Reise für den guten Zweck:Strampeln gegen den Hass

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Reise für den guten Zweck: Von München nach Granada: Khaled Al Hussein, Carolyn Flores, Jochen Flinner, Majed Al Rehani, Björn Potulski und Essam Ghanem (von links).

Von München nach Granada: Khaled Al Hussein, Carolyn Flores, Jochen Flinner, Majed Al Rehani, Björn Potulski und Essam Ghanem (von links).

(Foto: Bernd Ducke)

Björn Potulski startet mit Flüchtlingen zu einer Fahrradtour nach Granada

Von Marco Völklein

Irgendwann Anfang Februar reichte es Björn Potulski mit "all dem Hass", wie er sagt, der im Internet "organisiert und gelenkt" werde, wenn es um die Themen Flüchtlinge und Asyl gehe. "Schrecklich fand ich das", sagt der 39-Jährige, der seit 15 Jahren in der politischen Abteilung des Flughafens arbeitet. Dort ist er zuständig für den Kontakt zu den Politikern im Bundestag in Berlin. In seiner Freizeit fährt Potulski Rennrad. Ausdauernd und begeistert. "Das ganze Jahr über", wie er betont. Auch bei schlechtem Wetter. Bei Hagel, Regen und Schnee. Man sieht es ihm an. Der schlanke Körperbau, das schmale Gesicht. Vor einigen Jahren schon fuhr er mit dem Rennrad von München nach Malaga in Spanien. Seine Frau stammt aus der Gegend.

Also hatte Potulski eine Idee: Wie wäre es, erneut eine Fahrt zu starten? 2300 Kilometer in elf Tagen. Über die Pässe der Zentral- und der Westalpen sowie die der Pyrenäen, insgesamt 20 000 Höhenmeter. Und mit dieser Fahrt Geld zu sammeln für ein Flüchtlingsprojekt in Syrien. Er wollte ein Zeichen setzen: gegen den Hass, für ein Miteinander. "Ich hatte das Bedürfnis, irgendetwas zu machen", sagt Potulski. Schnell fanden sich ein Kollege und eine weitere Mitarbeiterin der Flughafenbetreibergesellschaft, die sich für eine solche Fahrt begeistern konnten. Das Ziel war auch rasch ausgemacht: Die Stadt Granada in Spanien sei ein "Symbol für Toleranz und die jahrhundertelange Tradition der Zusammenarbeit von Christen, Juden und Muslimen", sagt Potulski. Er selbst hat seine Frau in einer Kirche geheiratet, die einst mal eine Moschee war; das Minarett steht noch. "Dieses einträchtige Nebeneinander ist dort ganz normal", sagt Potulski.

Das Problem war nur: Radfahren für einen guten Zweck - das machen auch andere. Mittlerweile ziehen fast wöchentlich Radler auf der ganzen Welt los, um mit ihren Touren Geld für Wohltaten zu erstrampeln. Potulski und seine Mitstreiter machten sich daher auf die Suche nach Flüchtlingen, die sie begleiten wollten. Und fanden schließlich drei junge Männer, die sich die 2300-Kilometer-Tour durch insgesamt sechs Länder antun wollen.

Das war Ende Februar. Seither wurde trainiert. Unter der Woche übte jeder für sich, Potulski besorgte Mitgliedsausweise für das Fitnessstudio und drei hochwertige Rennräder für die Flüchtlinge. Unterstützt wurde er dabei von seinem Arbeitgeber, dem Münchner Flughafen, wie auch weiteren Sponsoren. Am Wochenende traf sich die Sechsertruppe zu Ausfahrten ins bayerische Oberland. Das Problem dabei: Einer der drei Mitfahrer war bis vor kurzem noch nicht als Asylbewerber anerkannt. Deshalb durfte er den Stadt- und Landkreis München nicht verlassen. "An der Steigung oberhalb von Kloster Schäftlarn war für ihn Schluss", erzählt Potulski. Um aber für die Überquerung der Alpen zu trainieren, sind eigentlich zahlreiche Höhenmeter in den bayerischen Alpen unerlässlich. Erst kurz vor knapp erteilten die Behörden dann den Anerkennungsbescheid - und machten damit den Weg frei.

An diesem Montag nun ging es für die Truppe los. Um acht Uhr starteten die sechs Rennradler, ein Fahrer im Begleitauto sowie zwei Filmstudenten, die einen Dokumentarfilm über die Rennrad-Fahrt drehen, am Marienplatz. Zudem berichten Potulski und seine Mitstreiter auf der Spendenplattform betterplace.org sowie auf Facebook über ihre Tour. Mit der Fahrt wollen sie auch zeigen, "was für eine große Errungenschaft wir heute mit unserer europäischen Reisefreiheit haben", wie Potulski sagt. "Und dass es diese auf jeden Fall zu erhalten gilt."

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