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Reise:Ärger um 27 000 Euro-Kreuzfahrt: Seniorinnen wollen Geld zurück

Titel: Verrückt nach Meer; Untertitel: Making of, 5. Staffel;

Plötzlich wurde an Bord für eine Doku-Soap gedreht.

(Foto: BR/Bewegte Zeiten Gmbh/Marvin Schneider)

Die beiden 83-Jährigen mussten vor Reiseantritt feststellen, dass an Bord des Schiffes plötzlich für eine Doku-Soap gefilmt wird - und vor die Kamera wollten die Frauen auf keinen Fall. Der Veranstalter will trotzdem Geld.

Es gibt Zwetschgendatschi und Kaffee und danach eine Portion Kampfbereitschaft: "Erst haben die mich geärgert, jetzt ärgere ich sie", sagt Anna Ziegler, und Ingrid Ritter sagt: "Ich bin unversöhnlich." Die beiden Damen sind älter als 80 Jahre, 83, um genau zu sein. Den Ernst der Lage illustriert der Umstand, dass sie sich für das Interview Pseudonyme ausgedacht haben, also tatsächlich nicht Ziegler und Ritter heißen. Auch fotografiert werden wollen sie nicht. Warum - das macht die Geschichte klar, die sie zu erzählen haben.

Anna Ziegler und Ingrid Ritter, wie sie jetzt heißen wollen, kennen sich etwa seit drei Jahren. Damals waren ungefähr zur gleichen Zeit ihre Ehemänner gestorben, was beide in eine lange Phase der Trauer stürzte. Geholfen hat ihnen: Reisen, raus aus dem Alltag, fremde Länder anschauen, etwas anderes in den Kopf bekommen. Im Frühsommer 2016 erzählte Anna ihrer Freundin, dass es eine Kreuzfahrt gebe, "Indian Summer", da wolle sie mitfahren.

Kurios "Das Meer ist zu laut" Bilder
Beschwerden von Kreuzfahrt-Passagieren

"Das Meer ist zu laut"

Das Schiff sieht nicht aus wie die "Titanic", es sind keine Promis an Bord und dann wird man auch noch seekrank: Diese Passagiere waren mit den Zuständen auf ihren Kreuzfahrt-Schiffen nicht ganz einverstanden. Die skurrilsten Klagen.

"Die filmen mich dann beim Essen mit vollem Mund."

Ingrid fand das interessant, rief beim Veranstalter an, der Phoenix Reisen GmbH in Bonn, erfuhr, dass das von ihr gewünschte Arrangement ausgebucht sei, und ließ sich auf die Warteliste setzen. Dann aber las sie, dass auf dem Schiff, der "Amadea", neue Folgen des ZDF-Klassikers "Traumschiff" gedreht werden sollten. Mehr noch als die Aussicht, ihren Urlaub mit Sascha Hehn oder dem Gaststar Florian Silbereisen verbringen zu müssen, schreckte sie die Vorstellung, von Kameras umgeben zu sein: "Die filmen mich dann beim Essen mit vollem Mund." Sie ließ ihren Namen von der Warteliste streichen. Anna Ziegler schipperte allein in den Indian Summer.

Zuvor aber hatten die beiden Freundinnen ein anderes Angebot gefunden, ebenfalls bei Phoenix: "In 112 Tagen rund um die Welt", drei Monate von Weihnachten 2016 an auf der MS Albatros. Das sollte es sein, beide buchten zu einem Preis von etwa 27 000 Euro. Anna Ziegler absolvierte allein die andere Reise - und bereute es schnell: Als nämlich die 60-köpfige Traumschiff-Crew an Bord kam, war es vorbei mit der Erholung. Katharina Happ, ihre Anwältin, schreibt in einem Schriftsatz, Ruhe habe ihre Mandantin "nur in der Kabine und den Schiffstoiletten" gefunden.

Währenddessen erhielt Ingrid Ritter zuhause eine "Reise-Information" über ihre Weltreise von Phoenix. Neben Auskünften zu Visa und Impfungen fand sich unter der Überschrift "Allgemeiner Hinweis" ein einziger lapidarer Satz, der aber genügte, um die alte Dame in eine Mischung aus Wut und Verzweiflung zu stürzen: 20 Tage lang, so stand da, würden auf der Albatros "Szenen für eine neue Staffel der ARD-Erfolgsreihe ,Verrückt nach Meer' gedreht". Für Ingrid Ritter war der Fall klar: Am 31. Oktober kündigte sie den Vertrag, Anna Ziegler, die sie informiert hatte, tat das gleiche zwei Tage später.

Von den Dreharbeiten sollen die Passagiere während der Weltreise nichts mitbekommen.

(Foto: Pjotr Mahhonin/Wikipedia)