Reiseführer für Münchner:Unbekannte Orte in der Maxvorstadt

In der Pinakothek der Moderne oder am Königsplatz war jeder Münchner schon einmal. Ein Reiseführer für Münchner zeigt unbekannte Orte in der Maxvorstadt, die nicht einmal alle Viertelbewohner kennen. Das älteste Kino der Welt, Jugendstil-Paläste oder das Haus der 1800 Statuen.

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Palais Bissing Georgenstraße Maxvorstadt

Quelle: Lisa Sonnabend

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In der Pinakothek der Moderne oder am Königsplatz war jeder Münchner schon einmal. Das Buch "Maxvorstadt - Reiseführer für Münchner" aus dem Hirschkäfer Verlag zeigt unbekannte Orte in der Maxvorstadt, die nicht einmal alle Viertelbewohner kennen. Vom ältesten Kino der Welt, Jugendstil-Palästen oder dem Haus der 1800 Statuen.

Jugendstil-Palast

In München sind zahlreiche Gebäude im Jugendstil erhalten. Ein besonders prachtvolles steht in der Georgenstraße 10. Das Bissing-Palais wurde 1903 von dem Schweizer Architekten Ernst Robert Fiechter für den Ägyptologen Wilhelm von Bissing errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde es teilweise zerstört, 1979 jedoch nach historischem Vorbild renoviert.

Amalienstraße in München

Quelle: SZ (Archiv)

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Der erste Wienerwald

Aus einem Lokal in der Maxvorstadt wurde eine internationale Schnellrestaurant-Kette: 1955 eröffnete Friedrich Jahn das Lokal "Linzer Stüberl" in der Amalienstraße 23. Der Renner: Hühnersuppe mit Nudeln. Später begann Jahn, die Hendl auch zu braten. Er nannte sein Lokal in "Weinstube zum Wienerwald" um. Der Wienerwald war geboren. Der Wirt machte das Franchising-Konzept in Deutschland populär, 1980 verfügte der Konzern über mehr als 1500 Restaurants weltweit. Heute gibt es Wienerwald noch immer, allerdings mit deutlich weniger Lokalen als einst. In der Amalienstraße 23 ist mittlerweile ein italienisches Restaurant untergebracht.

Frederic Chopin Denkmal in München, 2010

Quelle: Catherina Hess

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Garten der Dichter

Zwischen Von-der-Tann-Straße und Hofgarten liegt ein idyllischer Park, den jedoch nur wenige Münchner kennen: der Finanzgarten, auch Dichtergarten genannt. Hier wird Dichtern und Literaten, die mit der Stadt München verbunden sind, gedacht. Aber auch anderen Künstlern. Eine Statue von Frédéric Chopin beispielsweise erinnert an einen Kurzbesuch des Komponisten 1831 in München. Der Finanzgarten ist zwei Hektar groß, hügelig und angenehm schattig.

Detail einer griechischen Statue im Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke, 2004

Quelle: Catherina Hess

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Haus der 1800 Statuen

1976 zog das Museum für Abgüsse klassischer Bildwerke in die Katharina-von Bora-Straße 10 ein, das ehemalige NSDAP-Verwaltungsgebäude. Nach Umbaumaßnahmen sind nun seit gut zehn Jahren die 1800 Gipsabgüsse von griechischen und römischen Statuen der Öffentlichkeit zugänglich, das Haus ist das viertgrößte Abgussmuseum in Deutschland.

Kíno" Neues Gabriel" in München, 2007

Quelle: Robert Haas

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Das älteste Kino der Welt

In der Maxvorstadt steht das älteste dauerhaft bespielte Kino der Welt: das Neue Gabriel in der Dachauer Straße 16. Carl Gabriel zog bereits seit 1896 mit einem Vorführapparat über Jahrmärkte und hatte einen Stand auf dem Oktoberfest. 1906 eröffnete er dann in der Dachauer Straße sein "Theater der lebenden Bilder", das bis heute Filme zeigt und mittlerweile einen Eintrag im Guiness Buch der Rekorde hat.

