München heute Rechtsradikale Tabubrüche / Umstrittener Tänzer an Münchner Oper

Tausende Münchner protestieren, wie hier 2018, gegen rechte Aufmärsche. Oft unbemerkt bleiben Antisemitismus im Alltag und bewusste Tabubrüche.

(Foto: Johannes Simon)

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Von Martin Bernstein

Eine scheinbar harmlose Handbewegung, die aussieht wie ein Hitlergruß. Ein antisemitischer Facebook-Post, der schnell wieder verschwindet. Eine absichtsvoll dumme Frage nach dem Holocaust. Und dann der Satz: "...das wird man doch noch sagen dürfen." Neonazis, Rechtsradikale und Populisten versuchen so, die Grenzen des Sagbaren auszuloten und zu verschieben. Im Alltag fallen solche Tabubrüche oft zu wenig auf. Doch hinter der Masse der Vorfälle steckt eine Strategie rechter Grenzgänger.

Nicht nur die Strafverfolger tun sich oft schwer mit solchen Provokationen. Wie umgehen mit antisemitischer Hetze, die das Wort "Jude" bewusst ausspart? Aktuelle Studien legen nahe, dass nur eine von fünf antisemitischen Attacken angezeigt wird. Weil die Opfer oft nicht glauben, dass die Tat geahndet werden kann. In München wurden, soweit bisher bekannt, im vergangenen Jahr rund 60 judenfeindliche Vorfälle angezeigt. Die Dunkelziffer ist wohl viel höher.

Wenn antisemitische Hetzer und Verschwörungstheoretiker mit Codes arbeiten und sich anschließend selbst zu Opfern stilisieren, denen angeblich das Recht auf freie Meinungsäußerung verwehrt wird, dann ist Gefahr im Verzug. Doch der Widerstand aus der Gesellschaft heraus wächst. Staatsanwälte versprechen, beherzt gegen Judenhass einzuschreiten. Polizisten und städtische Mitarbeiter lernen, wie sie versteckten Antisemitismus erkennen. Und von März an gibt es eine bayernweite Meldestelle. Aufpassen aber, dass Unsägliches nicht wieder sagbar gemacht wird, müssen wir alle.

Das Wetter: Anfangs ist es stark bewölkt, später kommt die Sonne zum Vorschein. Temperaturen um null Grad.

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