Tanz-Höhepunkte im OktoberWas bietet Bayerns einziges Festival für Vintage-Theater?

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Afrikanische Regenmacher-Rituale und die Klimakrise: Die Company Christoph Winkler präsentierte in der Nürnberger Tafelhalle „Songs & Dances about the Weather“.
Afrikanische Regenmacher-Rituale und die Klimakrise: Die Company Christoph Winkler präsentierte in der Nürnberger Tafelhalle „Songs & Dances about the Weather“.
Dieter Hartwig

Das „Re:festival“ in der Nürnberger Tafelhalle zeigt ältere Tanz-Produktionen mit hochaktuellen Bezügen, am Gärtnerplatztheater werden die Geister von Gershwin und Strawinsky beschworen.

Von Jutta Czeguhn

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Wiederaufnahmen, an den großen Repertoire-Theatern sind sie schlicht die Säulen des Betriebs, manchen Stücken halten die Häuser mitunter jahrzehntelang die Treue: An der Bayerischen Staatsoper etwa ist Otto Schenks „La Boheme“-Inszenierung seit 1969 immer wieder zu erleben, am Gärtnerplatztheater läuft Peter Kertz’ „Hänsel und Gretel“ seit 1974. Ein echter Wiedergänger ist auch der ‚Brandner Kaspar‘ am Volkstheater. Und die großen Ballette von John Cranko oder John Neumeier tanzen ohnehin beharrlich durch die Spielpläne.

In der Freien Szene haben es Produktionen deutlich schwerer, was die Langlebigkeit betrifft, eine Dernière nach ein paar Durchläufen, und die Stücke verabschieden sich schnell wieder. Angesichts der Mühen aller Beteiligter ein vollkommener Irrsinn, aber auch einer gewissen Überproduktion geschuldet. Da stellt sich für Akteure, Veranstalter und Publikum die Frage nachhaltigen Wirkens.

Weshalb die Nürnberger Tafelhalle gar nicht genug zu preisen ist, wenn sie nun erneut das einzige Vintage-Theater-Festival in Bayern auf ihre Bühne bringt:  „Re:festival“ nennt sich das Ganze und findet vom 1. bis  5. Oktober (www.kunstkulturquartier.de). Tanz- beziehungsweise Theaterproduktionen verschiedener Formate wurden wieder eingeladen. Allesamt ältere Jahrgänge, aber mit hochaktuellen Bezügen zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Mission der Festivalmacherinnen ist es, „bereits abgespielte Produktionen wiederzubeleben und ihre Bedeutung für die Gegenwart zu erneuern“.

Auf den Open Call der Nürnberger zum Thema „Over the Rainbow“ gab es rund 140 Einreichungen, fünf Vintage-Produktionen aus Nürnberg, Bayern, Deutschland und ganz Europa wurden ausgewählt und sind nun in der Tafelhalle zu sehen. Mit dabei ist in diesem Jahr beispielsweise die Münchner Choreografin Zufit Simon mit „Radical Cheerleading“ (5.10.), das 2022 im LOT-Theater Braunschweig seine Uraufführung hatte und 2023 für den Deutschen Theaterpreis Faust nominiert war. Ein Erfolgsstück also, das sich auf den Bühnen durchgesetzt hat. Ebenso wie Zufit Simon selbst, die am Mittwoch, 8. Oktober, im Schwere Reiter mit dem Tanzpreis der Stadt München ausgezeichnet wird (geschlossene Veranstaltung). Dort ist dann am 10. und 11. Oktober auch ihre aktuelle Produktion „Bodies in Rebellion“ zu sehen.

Choreografin Zufit Simon erhält den Tanzpreis 2025 der Landeshauptstadt München.
Choreografin Zufit Simon erhält den Tanzpreis 2025 der Landeshauptstadt München.
Oliver Look

Aber zurück in die Nürnberger Tafelhalle und dem Freie-Kultur-Recycling. Zur Eröffnung am 1. Oktober präsentiert das Festival die Company Christoph Winkler mit ihrer Produktion „Songs & Dances about the Weather“. Das Tanzstück verbindet Geschichten über afrikanische Regenmacher-Rituale mit den Klimadaten in Europa. In Tomi Paasonens „Attitude“ schweben am 2. Oktober Kai Braithwaite, Ted Littlemore und die Drag-Künstlerin Gieza Poke auf Spitzenschuhen über die Bühne. Autobiografisch erzählen sie von Trauma, „Race“ und Scham. Das Stück sei „eine Studie über das Aufmischen des strengen akademischen Vokabulars des klassischen Balletts mit queerer Popkultur“, so die Veranstalter.

Wer es nicht zum Nürnberger Festival schafft: Auch im Münchner Theater Hoch X geht es um Körperbilder und Identität – allerdings in einer Premiere. Die Tanz- und Videoperformance „Make it up!“ von Barbara Galli-Jescheck mit der Tänzerin Emmanuelle Rizzo spricht vorwiegend zum jungen Publikum. Die Choreografie spielt mit der täglichen Selbstinszenierung: online und offline, in Schule, in Familie und Freundeskreis. Rizzo experimentiert mit den Mitteln des zeitgenössischen Tanzes, Voguing, Hip-Hop, House Dance oder K-Pop. Wie findet man eine eigene, vielfältige Persönlichkeit jenseits festgelegter Grenzsetzungen? Premierenvorstellungen sind am Donnerstag, 9. Oktober, um 11 und 19 Uhr. Am Mittwoch, 8. Oktober, 11 Uhr, gibt es eine öffentliche Generalprobe bei freiem Eintritt.

Szene aus „Strawinsky in Paris“, Jeroen Verbruggens Ballett am Gärtnerplatztheater.
Szene aus „Strawinsky in Paris“, Jeroen Verbruggens Ballett am Gärtnerplatztheater.
Marie-Laure Briane

Zurück zu den Wiedergängern auf der Tanzbühne: Eine Geisterbeschwörung ist der Doppelabend „Strawinsky in Paris“ am Gärtnerplatztheater, der dort im vergangenen Juni Premiere hatte und nun wieder auf dem Programm steht (9., 11., 23. und 25. Oktober). Die Dschinns, die hier aus der Flasche gelassen werden, sind nicht nur George Gershwin und Igor Strawinsky. Auch Vaslav Nijinsky und Gene Kelly sind irgendwie als Spurenelemente im Raum unterwegs in der Choreografie von Jeroen Verbruggen zu Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“ und Marco Goeckes rasanter Variation zu Strawinskys „Le sacre du printemps“.

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Tanz
:Paris im Frühling, Paris im Nebel

Marco Goecke und  Jeroen Verbruggen zeigen im Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz einen fulminanten Doppelabend mit zwei sehr unterschiedlichen Choreografien.

SZ PlusVon Dorion Weickmann

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