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Quelle: Robert Haas

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Weg eines Widerstandskämpfers

Walter Klingenbeck kämpfte von der Wohnung seiner Eltern in der Amalienstraße 44 aus gegen die Nazis. Der Schalttechnik-Lehrling traf sich anfangs mit Verbündeten, um unerlaubt ausländische Radiosender abzuhören. Später konstruierte er einen Geheimsender, mit dem er und seine Gruppe anti-nationalistische Beiträge weiterverbreiteten wollten. Ein Senderstandort war die Wohnung von Klingenbecks Eltern, wo es zu ersten Probesendungen kam.

Doch 1941 malte Klingenbeck eines Nachts Victory-Zeichen an Gebäude in Bogenhausen. Unvorsichtig erzählte er von dieser Aktion - und wurde prompt denunziert. Am 5. August 1943 wurde Klingenbeck im Alter von nur 19 Jahren hingerichtet. "Nimm die ganze Sache nicht tragisch", schrieb Klingenbeck am Tag seines Todes einem Freund. "Ich weiß, wofür ich sterbe." Seit 1998 ist ein kleiner Weg zwischen Ludwig- und Kaulbachstraße nach Walter Klingenbeck benannt.

Fassbinder und das Theater - Ausstellung in München

Quelle: dpa

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Fassbinders Antitheater

In der Amalienstraße 87 wurde früher Theatergeschichte geschrieben. Rainer-Werner Fassbinder richtete 1968 im Hinterhof des Gebäudes sein Antitheater ein. Mit seinen Mitstreitern führte Fassbinder fortschrittliche, provokante Theaterstücke auf und löste damit den einen oder anderen Skandal aus. Später ging das Antitheater pleite und Fassbinder wandte sich verstärkt dem Film zu. Das ursprüngliche Gebäude ist leider abgerissen, an dessen Stelle wurde die Amalienpassage errichtet.

"Lange Nacht der Museen", 2006

Quelle: Robert Haas

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Reich der Kristalle

Die Maxvorstadt beherbergt zahlreiche bekannte Museen: die Pinakotheken, die Sammlung Brandhorst, die Antikensammlung, die Glyptothek - aber auch das weniger bekannte Museum Reich der Kristalle in der Theresienstraße 41. Hier sind Diamanten, Rubine, Tumaline, Smaragde, Bergkristalle oder bayerische Mineralien zu sehen. Das Museum geht auf eine Sammlung von Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais zurück, der mit Auguste von Bayern verheiratet war und in München lebte.

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Quelle: Robert Haas

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Sakrale Kunst

Nur wenige Münchner wissen: Das Herzogliche Georgianum am Professor-Huber-Platz 1 ist nach dem römischen Almo Collegio Capranica das zweitälteste katholische Priesterseminar der Welt - und beherbergt einen bedeutenden Kunstschatz. Das Gebäude wurde 1841, erbaut nach den Plänen Friedrich von Gärtners, eingeweiht. Im Hochparterre an der Ludwigstraße befindet sich seit 1986 eine Sammlung sakraler Kunst aus der Zeit vom 11. bis 19. Jahrhundert.

Kloster St. Bonifaz

Quelle: Stephan Rumpf

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Hilfe für Obdachlose

St. Bonifaz an der Karlstraße ist ein Benediktinerkloster, das mitten in der Stadt liegt. Es wurde 1835 von König Ludwig I. gegründet. Die Basilika ist imposant: fünfschiffig, 76 Meter lang und 36 Meter breit. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kloster zerstört und nicht wieder vollständig aufgebaut. Frater Emmanuel Rotter begann im Jahr 1990, Essen an Obdachlose zu verteilen. Im Laufe der Zeit wurden für die Bedürftigen ein Speisesaal gebaut, eine medizinische Versorgestation und Notschlafstätten. St. Bonifaz ist der vielleicht sozialste Ort der Maxvorstadt.

Weitere Sehenswürdigkeiten aus dem Viertel in: Martin Arz, Maxvorstadt - Reiseführer für Münchner, Hirschkäfer Verlag, September 2012, 16,90 Euro.

© Süddeutsche.de/sonn/tob
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