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Regisseur im Interview:"Durch München habe ich Selbstvertrauen und Freiheit gewonnen"

Sönke Wortmann

Sönke Wortmann, der als Teenager eine Fußballkarriere begonnen und es bis in die Zweite Liga geschafft hatte, ging 1981 nach München - ohne Perspektive.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sönke Wortmann begann als Fahrer für Helmut Dietl - und schuf später Hits wie "Der bewegte Mann". 13 Jahre lebte der Regisseur in München - auch heute noch prägt diese Erfahrung seine Filme.

Von Bernhard Blöchl

Sönke Wortmann, 57, hat München und der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) viel zu verdanken. "Die Filmhochschule hat mich verändert", blickt der erfolgreiche Regisseur und Produzent ("Das Wunder von Bern") aus Düsseldorf auf seine frühere Heimat zurück, wo er 13 Jahre verbracht hat und Hits wie "Der bewegte Mann" schuf. "Dass die mich genommen haben als einen von vielen Bewerbern, das hat mir enorm viel Selbstvertrauen gegeben. Da wusste ich zum ersten Mal, wo ich hin will. Und das macht einen frei. Durch München habe ich also Selbstvertrauen und Freiheit gewonnen."

Wortmanns neuer Film "Sommerfest", der seit Kurzem in den Kinos läuft, umspielt seine persönlichen Lebensthemen neue und alte Heimat. In der Komödie, basierend auf dem Roman von Frank Goosen, zieht es den Protagonisten Stefan (Lucas Gregorowicz) aus Bayern zurück in den Pott. Von dort, aus Marl, stammt auch Wortmann, die Pole München und Ruhrgebiet bieten ihm seit jeher ein autobiografisches Spannungsfeld. Dieses hatte er bereits im Kinofilm "Kleine Haie" (1992) und seinem Abschlussfilm "Drei D" (1988) erforscht.

Wortmann, der als Teenager eine Fußballkarriere begonnen und es bis in die Zweite Liga geschafft hatte, ging 1981 nach München - ohne Perspektive. "Mir hat es gleich so gut gefallen, dass ich gesagt habe: Hier bleibe ich! Ein halbes Jahr später bin ich umgezogen - obwohl ich keinen Menschen kannte, das war wirklich sehr besonders." Zunächst fuhr er Taxi und interessierte sich für die Kleinkunstszene. Zum Film kam er durch einen Zufall.

"Während einer Pause im Café D'accord in der Kurfürstenstraße stand ich mit einem Produktionsleiter zusammen und kam mit ihm ins Gespräch.Er hat gesagt: Wenn du gerne Auto fährst, dann komm doch zu uns als Produktionsfahrer. Also fuhr ich dann für Helmut Dietl. ,Monaco Franze' war mein erster Job beim Film. Mir hat dann gleich die Branche gut gefallen, und erst dann habe ich die Filmhochschule entdeckt. Ich habe mich beworben und bin 1984 genommen worden. Ich war also schon drei Jahre in München, bevor ich Film studiert habe."

Über die HFF, die in den kommenden Wochen 50-jähriges Bestehen feiert, schwärmt Wortmann ebenso wie über die Stadt an der Isar. "Das fand ich immer toll an München, dass sich eine Stadt so was leistet. Mitten in der Stadt die Otto-Falckenberg-Schule, und jetzt die HFF so zentral. Dass so ein Filetgrundstück eben nicht ein Unternehmen bekommt, sondern eine Hochschule. Das ist schon sehr besonders an München."

Im großen SZ-Interview blickt Sönke Wortmann auch auf die Filmwirtschaft der Achtziger- und Neunzigerjahre zurück: "Sagen wir so: Aufbruchstimmung war schon da. Das war ja das Jahrzehnt von Helmut Kohl, München war aber fast immer SPD-regiert. Man hatte schon das Gefühl, man ist da irgendwie auf der richtigen Seite. München war ja auch mit Bayern nicht zu vergleichen. Auch im Studium herrschte immer eine gute, kreative Stimmung. Von auswärts wurde man immer ein bisschen belächelt. Wie kann man da nur wohnen? Aus dem Ruhrgebiet, von den Berlinern sowieso. Die fanden München immer provinziell. Dabei fand ich nichts provinzieller damals als West-Berlin."

© SZ.de/bica/amm
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