Manfred Schauer, der "Schichtl" von der Wiesn

"Wir waren mit einer großen Clique am Gardasee, 1975 oder 76, wir waren gut im Feiern, haben den Urlaub ausgelebt, kann man sagen. An einem Tag, morgens schon bestens gelaunt noch vom Vorabend, fuhren wir nach Brenzone, um Freunde in einem Hotel abzuholen. Vor dem Haus stand ein Uniformierter mit Maschinenpistole, und da hab ich zu meinen Freunden gesagt: Hier sind die Briefträger aber schwer bewaffnet. Der Polizist hat das nicht verstanden, der sprach nur italienisch, aber ein Briefträger stand auch in der Nähe und hat es ihm übersetzt. Daraufhin hob der Mann seine Maschinenpistole, lud sie durch und stellte mich an eine Hauswand. Er schrie wild auf mich ein, aber ich verstand ja nichts. Ich hatte echt Schiss wegen der entsicherten Waffe, denn wenn den eine Mücke sticht, dann komm ich waagrecht heim. Dann kroch auch noch auf allen Vieren einer meiner Freunde zu mir, heute ein angesehener Münchner Anwalt, und gab mir einen Whiskey mit der Bemerkung, das könnte ja mein letzter sein. Das machte den Polizist noch wütender, und im Streifenwagen ging es für mich nach Malcesine - verfolgt von meinen angeheiterten Freunden im Cabrio. Am Ende musste ich 10 000 Lire zahlen wegen Beleidigung, mein Freund aber 30 000, weil er auf der rasanten Fahrt zur Polizeistation den Mittelstreifen überfahren hatte."

1. August 2015, 11:292015-08-01 11:29:07 © SZ.de