal pro Woche erhalten die Reptilien vor den Augen des Publikums Lebendfutter - ein Schauspiel, von dem Kinder ausgeschlossen sind.

Reptilienschau am Messegelände, 1. bis 17.August (außer montags), am Freitag und Samstag von 12 bis 21 Uhr, an den übrigen Tagen von 12 bis 19 Uhr.

Diana und die Krokodile

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